Adventsserie

Im Gewächshaus beginnt der Advent im August

Wir öffnen Türen: Martin Bartsch lässt in der Gärtnerei der Hans-Prinzhorn-Klinik 1200 Weihnachtssterne erblühen

Foto: Privat

Wir öffnen Türen: Martin Bartsch lässt in der Gärtnerei der Hans-Prinzhorn-Klinik 1200 Weihnachtssterne erblühen Foto: Privat

Hemer.   Im Advent öffnen wir Türen zu ganz besonderen Geschichten: 1200 Weihnachtssterne werden für den Weihnachtsschmuck in der Hans-Prinzhorn-Klinik gezüchtet.

Die Adventszeit entfaltet stets ihren besonderen Zauber. Unsere Serie „Türchen auf“ richtet den Blick auf besondere Momente und Dinge, die oft im Verborgenen bleiben. Ein Adventskalender voller Geschichten also bis Weihnachten. Zum Auftakt öffnen wir die Tür zur Gärtnerei der Hans-Prinzhorn-Klinik:

Der Advent beginnt im August – lange vor den ersten Nikoläusen und Spekulatius in den Supermärkten -- zumindest für das Gärtnerei-Team der Hans-Prinzhorn-Klinik. „Im August ist für uns der Sommer zu Ende, weil die Weihnachtssterne kommen. Im Dezember ist der Winter zu Ende, die Geranien kommen“, sagt Gärtnermeister Martin Bartsch, öffnet für unsere Adventsserie die Tür zum Gewächshaus und blickt auf die rote Blütenpracht unter Glas.

36 Millionen Exemplare in Deutschland verkauft

1200 Weihnachtssterne leuchten in der Wintersonne. „Sie blühen ganz pünktlich zum ersten Advent“, freut er sich über die gelungene Arbeit der vergangenen vier Monate. Jetzt werden die Weihnachtssterne auf die Stationen verteilt, schmücken Patienten- und Gemeinschaftszimmer. 500 Pflanzen hat das Gärtnerteam auch für die Dortmunder Kliniken kultiviert. Ein kleiner Teil kommt über den Klinikladen in den freien Verkauf.

Rund 36 Millionen Weihnachtssterne werden Jahr für Jahr in Deutschland verkauft. Das berichtet die Vereinigung der europäischen Weihnachtssternzüchter „Stars for Europe“. Damit ist der Weihnachtsstern nach der Orchidee die gefragteste Zimmerpflanze hierzulande, und das, obwohl die Verkaufssaison der Pflanze nur etwa acht Wochen dauert. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Mexiko. Dort wachsen Weihnachtssterne zu hohen Sträuchern heran. In Deutschland symbolisiert sie den Beginn der Adventszeit. „Rot ist eindeutig die Farbe für Weihnachten“, sagt Martin Bartsch über das überall leuchtende Nikolausrot, die eigentlich natürliche Pflanzenfarbe. Zwischendurch sind auf den Tischen einige weiße Blüten zu sehen oder auch die Neuheit in cremerosa. Züchtungen haben die neuen Farben ermöglicht. Dabei sind es gar nicht die Blüten, die sich so schön weihnachtlich verfärben, sondern die Hochblätter, die sogenannten Brakteen. Nur einen Trend macht der Gärtnermeister nicht mit: „Bei uns kommt kein Glitzer dran!“.

Die Aufzucht der Weihnachtssterne in den Gewächshäusern der Frönsberger Klinik ist durchaus herausfordernd. „Sie sind sehr empfindlich“, betont Martin Bartsch. Zugluft, Kälte, Schädlinge, ja selbst kaltes Wasser kann ihnen zusetzen. So ist das Gewächshaus penibel sauber, sind die Tische beheizt und das Gießwasser hat 20 Grad.

Jetzt ersetzen Geranien die Weihnachtssterne

Martin Bartsch hat auch einige Tipps für unsere Leser. „Ganz häufig sind Transportschäden, wenn zum Beispiel bei Kälte und Zugluft auf dem Weihnachtsmarkt ein Weihnachtsstern gekauft wird“, so der 52-Jährige. Trockene Heizungsluft vertragen sie nicht gut und kaltes Gießwasser erst recht nicht. Manche Blumenkäufer werden das nicht so eng sehen, denn oft müssen die Weihnachtssterne ja nur bis zum zweiten Weihnachtstag halten, werden dann ganz schnell durch Tulpen als Frühlingsboten ersetzt. Dass die Tage wieder länger werden, wird auch der Weihnachtsstern anzeigen, denn die frischen Austriebe werden wieder grün statt rot.

Leid ist Martin Bartsch die Weihnachtspflanze auch nach 25 Jahren noch nicht, schließlich ist die Aufzucht nur ein winziger Teil der Arbeit. 20 Hektar Außengelände der Klinik wollen gepflegt werden – zu jeder Jahreszeit. Und nach dem Weihnachtsstern ziehen jetzt Petunien, Geranien und Fuchsien ein. In fünf Monaten sollen sie die 250 Balkonkästen schmücken. Deshalb ist im Dezember zumindest unter Glas der Winter zu Ende.

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