Nachruf

Ein Verfechter der Demokratie und der Kunst

Hermann-Josef Geismann

Hermann-Josef Geismann

Foto: Privat

Hemer.   Der Politiker, Architekt und Künstler Hermann-Josef Geismann ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Hermann-Josef Geismann lebt nicht mehr. Der Politiker, Architekt, Künstler und Heimatfreund ist bereits am vergangenen Samstag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus am Bemberg, in dem er nach dem Tod seiner Frau Anneliese vor zwei Jahren allein wohnte, sanft entschlafen. Hermann-Josef Geismann hinterlässt drei Töchter mit deren Familien, darunter fünf Enkelkinder.

Die Nachricht vom Tode Hermann-Josef Geismanns hat in Hemer tiefe Trauer ausgelöst. Der Christdemokrat hatte sich über die Grenzen der CDU hinweg hohes Ansehen und Respekt erworben, weil er stets zwar streitbar und konsequent Politik betrieb und sich vehement für die Sache einsetzte, sich aber dabei immer von der Überzeugung leiten ließ, das Richtige zu tun. Die polemisch-unsachliche Verunglimpfung oder Diffamierung Andersdenkender waren ihm fremd.

Bleibende Spuren in seiner Heimatstadt hinterlassen

Hermann-Josef Geismanns Handeln und Streben waren nicht zuletzt von christlichen Werten geprägt. Der tiefgläubige Katholik machte aus seiner Religiosität nie einen Hehl, trug sie aber nicht als Aushängeschild vor sich her. Am 1. August 1930 in Hemer geboren fühlte sich Hermann-Josef Geismann insbesondere der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul verbunden. Er war ein profunder Kenner der Kirchengeschichte seiner Heimatstadt und hat unter anderem durch den von ihm geleiteten großen Umbau von Haus Hemer einen Verdienst von historischer Dimension erworben. Auch durch andere Bauwerke hat er als Architekt Hemer geprägt, genannt seien nur die Pfarrkirche Christkönig in der Innenstadt oder die Brabeckschule.

Hermann-Josef Geismann war aber keineswegs nur ein technisch versierter Fachmann, sondern auch ein Intellektueller der alten Schule. Ungeheuer belesen liebte er es, über Literatur, Kunst, Geschichte, Theologie und Philosophie zu diskutieren, wobei ein Gespräch über eines dieser Themen selten kurz ausfiel. Seine grundlegenden Kenntnisse wurden dabei häufig ergänzt durch ein detailliertes Faktenwissen, das er bis in die letzten Tage seines Lebens abrufen konnte.

Sein Blick ging weit über die Grenzen Hemers hinaus

Die Erfahrungen, die der blutjunge Hermann-Josef Geismann mit der Herrschaft der Nazis und den Schrecken des Zweiten Weltkrieges machen musste, haben seine politische Arbeit von Anfang an mitbestimmt. 1955 trat er in die CDU Hemer ein, in der er sich schnell Meriten erwarb. Von 1966 bis 1978 führte er erstmals den Stadtverband, ebenso noch einmal in den Jahren 1988 und 1989. Von 1969 bis 1978 saß er im Rat des Amtes und der Stadt Hemer. Mit ganzer Kraft setzte er sich im Vorfeld der kommunalen Neugliederung für die weitere Selbstständigkeit Hemers ein, sowohl als letzter Amtsbürgermeister des Amtes Hemer, vor allem aber auch als Mitglied des Nordrhein-Westfälischen Landtages, in den er ab 1970 dreimal in Folge direkt gewählt wurde. Geismann hatte aber nicht nur seine Heimatstadt, das Land Nordrhein-Westfalen, die Bundesrepublik im Blick, sondern war auch ein leidenschaftlicher Europäer. Spätestens seit der deutschen Wiedervereinigung sah er eine nachhaltige Chance für Frieden und Wohlstand nur in einem einigen und eng zusammenarbeitenden Europa. In der Kommunalpolitik war Hermann-Josef Geismann in den zurückliegenden Jahren zwar ohne Amt und Mandat, aber ein wichtiger Ratgeber für die CDU. Insbesondere der Jungen Union fühlte er sich väterlich verbunden, und wurde im Jahr 2000 zu deren Ehrenmitglied ernannt.

Der Kunst galt seinegroße Leidenschaft

Hermann-Josef Geismanns ganze Leidenschaft gehörte neben Frau und Familie der Kunst. Wann immer es seine Zeit erlaubte, griff er selbst zu Stift und Pinsel und hinterlässt ein umfangreiches und vielfältiges Werk, das von einem scharfen Blick für das Schöne, Aufregende und Interessante zeugt. Daneben war Hermann-Josef Geismann auch ein Förderer der Kunst anderer, der sich um die Organisation von Ausstellungen bemühte, vor allem auch im Felsenmeer-Museum des Bürger- und Heimatvereins, dessen langjähriger Vorsitzender und Motor und seit 2010 auch Ehrenvorsitzender er war. Zudem war er Mitglied in vielen weiteren Vereinen und gestaltete so – oft ohne großes Aufsehen – das öffentliche Leben seiner Heimatstadt mit.

Auf eigenen Wunsch wird Hermann-Josef Geismann im engsten Familienkreis beigesetzt. Das Seelenamt wird am Samstag, 7. Juli, ab 11 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter und Paul gefeiert.

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