Hemer.

Höherer Dienst für die Sicherheit

Baumkletterer Andreas Schaller beseitigt Totholz in den Wipfeln des Felsenmeeres

Foto: Ralf Engel

Baumkletterer Andreas Schaller beseitigt Totholz in den Wipfeln des Felsenmeeres Foto: Ralf Engel

Hemer.   Baumkletterer Andreas Schaller beseitigt morsche Äste in den alten Buchen des Felsenmeeres. Die Arbeiten müssen ohne maschinelle Hilfsmittel erledigt werden.

Hier kommen kein Kran, kein Hubsteiger hin, und Leitern wären viel zu kurz: Andreas Schaller steht auf der Brücke des Felsenmeeres und blickt hinauf in die winterlich kahlen Baumwipfel. Dort oben muss er hin, ohne maschinelle Hilfe, ganz allein durch Körperkraft und Technik. In der Krone einer Buche hat er in gut 35 Metern Höhe abgestorbene Äste gesichtet. Sie müssen weg, um die Besucher des Naturschutzgebietes nicht zu gefährden: Ein Fall für den Baumkletterer aus Hemer.

Doch zunächst muss das Kletterseil in die Wipfel. Dabei hilft eine überdimensionale Schleuder an einem langen Stab. Einen kleinen Sandsack mit einem dünnen Nylonseil schießt Schallers Kollege Michael Porsch in den grauen Himmel. Er hat einen dicken Ast angepeilt und trifft. Mit dem dünnen Seil zieht er das Kletterseil in die Höhe. „Dass der Ankerpunkt bricht, ist das größte Risiko. Von unten ist die Stabilität schwer zu beurteilen“, sagt Andreas Schaller. Erfahrung und ein kräftiges Ziehen und Wippen am Seil sollen das Risiko minimieren.

Fußsteigklemme erleichtert Aufstieg am Kletterseil

Mit Helm, jeder Menge Karabinerhaken am Klettergurt und der Astsäge klettert der 45-Jährige am Seil empor. Eine Fußsteigklemme ermöglicht einen treppenartigen Aufstieg am schwankenden Seil. „Ein bisschen Adrenalin ist nicht schlecht“, ruft er. Nach wenigen Minuten sitzt Andreas Schaller in der Krone der über 200 Jahre alten Buche. Die Astsäge muss er gar nicht zücken. Ein kräftiger Ruck genügt, um den armdicken Ast zu lösen und ihn zielsicher abseits der Brücke in die Felsen zu werfen.

Mehrere Tage lang wird das Duo der Firma Forst-Schaller im Felsenmeer arbeiten. Neugierig beobachtet werden beide dabei von Spaziergängern, die über Können und Mut staunen. Aus rund 15 Bäumen muss das Totholz entfernt werden, damit niemand durch herabfallende Äste Schaden nimmt. Es ist ein luftiger, nicht ganz ungefährlicher Arbeitsplatz, der viel Umsicht und Erfahrung benötigt und eine unbedingte Liebe zur Natur. Die Kletterleidenschaft hat Andreas Schaller seit der Kindheit. Für das professionelle Baumklettern musste er entsprechende Kurse absolvieren. So müssen vor der Ausbildung für den Motorsägeneinsatz im Wipfel 300 Kletterstunden nachgewiesen werden. Seit zehn Jahren ist er im Sägeeinsatz, wobei das Baumklettern seltener wird, weil moderne Arbeitsbühnen einen schnellen Zugang ermöglichen.

Auf solche moderne Technik muss Stadtförster Dirk Basse im Felsenmeer meistens verzichten. Aufgrund der Felsen und schmalen Wege können Hubsteiger die Bäume nicht erreichen, dabei gibt es reichlich Schäden. „Im Prinzip kontrollieren wir den Baumbestand andauernd“, sagt der Stadtförster. Alle 18 Monaten – mal im belaubten und unbelaubten Zustand – ist eine Kontrolle erforderlich. „Aus Verkehrssicherungsgründen ist das Felsenmeer etwas Besonderes“, betont Basse, denn das touristisch erschlossene Naturschutzgebiet sei eine „parkähnliche Anlage mit naturnahem Charakter“. Entsprechend groß sei der Aufwand. So wie jetzt an Brücke und Steg, wo morsche Äste auf Wege fallen könnten. „Das würde ich im normalem Wald nie machen“, so der Fachmann über die aufwendigen Arbeiten. Wegen der Verkehrssicherungspflicht ist auch der Pflegeetat für das Felsenmeer auf rund 5000 Euro erhöht worden.

Krankheiten machen Bäumen zu schaffen

Der alte Baumbestand im Geotop bleibt eine ständige Aufgabe. Die Stürme der vergangenen Wochen haben die über 200 Jahre alten Buchen gut überstanden, nur eine Krone ist herausgebrochen. Im Dezember mussten einige Buchen und Eschen wegen Krankheiten komplett gefällt werden. Das Eschentriebsterben schädigt die wenigen Eschen im Naturschutzgebiet, der Brandkrustenpilz setzt den Buchen zu. „Jede dieser alten Buchen hat irgendwo einen Schaden“, beschreibt der Stadtförster die ständige Gratwanderung zwischen Erhalt und Fällen. Im Oktober war einer der renommiertesten Baumgutachter Deutschlands im Felsenmeer zu Gast. Bei einer Begehung konnte er die besondere Herausforderung nur bestätigen.

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