Konzertwochenende

Emotionen kochen über beim Pur-Konzert

Für Sänger Hartmut Engler war das Konzert im Sauerlandpark der Abschluss seiner Sommertour.

Für Sänger Hartmut Engler war das Konzert im Sauerlandpark der Abschluss seiner Sommertour.

Foto: Wolfgang Meutsch

Hemer.  Sänger Hartmut Engler kommen die Tränen, als er das „Lieblingslied“ seiner verstorbenen Mutter singt.

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Pur-Sänger Hartmut Engler hat Tränen in den Augen, als er sich nach der letzten Zugabe des Konzerts noch einmal vor seinen Fans verbeugt. Für die Band und ihn war das Konzert am Samstagabend im Sauerlandpark die letzte Station einer 28 Städte umfassenden Tour. Mit ihrer Performance haben Pur nicht nur emotionale Höhepunkte geliefert, sondern auch eine spektakuläre Lichtshow auf die Bühne gebracht. Die Show ist mit rund 9000 Gästen ausverkauft.

Schon vor dem Auftritt der Band schwirrt eine Frage durch die Zuschauerreihe. „Was ist denn das da oben?“, ist zu hören und bezieht sich auf das „Ufo“ aus Neonröhren, das sich oberhalb der Bühne befindet. Was dieser riesige Kronleuchter für eine Wirkung ausübt, erfahren die Fans direkt in der ersten Nummer der Kultrocker. Vier große Bildschirme, Scheinwerfer und eben auch der große Aufbau aus Neonröhren tauchen sowohl Bühne als auch Publikum in ein grelles, weißes Licht, so dass die Künstler fast zur Hälfte im Schatten verschwinden.

Publikum taucht in das wabernde Lichtmeer ein

Auch sonst bieten Bildschirme und Lichttechnik einen Rahmen für den Auftritt von Pur und sprechen die Emotionen der Zuschauer an. Tiefe Rottöne wechseln sich mit grün-violetten, blauen und orangefarbenen Lichtern ab. Die Zuschauerreihen tauchen in wabernde, streifende oder flackernde Lichtwellen ein. Von Anfang an ist die Stimmung ausgelassen. Teilweise wirkt die Show auf der Bühne wie ein Musikvideo. Einspieler von Engler und den Pur-Jungs sowie Fotos sorgen noch weiter für Stimmung.

Mit dem etwas leiseren Song „Beinah“ aus dem 2018 erschienenen Album „Zwischen dem Welten“ starten Pur in das Konzert, schwenken direkt danach aber auf einen alten Evergreen aus dem Jahr 1989 um: „Freunde“. Die Zuschauer jubeln, viele singen den Text Zeile für Zeile mit. Es wird nicht das einzige Mal sein. Oft reichen nur kleine Gesten von Hartmut Engler, und das Publikum wird zum Selbstläufer. In vielen Fällen kann er das Mikrofon über die Zuschauermassen halten. „Du blitzt mich an mit deinen Funkelperlenaugen“ singt ein Chor aus Tausenden von Menschen.

Band bezieht Stellung gegen rechte Hetze

Einen besonders emotionalen Moment erleben die Fans auch mit „Wenn sie diesen Tango hört“, dem „Lieblingslied“ der verstorbenen Mutter des Sängers. Während Bilder von ihm und seiner Mutter – Nase an Nase – über die Bildschirme wandern, rollt die ein oder andere Träne über das Gesicht des Sängers. Nach dem Lied sagt er mit verheulter Stimme: „Es tut mir leid, vor fast 10.000 Menschen die Fassung zu verlieren. Ich danke Euch für Euer Mitgefühl.“

Er erzählt über seine Mutter, die ihm immer den Rücken gestärkt hat und auch im hohen Alter noch den Backstage-Bereich der Band besucht hat. „Buben, habt Spaß und genießt das Leben“, gibt Engler die Worte seiner Mutter an das Publikum weiter. „Den 91. Geburtstag haben wir noch zusammen gefeiert. Den 92. hat sie schon dort oben mit Papa gefeiert und es krachen lassen“, sagt der 57-Jährige.

Auch ihren politischen Standpunkt verpackt die Band in mehrere Lieder. Die Bühne wird dunkel. Wie Bulletin-Schlagzeilen schweifen die Worte „Wie fängt es an? Wo hört es auf“ über gelb-rotem Hintergrund über die Bildschirme. Hartmut Engler tritt mit einem Ledermantel, einer militärischen schwarzen Schirmmütze und einen Schlagstock vor das Mikrofon. „Bis der Wind sich dreht“ erklingt und im Hintergrund zeigen die Bildschirme die Aufmärsche rechter Gruppierungen. „Ich dachte, damit wären wir durch“, kommentiert er rechten Populismus und die Hetze.

Dass die Taschenlampen von Smartphones mittlerweile wohl das Feuerzeug bei emotionalen Liedern ersetzt haben, wird nach dem letzten Lied am Abend mit den Vorband-Gruppen Paule, Peppa und Batomae deutlich. Es bietet sich ein beeindruckender Anblick: Wie ein Sternenmeer auf dem Himmelsspiegel.

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