Buschbrände

Eine Hemeranerin in Australien: Alltag im Ausnahmezustand

Mit einem Camper hat Lisa Ruberg bereits große Teile des Kontinents bereist und musste sogar durch ein plötzlich entstehendes Feuer fahren.

Mit einem Camper hat Lisa Ruberg bereits große Teile des Kontinents bereist und musste sogar durch ein plötzlich entstehendes Feuer fahren.

Foto: Privat

Hemer/Melbourne.  Die gebürtige Hemeranerin Lisa Ruberg lebt seit vier Jahren in Melbourne und erlebt die Auswirkungen der Buschbrände in Australien hautnah mit.

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„Es ist einfach unfassbar was hier gerade passiert, es lässt sich kaum in Worte fassen“, sagt Lisa Ruberg. Die Hemeranerin lebt seit mittlerweile vier Jahren in Melbourne, der Hauptstadt des australischen Bundesstaates Victoria, nur 300 Kilometer von den großen Buschfeuern entfernt.

Doch die Auswirkungen sind auch bis in die Großstadt hinein spürbar. „Heute durften wir das Haus nicht verlassen und mussten alle Fenster und Türen geschlossen halten“, berichtet sie im Telefongespräch mit der Heimatzeitung, die Luftqualität sei viel zu schlecht. Morgens sei sie sogar einmal aufgewacht und habe gedacht, ihr Haus stehe in Flammen. „Es hat so stark nach Qualm gerochen, dabei hatten wir einfach nur die Klimaanlage an.“ Hundert Meter weit könne sie dann maximal noch schauen, wenn die Rauchschwaden über die Stadt ziehen.

Buschbrände waren in diesem Sommer besonders früh

Es ist heiß in Australien. Und es ist windig. Der perfekte Nährboden für die großen Buschbrände, die aktuell über den Kontinent ziehen. Die beiden größten Feuer in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales haben sich jetzt zu einem Megafeuer vereinigt – auf einer Fläche von 600.000 Hektar.

Buschbrände gebe es in Australien immer schon, berichtet Lisa Ruberg: „Aber in diesem Sommer haben die Feuer schon im Oktober begonnen. Bei den jetzigen Ausmaßen wird es auch noch drei oder vier Monate so weitergehen.“ Die Wetterbedingungen sind extrem: Während es in einem Moment noch 44 Grad sind, sinkt die Temperatur kurz darauf auf nur 19 Grad. Bereits seit sieben Jahr leide Australien unter einer anhaltenden Dürre. „Ich kann mich nicht erinnern, wann es in Melbourne das letzte Mal geregnet hat“, meint die 31-Jährige. Besonders beeindruckt ist sie allerdings von der Hilfsbereitschaft und Offenheit der Australier, die in dieser Krise noch einmal besonders deutlich wird. Jeder, der kann, spendet etwas, egal ob Geld, Sachspenden oder das Angebot an Evakuierte, in einem nicht oder nur wenig genutztem Zimmer unterzukommen.

Gelassenheit und Hilfsbereitschaft der Australier sind beeindruckend

Vor allem diese Lebensart ist es auch, die Lisa Ruberg in ihrem Auslandssemester 2014 überzeugte, ihren Lebensmittelpunkt nach Australien zu verlegen. Seit vier Jahren lebt sie nun in Melbourne, absolvierte erst ihr Masterstudium im Fach „Advertising“ und arbeitet nun als Managerin für Marketing und Kommunikation in der Niederlassung eines deutschen Unternehmens, das Elektromotoren und Ventilatoren herstellt.

Lisa Ruberg ist schon über den ganzen Kontinent gereist. Dass vieles davon jetzt schon den Flammen zum Opfer gefallen ist, sei für sie schlicht unvorstellbar. „Einmal bin ich gemeinsam mit meinen Eltern mit dem Camper durch ein Feuer gefahren, das plötzlich entstanden ist“, erzählt sie.

Bei Buschbränden würden viele vor allem an Gras- und Buschlandschaften denken, das sei bei den aktuellen Feuern aber oftmals nicht der Fall: Ganze Städte sind abgebrannt, Touristen sind betroffen und landwirtschaftliche Betriebe kämpfen um ihre Existenz. Kriegsschiffe müssen Menschen von Stränden aus evakuieren, an denen sie festsitzen – die größte Evakuierungsmaßnahme in Zeiten des Friedens. „Wir haben hier Kriegszustände, nur dass wir einen Krieg mit der Natur haben.“

Ein großes Gefühl von Zusammenhalt unter den Australiern – und auf der Welt

Auch wenn die Stimmung angesichts dieser Naturkatastrophe bedrückt sei, so seien die Australier gleichzeitig bemüht, anzupacken und nach vorne zu schauen. „Ich bin mir sicher, dass alles wieder aufgebaut werden kann, sogar noch schöner. Der Zusammenhalt ist einfach beeindruckend.“ Die Hilfen aus Ländern überall auf der Welt und auch die Spendenbereitschaft lösen in Lisa Ruberg und allen anderen Menschen vor Ort eine enorme Dankbarkeit aus.

Mahnende Worte findet Lisa Ruberg dennoch: „Wir sind nur die Ersten, die mit voller Wucht von den Auswirkungen des Klimawandels getroffen werden. Die Menschen sollen sehen, was hier passiert und daraus lernen.“

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