Hospizkreis

Mehr Palliativmedizin statt sinnloser Therapien

Der Palliativmediziner Dr. Matthias Thöns wurde von Dorothea Hoffmann und Markus Falk begrüßt.

Foto: Jatzke

Der Palliativmediziner Dr. Matthias Thöns wurde von Dorothea Hoffmann und Markus Falk begrüßt. Foto: Jatzke

Hemer.   Dr. Matthias Thöns, dessen Buch „Patient ohne Verfügung“ auf der Spiegelbestsellerliste stand, sorgte mit seiner Veröffentlichung vor einem Jahr für viel Aufsehen. In Hemer war er nun zu Gast beim Hospizkreis.

Wenn das Leben zu Ende geht, ist ein würdevoller, schmerzfreier Tod oft der letzte Wunsch der Patienten. Es gibt viele Pflegekräfte und Ärzte, die diesem Wunsch entsprechen, aber auf der anderen Seite leider auch etliche, die mit „Übertherapien“ die Leiden qualvoll verlängern und dabei oft den Profit im Kopf haben. Diese These von Dr. Matthias Thöns liefert jede Menge Gesprächsstoff über ein kontroverses Thema. Dementsprechend groß war am Dienstagabend im Saal des Jugend- und Kulturzentrums die Resonanz auf den Vortrag mit dem Experten, zu dem der Hospizkreis Hemer eingeladen hatte. Trotz Parallelveranstaltung und Fußball im TV kamen über 100 Zuhörer, um die Ausführungen des niedergelassenen Palliativmediziners aus Witten zu verfolgen.

Dr. Matthias Thöns, dessen Buch „Patient ohne Verfügung“ auf der Spiegelbestsellerliste stand, sorgte mit seiner Veröffentlichung vor einem Jahr für viel Aufsehen. Er deckte zum Beispiel auf, welch rentables Geschäft die stationäre Beatmung ist. Aus seiner Erfahrung heraus berichtete Dr. Thöns nun vor heimischem Publikum von Fällen, bei denen alte, schwerkranke Patienten mit allen Mitteln und Apparaturen behandelt werden, obgleich kein Therapieerfolg mehr zu erwarten ist. Nicht die Linderung der Leiden, sondern vielmehr die Profitgier vieler Ärzte und Kliniken stehe im Mittelpunkt – für Dr. Thöns ein unhaltbarer Zustand. Anschaulich mit Fotos, Tabellen und Fakten beschrieb Dr. Thöns die Missstände im Gesundheitssystem. So schilderte er unter anderem Fallbeispiele aus der Beatmungs- und Krebsmedizin. Er erläuterte, wie qualvoll und oft sinnlos Chemotherapien und künstliche Ernährung sind, wenn eine Genesung von vornherein ausgeschlossen ist.

Der Fachmann fordert den Ausbau der Palliativmedizin, statt immer mehr Geld in Übertherapien zu stecken. Seine Meinung geht nicht nur aus seinem Buch hervor, er hat seine Ansichten und Forderungen im Laufe des vergangenen Jahres auch mehrfach im Fernsehen vertreten. Außerdem appelliert er bei seinen Vorträgen, so auch in Hemer, immer wieder an sein Publikum, eine Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung auszustellen und sich im Fall der Fälle unbedingt eine Zweitmeinung einzuholen. „Sterbende haben keinen Rechtsschutz“, sagt Dr. Thöns. was unter anderem signalisieren soll, sich rechtzeitig zu kümmern. Neben seinem eindrucksvollen und gleichzeitig erschütternden Vortrag präsentierte der Palliativmediziner Passagen aus seinem Buch und stand für Fragen aus dem Auditorium zur Verfügung. Auch ließ er es sich nicht nehmen, sein Buch „Patient ohne Verfügung“ am Büchertisch zu signieren.

Hospiz- und Palliativtagam 14. Oktober im JuK

Beim Hospizkreis steht der Hospiz- und Palliativtag, veranstaltet vom Netzwerk Hospiz im MK-Nord, bevor. Am 14. Oktober findet der Tag zwischen 12 und 17 Uhr unter dem Motto „Jeder Moment ist Leben“ im Jugend- und Kulturzentrum statt. Die Besucher erwartet bei freiem Eintritt und unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Michael Heilmann jede Menge Programm. Informativ wird es mit Buchautor und WDR-Moderator Uwe Schulz, der sein Buch „Nur noch eine Tür“ vorstellt. Ebenfalls zu Gast sein wird Dr. Hans-Jörg Hilscher, der über die Möglichkeiten der modernen Palliativmedizin referiert. Für Unterhaltung ist mit Ulf Heße und seinem Trommelensemble sowie Märchenerzählerin Magdalena Janotte und Kleinkunst mit Karin und Gottfried Pielhau gesorgt. Des Weiteren wird es eine Vielzahl an Informationsständen geben.

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