Comedy

Ein Erzählmeister im Abschweifen

Torsten Sträter startete im Grohe-Forum einen Angriff auf die Lachmuskeln und begeisterte 1500 Fans.

Torsten Sträter startete im Grohe-Forum einen Angriff auf die Lachmuskeln und begeisterte 1500 Fans.

Foto: Ralf Engel / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Hemer.  Torsten Sträter begeistert im Grohe-Forum 1500 Fans mit unendlich verworrenen Geschichten.

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Wer ihn persönlich zu Hause zu Gast hat, der muss damit rechnen, dass aus dem Mittagstisch ein Abendessen wird, dass er die nächsten Stunden nicht zu Wort kommt, weil der Gast „nur mal kurz“ und auch nur „ein Stück weit“ in seinen Erzählungen immer wieder zurück auf Los geht: Torsten Sträter ist ein wahrer Meister des Abschweifens. 1500 Fans erlebten ihn am Donnerstagabend auf der Bühne des Grohe-Forums. Was er in diesen 150 Live-Minuten erzählt hat, werden die meisten Zuhörer kaum wiedergeben können, zu umschlungen waren seine Erzählstränge, zu abstrus manche Einschübe, zu vieles hat man auch einfach vor Lachen zu schnell wieder vergessen.

„Wenn ich was denke und sage, will ich wissen, was es war“, eröffnet der Comedian mit der markanten Wollmütze den Abend und testet im Soundcheck vor Publikum seine Monitorboxen. Schließlich muss er in dieser „Sporthalle“ ohne Handyempfang auch hören, was er sagt. Eigentlich sagt der Comedian aber selber, dass er laut Selbstgespräche führt, und die 1500 auch noch dafür Eintritt bezahlen. Da stellt sich allerdings auch die Frage, weiß er nachher wirklich, was er alles erzählt hat?

Hemer für Autos gar nicht ausgelegt

Der Waltroper hat die Lage Hemers gleich erfasst. Ganz viel Gegend gebe es hier, unterwegs habe er ein Einhorn gesehen und Hemer sei für Autos so gar nicht ausgelegt, spricht er nach den Staus auf der Anfahrt den Zuhörern aus dem Herzen. Dann ist er schon mitten drin in seinen Erzählungen. Torsten Sträter braucht kein Bühnenbild, es reichen Stehtisch, Hocker, Wasser und Kaffee. Die Zuhörer hängen von der ersten Minute an an seinen Lippen und lieben seinen schrägen Humor. Dabei ist der Titel seiner neuen Show „Schnee, der auf Ceran fällt“ schon so eine sinnlose Idee aus der sommerlichen Schreibphase am Showprogramm. Der Angriff auf die Lachmuskeln beginnt mit seinen Erlebnissen auf dem Heavy Metal-Festival in Wacken, führt über die Begegnung mit Reinhold Messner. Die Homöopathie sei für jene, denen Tic-Tac zu billig sei. Sträter erzählt von der Eröffnung seiner eigenen Rheumapraxis in Bochum-Stiepel, wo er in einem mit Eierkartons ausgeschlagenen Raum den Geist von Heinz Rühmann heraufbeschwört. Nun hofft er auf die Kassenleistung der AOK.

Auch wenn der 16-jährige Sohn es eigentlich leid ist, für die väterlichen Erzählungen herhalten zu müssen, sind die Vater-Sohn-Erlebnisse die eigentliche Konstante der Show, so beim Eislauf-Kurs, dem Auftritt im Lehrerzimmer. Ein Stück Lebenserfahrung werden die Zuhörer nach seinen anschaulichen Beschreibungen verinnerlicht haben: Iss keine Bockwurst an der Tanke!

Vom Zuckerentzug bis„Bares für Rares“

An wenigen Vorlese-Geschichten hangelt sich Torsten Sträter durch den Abend, doch sie werden zur Nebensache, wenn er wieder in völlig andere Sphären abschweift. Er kommt vom Hölzken aufs Stöcksken. Nach der Pause gibt der 53-Jährige noch mal richtig Gas. Seine verrückten Erzählungen reichen von Alpträumen durch den erprobten Zuckerentzug bis zu seiner Überversicherung. Herrlich sind seine Betrachtungen über Horst Lichters Trödelshow „Bares für Rares“. Für Lachsalven sorgt sein „Rumpeln in der Warenausgabe“, will sagen, seine immer dringender werdende Klosuche im Zug von Dortmund nach Berlin. Der Abend endet melancholisch und mit Musik – obwohl er ja gerade das nicht sollte – und mit tosendem Applaus.

Und weil so schön war, gibt es noch eine Zugabe: Am 10. Dezember kommt Torsten Sträter nochmals – allerdings erst 2020! Dann fährt er früher los, schließlich muss er nochmals nach Hemer.

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