WortKlang

Ein kulturelles Fest für die ganze Region

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Hemer. WortKlang in Hemer - das war zunächst einmal recht verwirrend für die Künstler. Denn ihre Verträge haben sie alle mit Iserlohn geschlossen, und dort wähnten sie sich auch bei ihren Auftritten, was für so manche amüsante Ansage sorgte.

WortKlang in Hemer - das war vor allem aber ein Experiment, das rundum geglückt ist. „Es macht uns sehr glücklich, dass wir hier vier kulturelle Festtage für die ganze Region gestiftet haben“, freute sich Iserlohns Kulturbüro-Leiter Johannes Josef Jostmann gestern rückblickend. Nach zweieinhalb jähriger Vorlaufzeit sei es geglückt, die eigenen Vorgaben einzulösen. Mehr als 10 000 Menschen haben die Künstler des Festivals angezogen, was allein den nackten Zahlen nach schon ein Erfolg ist, der die Festivals der Vergangenheit deutlich überflügelt. Noch wichtiger für Jostmann ist aber, dass es alle genossen haben und dass die Stimmung einfach prächtig war. „Wenn die Sonne scheint, sind auch wir Sauerländer ganz anders, als uns das Etikett beschreibt“, zielte er auf die gelöste Festival-Atmosphäre, die über die ganzen Tage herrschte, und auf die ausgelassene Fest-Stimmung bei den Konzerten.

Besonders angetan ist Jostmann auch von den Bedingungen auf der Landesgartenschau, von dem Kulturforum, der wunderbaren Bühne und der guten Technik. „Alles hier wurde mit sehr viel Sachverstand ausgeführt“, lobt er die LGS und fügte ein wenig wehmütig hinzu, dass es einen solchen Ort in Iserlohn derzeit leider nicht gebe.

Im Kern lebte aber auch der WortKlang in Hemer von der Musik, die auf der Festival-Bühne erklang. Musikalischer Höhepunkt war dabei eindeutig Klaus Doldingers Passport - nicht nur weil die Band ganz enorme Möglichkeiten hat, sondern auch weil Doldinger genau das getan hat, was er seit 55 Jahren mit großem Erfolg macht: Auf der Bühne sein Bestes geben und ein Konzert zu einem echten musikalischen Fest machen (siehe unten stehenden Artikel). Was man im Falle von Jan Delay bei aller Begeisterung für seinen Auftritt leider nicht sagen kann. Ein Konzert vor 2500 zahlenden Gästen wie einen Probelauf mit anschließendem Soundcheck für den richtigen Open-Air-Start am folgenden Tag zu behandeln, ist schon eine Frechheit. Dann aber auch noch die Kohle dieser Besucher einzusacken und sich am Freitag bei „Rock am Ring“ über das kleine Hemer („Ich weiß gar nicht mehr, wo das liegt“) und die partymuffeligen Hemeraner („Da waren ja auch nur zwölf Leute da“) recht abfällig lustig zu machen, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Man kann sich vorstellen, wie echt seine eigene Party-Stimmung am Donnerstag war.

Vielleicht war er aber auch nur gekränkt, weil Culcha Candela mit rund 5000 Gästen und damit doppelt so vielen wie bei ihm die großen Abräumer des Festivals waren. „Wir schweben gerade auf einer Welle, die nicht bricht“, zeigte sich Don Cali, einer der sechs Culcha Candela-Sänger wenig überrascht über den großen Zustrom. Bei der Masse an Teenies, die zu ihren Konzerten kommen, sind sich die Berliner durchaus ihrer Verantwortung als Vorbild bewusst. Vor allem politisch wollen sie für eine Multi-Kulti-Gesellschaft eintreten. „Von Anfang an wollten wir unsere Auftritte mit einer Botschaft verbinden“, erklärte Mr. Reedoo im Gespräch. Allerdings ohne erhobenen Zeigefinger und lange Reden. „Unsere Erscheinung auf der Bühne ist da Aussage genug.“ Aus Deutschland, Polen, Uganda und Kolumbien stammen die aktuellen Mitglieder, und ihre gute Laune schmälert nur, dass von diesen Ländern nur Deutschland bei der WM dabei ist, weswegen nun alle zwölf Daumen für das DFB-Team gedrückt werden.

Die Jungs von Culcha Candela wussten übrigens auch nicht, wo sie jetzt genau waren, in Hemer oder Iserlohn. Daher begrüßten sie bei ihrem Auftritt einfach das Sauerland - sehr clever.

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