Abendfüllendes Vortragsprogramm mit Stadtdirektor a. D. Dieter Voss

Hademareplatz: Der letzte Schrei in Hemers Stadtplanung war am Ende ein Flop

Foto: IKZ

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Hemer. Sehr unterhaltsam und informativ verlief die Jahreshauptversammlung des Vereins für Hemeraner Zeitgeschichte, der den Gedenkraum für das Stalag VI A Hemer betreut. Jetzt war Stadtdirektor i. R. Dieter Voss bei den Zeitgeschichtlern, um aus den alten Zeiten des Amtes Hemer anschaulich zu beric

Der Verein für Hemeraner Zeitgeschichte verfolgt ein großes Ziel: Die Einrichtung des neuen Gedenkraums „Stalag VI A Hemer”. Bis zur Eröffnung der Landesgartenschau 2010 soll dieser Raum im Gebäude 15 der ehemaligen Blücherkaserne eingerichtet sein.

In der Hauptversammlung am Dienstag berichtete Vorsitzender Hans-Hermann Stopsack aber nicht nur über Neuigkeiten zu diesem Thema, der ehemalige Amts- und Stadtdirektor Dieter Voss nahm die Hobby-Historiker mit auf einen „Streifzug durch die Geschichte von Amt und Stadt Hemer”.

Stadtarchivar Eberhard Thomas präsentierte Fotos und Zeichnungen von Kriegsgefangenen; auch moderne Medien im Gedenkraum sind geplant. In die weitere Gestaltung der Gedenkstätte werden die Vereinsmitglieder eingebunden. Die Kosten (ca. 46000 Euro) werden teilweise durchs Museumsamt Münster, die NRW-Stiftung und das Vereinsvermögen gedeckt. Die Suche nach Sponsoren geht auch deshalb unbedingt weiter: Stopsack will Firmen ansprechen.

Und in Zukunft? Vereinsmitglieder sollen die Besucher der Hemeraner Landesgartenschau an historischer Stätte über ihre Ausstellung informieren und Führungen anbieten. Ein Infoblatt wird neu erarbeitet und in verschiedene Sprachen übersetzt.

In diesem Jahr planen die Zeitgeschichtler Exkursionen zur Deutschen Arbeitsschutzausstellung, zum Brauereimuseum nach Dortmund und in das Schwerter Außenlager des KZ Buchenwald. Außerdem will man sich in Hemer an der „Nacht der Kultur” und an der Veranstaltung „Unsere Stadt - Dein Verein” beteiligen.

Die Vereinsmitglieder sind zufrieden - und zeigen das in der Hauptversammlung, indem sie ihren Vorstand en bloc und einstimmig im Amt bestätigt haben. So bleibt Hans-Hermann Stopsack Vorsitzender und Eberhard Thomas sein Stellvertreter, Peter Klagges Schatzmeister, Arne-Hermann Stopsack Schriftführer. Heinz-Josef Uhlenküken und Emil Nensel sind Beisitzer.

Den Übergang von den Amtsgemeinden zur Stadt Hemer kann wohl kaum jemand besser erklären als der damalige Amts- und Stadtdirektor Dieter Voss. Von 1966 - 1990 stand er der Stadtverwaltung vor und war in dieser Funktion am Bau des neuen Stadtzentrums (Hademareplatz) beteiligt. Bis 1975 gehörte die Stadt Hemer mit sechs weiteren Gemeinden zum Amt Hemer. „Die Gemeinden waren auf der einen Seite der längere Arm des Staates und kümmerten sich zum Beispiel um Trauungen", so Voss. Ihnen wurden aber auch Selbstverwaltungsaufgaben wie Städtebau anvertraut. „Das Amt” unterstützte ihre Gemeinden in den Aufgaben.

„Amtsdirektor war damals ein abendfüllender Job", erinnerte sich Voss an das Jahr 1967 mit 118 Sitzungen. Damals lief bereits die Diskussion um eine kommunale Neuordnung: „Mein Tagebuch aus diesen Wochen liest sich wie ein Krimi", gab Voss Einblicke. Dass die Struktur mit Ämtern und Gemeinden vor der Auflösung stand, spürten die Bürger früh, und in der Felsenmeerstadt wurde diese Entwicklung durch den Bau zentraler Einrichtungen (Hallenbad) verstärkt. Und die Nachbarstadt Iserlohn strebte eine „Maxi-Lösung" an, die das eingesackte Hemer zum Vorort degradiert hätte. Den Widerstand in Hemer führten Dieter Voss und Amtsbürgermeister Hermann-Josef Geismann (MdL) an. Mit im Bündnis wusste man den Landesinnenminister Willi Weyer aus Hagen, der Patient in der Lungenklinik Hemer war, wo Hemers Bürgermeister Hans Meyer Verwaltungsdirektor war und den Minister gern im Krankenzimmer besuchte...

Die zunehmende Bedeutung von Parteipolitik nach der Neuordnung 1975 verband Dieter Voss mit einer skurrilen Anekdote. Wie er als kommissarischer Stadtdirektor erstmals zum neuen Märkischen Kreis fuhr, stand auf der Anwesenheitsliste der Stadtdirektoren die Spalte „Parteizugehörigkeit"; für den parteilosen Hemeraner war "HP" eingetragen. HP - Hemer-Partei?!

Das Problem, dass Hemeraner ihr Geld gern in Nachbarstädten ausgeben, wollte man damals schon durch die neue Mitte lösen: „Der letzte Schrei in der Stadtplanung", so Voss. Letztlich ein Flop, urteilt der Stadtdirektor i. R., der sich im Rückblick vor allem über den Erfolg der Grohe-Umsiedlung und eine Stadtverwaltung der kurzen Wege freut.

Für seine letzten acht Dienstjahre blieb jetzt bei den Zeitgeschichtlern keine Zeit mehr; das werde nachgeholt, versprach Stopsack.

Voss begleitet interessiert die Investitionen rund um die Landesgartenschau. Seine Hoffnung: Der aktuelle Stadtumbau sollte längerfristige Akzeptanz in der Region finden als das neue Stadtzentrum der 70er Jahre...

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