Lesung

Eine Reise durch die großen Fragen der Trauer

In einer bewegenden Lesung sprach die Österreicherin Barbara Pachl-Eberhart über ihr eigenes Schicksal und die Trauer an sich.

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In einer bewegenden Lesung sprach die Österreicherin Barbara Pachl-Eberhart über ihr eigenes Schicksal und die Trauer an sich. Foto: IKZ

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Hemer.  Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen, ohne daran selbst zu zerbrechen? Wer die Geschichte von Barbara Pachl-Eberhart hört, ist schnell geneigt, sich die Frage zu stellen. Der Gründonnerstag im Jahr 2008 verändert das Leben der Österreicherin: Ihre Bilderbuchfamilie existiert von einem auf den anderen Augenblick nicht mehr.

Mit 100 Stundenkilometern vom Zug erfasst

An einem unbeschrankten Bahnübergang in der Nähe von Graz übersieht Ehemann Helmut morgens mit dem sechsjährigen Sohn Timo und der fast zweijährigen Tochter Valentina im Auto das Signal und wird mit rund 100 Stundenkilometern vom Zug erfasst. Familie Eberhart, die mit Clownerie ihren Lebensunterhalt bestritt und dabei Jung und Alt ein Lächeln ins Gesicht zauberte, gibt es nicht mehr. Barbara Pachl-Eberhart, die gemeinsam mit ihrem Mann unter anderem als Krankenhausclown tätig war, steht plötzlich ganz alleine da. Von jetzt auf gleich hat sie, die andere zum Lachen brachte, selbst nichts mehr zu lachen. Aufgeben, diese Option gibt es für die Hinterbliebene nicht, das ist sie ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern schuldig.

Auch wenn der Schmerz tief sitzt, versucht Barbara Pachl-Eberhart den Blick nach vorne auf Kleinigkeiten zu richten, die man im alltäglichen Leben übersieht. Sie will leben – ein Leben in Liebe, mit Gefühlen, in dem gelacht und geweint werden darf und in dem man vor allem dankbar für jeden geschenkten Moment ist. Der tragische Unfall wird für sie persönlich zum Wendepunkt, an dem sie nicht zerbricht. Lebensbejahend geht die heute 41-Jährige, die ausgebildete Pädagogin ist, durchs Leben. – gemeinsam mit ihrem neuen Ehemann, Schauspieler Ulrich Reinthaller, und ihrer Familie. Ihr erster Mann und die Kinder sind im Herzen. Wie sie mit dem schrecklichen Verlust ihrer Familie zurechtkam und wie sie zu einem neuen Leben fand, beschreibt Barbara Pachl-Eberhart in dem biographischen Roman „vier minus drei“, der zwei Jahre nach dem Unglück veröffentlicht wurde.

Barbara Pachl-Eberhart – eine starke Frau, die anderen Mut macht. So hilft auch das 2014 erschienene Buch „Warum gerade du?“ Menschen, mit Trauer umzugehen und sie in erster Linie zuzulassen. Mit ihrem autobiographischen Roman und ihrem jüngsten Werk gastierte die Autorin am Mittwochabend auf Einladung des Hospizkreises Hemer in Kooperation mit dem Buchladen am Neuen Markt in der Ebbergkirche. Dabei las die Autorin den rund 100 Zuhörern jedoch keineswegs nur vor; lebendig und berührend erzählte sie zwischen den einzelnen Passagen immer wieder aus ihrem Leben und von Trauerarbeit an sich.

Trauer ist mehr alsnur eine Phase

In „Warum gerade du?“ erzählt die Autorin, die selbst erfahren musste, dass Trauer mehr als nur eine Phase ist, von ihren persönlichen Antworten auf die großen Fragen der Trauer. Gefühle und Fragen zulassen statt sie zu verdrängen – das ist der Schlüssel, um mit Trauer umzugehen. Ihr Buch soll jedoch keinesfalls die persönliche Schilderung eines Einzelschicksals sein, geht es doch weit darüber hinaus.

Nachdenklich, poetisch aber auch lebenspraktisch geht Barbara Pachl-Eberhart auf eine Reise durch die großen Fragen der Trauer. Werde ich alles vergessen? Wer kann mich nur verstehen? Kann ich jemals wieder glücklich sein? Das sind nur einige der Fragen, auf die sie versucht, Antworten zu geben. Dabei schenkt die „Botschafterin der Lebensfreude“ Hoffnung, Kraft und ermutigt ihre Leser. Das Leben trägt den Menschen nämlich auch in Situationen, in denen er gerade selbst nicht weiter weiß und der Tod ist keinesfalls das Gegenteil des Lebens.

Die Besucher in der Ebbergkirche berührte Barbara Pachl-Eberhart am Mittwoch aber nicht nur mit ihrem Schicksal. Beeindruckten doch gleichsam ihre Lebensfreude und Kraft sowie ihr Mut, ihr Schicksal so anzunehmen. Offen beantwortete die Autorin im zweiten Teil des Programms nach einer kurzen Pause Fragen aus dem Publikum.

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