Sammler-Serie

Feuer und Flamme für die Löschtruppen

Frank Weber sammelt alles rund um die Feuerwehr

Frank Weber sammelt alles rund um die Feuerwehr

Foto: Ralf Engel / IKZ

Hemer.  Frank Weber sammelt alles rund um die Feuerwehr. Allein 160 Helme dokumentieren die Geschichte.

Zwischen dem kleinsten Teil und dem größten liegen rund 4720 Millimeter, zwischen dem ältesten und jüngsten fast zwei Jahrhunderte: Schon dies macht die Bandbreite einer außergewöhnlichen Privatsammlung deutlich, ist aber nur ein kleiner Anhaltspunkt für den Umfang der Feuerwehrsammlung von Frank Weber. „Grob geschätzt habe ich über 1000 Teile“, sagt der Hemeraner bescheiden. Seine Sammlung ist ein wahres Museum internationaler Feuerwehrgeschichte. Sie reicht vom kleinen Uniformknopf bis zum Löschfahrzeug Mercedes L 319 B – wohlgemerkt in Originalgröße.

Dabei hat die Sammelleidenschaft – wie bei so vielen – klein angefangen. 1988 trat Frank Weber der Freiwilligen Feuerwehr bei. Als er ein Jahr später im Hemeraner Bundeswehrshop Radix einen alten Feuerwehrhelm entdeckte, war die Idee geboren, sich intensiver mit der Geschichte der Feuerwehr zu beschäftigen. „Ich finde es sehr schade, wenn die alten Sachen weggeworfen werden“, sagt der 48-Jährige. Dass das Ganze solche Ausmaße annimmt, konnte damals niemand ahnen.

Kriegshelme für dieFeuerwehr umlackiert

Mittlerweile hat Frank Weber 160 Feuerwehrhelme. Der älteste stammt von der Feuerwehr Hessen-Nassau aus dem Jahre 1860. Nach den Kriegen sind Stahlhelme überlackiert, neu beschriftet worden und wurden bei den Feuerwehren weiter verwendet. Welche Entwicklungsstufen dies nahm, wird in der Sammlung dokumentiert. Obwohl Frank Weber seinen Sammelschwerpunkt auf deutsche Feuerwehrartikel legt, sind auch ein Helm aus Thailand, aus der Schweiz, aus Neuseeland und sogar der New Yorker Feuerwehr dabei. Nur einige ausgewählte Helme füllen die Vitrine im Wohnzimmer, auch ansonsten ist das Haus noch nicht zum Feuerwehr-Museum geworden. Wer genau hinschaut, findet aber an vielen Stellen wohl dosierte Ausstellungsstücke. Der Rest ist in verschiedenen Räumen eingelagert.

Der „Rest“ ist groß. Auf knapp drei Metern finden beispielsweise in einem Kleiderschrank historische Uniformen Platz. Die älteste stammt aus dem Jahr 1860 und ist aus einfachem Leinenstoff. Dazu gehören natürlich die Original-Knöpfe, die passenden Mützen und Koppelschlösser. Rein zahlenmäßig führen die Orden und Ehrenzeichen mit über 200 Exemplaren die Sammelhitliste an. Der älteste ist aus dem Jahr 1825 und somit aus der Kaiserzeit. Die Ehrenzeichen stammen aus verschiedenen Bundesländern, aber auch ausländische Orden sind dabei, so aus Ungarn, Saudi-Arabien oder der Sowjetunion. Eine Beschriftung benötigt Frank Weber nicht. Er kann alle seine Sammelstücke historisch zuordnen – ohne Katalog oder Laptop. Der Hemeraner ist ein wandelndes Lexikon zur Feuerwehrgeschichte.

2011 kam das größte Teil hinzu, der Mercedes L 319 B als Löschfahrzeug 8. Der L 319 war im September 1955 auf der Internationalen Automobilausstellung als „Schnell-Lastwagen“ unterhalb der 7,5-Tonnen-Klasse vorgestellt worden und ist bis 1968 gebaut worden. Frank Webers rotes Schätzchen ist Baujahr 1963 und war bei der Werksfeuerwehr der Firma Graetz und bis 1994 bei der Firma Möhling im Einsatz. Erst bei der Restaurierung stellte sich heraus, dass das Fahrzeug ursprünglich der Löschgruppe Sundwig gehörte.


„Mein Lieblingsteil ist definitiv das Auto“, sagt Frank Weber. Daheim hat der Sammler keinen Platz für das Löschfahrzeug. Es steht in einer Halle in Altena und beschert viel Arbeit. „Das Problem sind die Ersatzteile, ich habe das ein bisschen unterschätzt“, sagt der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker. Aktuell sei die Bremsanlage komplett zerlegt worden. „Bis zum TÜV ist es noch ein langer Weg“, so der Hemeraner.

Eigene Ausstellungist der große Wunsch

Viele seiner Sammelstücke hat der Hemeraner über Tauschbörsen beispielsweise am Institut der Feuerwehr in Münster erhalten. Aber auch Sammlerkontakte und Ebay sind wichtige Quellen. „Es macht Spaß, und man kriegt unheimlich viele Kontakte zu anderen Feuerwehrleuten, das macht das Ganze interessant“, sagt er zu seinem Hobby. Sein größter Wunsch wäre ein fester Raum für die Sammelstücke und natürlich eine kleine Ausstellung. Während er dies erzählt, fällt der Blick auf einen kleinen Beistelltisch, der natürlich auch etwas mit der Feuerwehr zu tun hat. In der unscheinbaren Kiste verbirgt sich eine Revolution im Rettungsdienst – ein Pulmotor. Ohne Frank Webers Sammelleidenschaft wäre das Beatmungsgerät aus dem Jahre 1929 im Sperrmüll gelandet. So hat er schon viel Feuerwehrgeschichte für die Nachwelt gerettet.

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