Corona

Für die Menschen, die nicht mehr rausgehen können

Vor rund 50 Paketen Toilettenpapier stehen Kfz-Meister Peter Schreiter, Tariq Hamoudi vom HPS-Industriehandel und Adrian Schreiter. Diese sollen an Bedürftige verteilt werden.

Vor rund 50 Paketen Toilettenpapier stehen Kfz-Meister Peter Schreiter, Tariq Hamoudi vom HPS-Industriehandel und Adrian Schreiter. Diese sollen an Bedürftige verteilt werden.

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Hemer.  Peter Schreiter und Tariq Hamoudi kaufen im Großhandel Toilettenpapier ein und verteilen es an Bedürftige.

Seit der Corona-Krise gibt es eine Ware, die besonders knapp geworden ist: Toilettenpapier. Oft gab es schon die Situation, dass die Regale in den Supermärkten wie leergefegt waren. Um vor allem Bedürftigen und Senioren zu helfen, hat Peter Schreiter, Betreiber des Lack Centers Hemer, nun eine Gratis-Verteilung für ebendiese Personengruppe auf die Beine gestellt. 100 Pakete hat er seit Freitag schon verteilt. Weitere 100 hat er, auch durch eine Spende von Tariq Hamoudi vom HPS Industriehandel, noch übrig. Danach wird es auch bei ihm knapp.

Zugang zu den Massen an „Toilettenpapier“ hat der Kfz-Meister, weil er im Großhandel günstig einkaufen kann. Bekannt gemacht hat er die Aktion über die Facebook-Seite seiner Firma. Der Post wurde (Stand: Montag) mehr als 700 Mal geteilt, hat über 2000 Likes erhalten, mehr als 300 Mal wurde der Post kommentiert. Man kann sich vorstellen, dass das Angebot willkommen ist.

Fahrer im Abschleppdienst liefern nun Toilettenpapier

Auf die Idee gekommen ist der Bruder des Kfz-Meisters, Adrian Schreiter: „Im Internet habe ich einige Karikaturen gesehen. Eine davon zeigte einen Hamsterkäufer mit vollgepackten Einkaufswagen und daneben eine gebrechliche, traurig aussehende alte Frau. Bei solchen Fällen sollte man doch helfen“, erklärt er.

Peter Schreiter hat darauf das Toilettenpapier besorgt und die Aktion bekannt gemacht. Seitdem – Schreiter betreibt auch einen Abschleppdienst – liefern die Fahrer die Pakete an Bedürftige aus, die Schwierigkeiten haben, vor die Tür zu gehen. „Im Moment haben die Fahrer nicht viel zu tun. Da können sie auch bis vor die Tür fahren“, erklärt Peter Schreiber.

Auch an den Reaktionen der alten Menschen habe er gesehen, dass diese Aktion einen Nerv trifft. „Ich habe sehr viel Dankbarkeit erlebt, viele hatten Tränen in den Augen“, schildert er seine Erfahrungen.

Allerdings werden auch Leute ausgesiebt, die den Aufruf von Schreiter als eine Art Selbstbedienungsangebot sehen. „Es hat mich mal jemand am Samstag um 23 Uhr angerufen. Dabei war der gar nicht bedürftig“, schildert Schreiter. Es gebe schon Menschen, die das Angebot als selbstverständlich auffassen und fordernd auftreten. „Da muss man auch mit klarkommen“, sagt er.

Insgesamt war der Bedarf hoch, seit Samstag hat er schon 100 Pakete verteilt. Er schätzt, dass der Vorrat noch für weitere zwei Tage reichen könnte und hofft, dass andere Betriebe seinem Beispiel folgen. Seine Lieferungen sind bisher noch möglich, weil Tariq Hamoudi von der Firma HPS Industriehandel für einen Nachschub von weiteren 100 Paketen gesorgt hat. Der sagt: „Ich bekomme bald auch nichts mehr nach“. Seine Firma beliefert Industrieunternehmen unter anderem mit Schrauben, aber auch mit Toilettenpapier. Die beiden Unternehmer hatten auch in der Vergangenheit miteinander zu tun.

Gute Tat trotz allgemeiner Umsatzeinbußen

Beide Betriebe leiden – wie andere Firmen auch – unter den Beschränkungen durch die Corona-Ausbreitung. „Ich bin noch mit alten Aufträgen beschäftigt, neue kommen aber nicht rein“, sagt Tariq Hamoudi. In einer ähnlichen Situation ist auch der Kfz-Betrieb von Peter Schreiter. Seinen Bruder Adrian Schreiter hat die Situation härter getroffen. Er betreibt den Iserlohner Autohandel „4Wheelz“. „Wir haben schon enorme Umsatzeinbußen. Keiner will noch ein Auto kaufen“, sagt er.

Hilfebedürftige und Senioren können sich wegen der Toilettenpapier-Lieferungen bei Peter Schreiter unter 0179/7443165 melden. Sein Betrieb befindet sich an der Langenbachstraße 1. Soweit das möglich ist, werden die Pakete bis an die Haustür geliefert.

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