Diamantene

Heiratsurkunde als Fahrkarte in die britische Kronkolonie

Anthony und Marianne Wevill feiern diamantene Hochzeit. Vizebürgermeister Bernhard Camminadi gratuliert

Foto: Reinhard Köster

Anthony und Marianne Wevill feiern diamantene Hochzeit. Vizebürgermeister Bernhard Camminadi gratuliert Foto: Reinhard Köster

Hemer.   Marianne und Tony haben in 60 gemeinsamen Ehejahren viel von der Welt gesehen und sind noch immer glücklich.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Lüneburg, Singapur, Gibraltar, Lippstadt und schließlich Hemer: Schon diese unvollständige Reihe von Wohnorten macht deutlich, dass hinter Marianne und Tony Wevill alles andere als ein eintöniges Leben liegt. 60 Jahre sind die beiden miteinander nicht nur um die Welt gezogen, sondern auch durch dick und dünn gegangen. Kein Wunder also, dass sie an ihrem gestrigen diamantenen Hochzeitstag eine Menge zu erzählen hatten.

Angefangen hat alles mit einem Fußball-Länderspiel im Jahr 1957. Oder genauer gesagt mit dessen Übertragung im Fernsehen. Mariannes Familie, die in Lüneburg lebte, hatte damals schon eines der noch seltenen TV-Geräte. Und wenn Fußball lief, waren immer viele Leute dazu eingeladen. An jenem denkwürdigen Tag auch ein junger englischer, in der Stadt an der Ostsee stationierter Soldat und einige seiner Kameraden. Geknüpft hatte den Kontakt Mariannes ältere Schwester, die in der Kantine der britischen Kaserne arbeitete. Doch jener Tony hatte nicht nur Augen für das Geschehen auf dem Spielfeld, sondern auf die lebhafte jüngere Tochter des Hauses.

Im Laufe der kommenden Monate kamen die beiden sich nach und nach immer näher, bis sie schließlich beschlossen zu heiraten. Doch damit war Mariannes Vater überhaupt nicht einverstanden und verweigerte seine Zustimmung. „Die brauchte ich für das deutsche Standesamt, weil ich mit 20 Jahren noch nicht volljährig war“, erinnert sich Marianne. Doch die Zeit drängte, Tonys Einheit sollte damals nach Hongkong versetzt werden, und er konnte seine Marianne nur als Ehefrau mitnehmen. Das mittlerweile unzertrennlich gewordene Paar reiste kurz entschlossen nach England hinüber und gab sich dort das Ja-Wort. Mariannes Vater hat seiner Tochter und seinem Schwiegersohn diesen Ungehorsam übrigens wenig später verziehen und seinen englischen Schwiegersohn doch noch ins Herz geschlossen.

Hemer wurde letzte Stationauf gemeinsamem Weg

Die Versetzung nach Hongkong wurde kurz nach der Hochzeit aus anderen Gründen abgeblasen. Doch Tony, Marianne und ihre langsam wachsende Familie kamen viel in der Welt herum. Letzte Station seiner militärischen Laufbahn war Lippstadt. Dort fand Marianne eine Anstellung in einem Altersheim der AWO. Dessen Leiter Berthold Plath beauftragte den handwerklich versierten Tony gelegentlich für Arbeiten in dem Heim. Und als Plath 1972 damit beauftragt wurde, das neue Altenzentrum der AWO in Hemer aufzubauen, engagierte er den Ex-Soldaten als Hausmeister. Die Familie zog nach Hemer.

Dort wohnten die Wevills lange an der Feldstraße und seit einigen Monaten in einer seniorengerechten Wohnung des Parkheims. Dort gaben sich gestern schon viele Verwandte, Freunde und Weggefährten die Klinke in die Hand, um zur Diamanthochzeit zu gratulieren. Groß gefeiert wird aber erst am kommenden Samstag, dann sind der Sohn, die beiden Töchter, sechs Enkel und zwei Urenkel mit an Bord. Schmerzlich vermisst wird nur der vor einigen Jahren viel zu früh gestorbene älteste Sohn.

Auch wenn sie ihrem Lieblingshobby, dem Verreisen, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr frönen können, genießt das Jubelpaar noch immer das Leben. Denn eines haben sie nicht verloren – ihren ausgeprägten trockenen Humor und die stete Bereitschaft, miteinander zu lachen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik