Landtagswahl

Inge Blask als Abgeordnete in Wartestellung

Marco Voge konnte auf der Wahlparty

Foto: Alexander Bange

Marco Voge konnte auf der Wahlparty Foto: Alexander Bange

Hemer.   Inge Blask hat den Einzug in den Landtag über die Landesliste knapp verpasst, doch sie ist die erste Nachrückerin.

Reicht es, reicht es nicht? Die Hemeraner Sozialdemokratin Inge Blask musste die ganze Wahlnacht um ihren Einzug in den Landtag zittern. Nachdem sie das Direktmandat im Wahlkreis 122 an Marco Voge verloren hatte, blieb noch die Chance über den Einzug über die Landesliste. Gegen 4 Uhr morgens kam dann die schlechte Nachricht vom Landeswahlleiter. Die Landesliste der SPD griff nur bis zum 16. Platz. Inge Blask steht auf Listenplatz 17. Damit muss sie ihren Sitz in Düsseldorf abgeben.

Die Sozialdemokratin wird jetzt ihr Büro im Düsseldorfer Landtag räumen und auch das Wahlkreisbüro aufgeben. In dieser Woche steht ein Gespräch mit der Verbraucherzentrale NRW an, denn die Ökothrophologin hat die Option, zur Verbraucherberatung zurückzukehren. Das könnte aber ebenfalls nur für einen befristeten Zeitraum erfolgen, denn sollte ein SPD-Abgeordneter aus dem Landtag ausscheiden – was im Laufe einer Legislaturperiode durchaus mehrfach vorkommt – , ist Inge Blask die erste Nachrückerin. Es bleibt also eine Zitterpartie – von ungewisser Dauer!

Heute erste Fraktionssitzungfür Marco Voge im Landtag

Die Christdemokraten – unter ihnen auch zahlreiche Hemeraner – haben den Wahlsieg im Landmarkt Mellen kräftig gefeiert. Für den Wahlgewinner Marco Voge beginnt mit der heutigen Fraktionssitzung bereits die politische Arbeit im Landtag. „Ab morgen geht es richtig los, und ich habe richtig Bock darauf“, sagte er am Montag. Als Büroleiter für den CDU-Abgeordneten Thorsten Schick hat Voge bereits die landespolitische Arbeit kennengelernt. Seine Partei werde ein ernsthaftes Angebot für die Region machen.

Turbulent war die Wahlnacht für die Stadtverwaltung. Erst nach Mitternacht lag auch das letzte Ergebnis aus dem Paul-Schneider-Haus vor. Weil Hemer so lange fehlte, konnten landesweit nur vorläufige Zahlen aus dem Wahlkreis 122 veröffentlicht werden. In Südwestfalen war Hemer die einzige betroffene Stadt, doch landesweit gab es auch in anderen Kommunen Probleme. Die haben auch dazu geführt, dass der Landeswahlleiter erst gegen 4 Uhr das vorläufige amtliche Endergebnis mitteilen konnte.

Warum Hemer erneut so große Probleme bei der Auszählung hatte, will die Stadtverwaltung nun genau analysieren. Für Bürgermeister Michael Heilmann steht aber auch fest, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit stehen muss. „So ein demokratisches Verfahren wie eine Wahl muss ordnungsgemäß laufen“, betonte er am Montag. Im Urlaub hatte er die Wahlnacht intensiv verfolgt. Ein besonderes Dankeschön richtete er an die rund 200 Ehrenamtlichen, die als Wahlhelfer im Einsatz gewesen seien. Auch er habe dies 20 Jahre lang gemacht, kenne die Arbeit am Wahlabend.

Mehrfaches Nachzählenin einem Wahllokal

Eine Ursache für die Verzögerungen in Hemer war offenbar ein mehrfaches Verzählen im Wahllokal. Schon bei der Kommunalwahl 2009 hatte es ähnliche Probleme gegegeben („Villabacho zählt noch immer“). Konsequenzen wurden angekündigt, doch auch 2014 wartete erneut alles auf Hemer. Als eine Ursache war schon damals die Größe der Hemeraner Wahlbezirke ausgemacht worden. Bis zu 1663 Wahlberechtigte sind in großen Wahlbezirken zusammengefasst, in Balve sind es maximal 1348, in Menden 1138 und in Iserlohn 1256. Aus Kostengründen und wegen des Wahlhelfermangels ist die Verkleinerung der Hemeraner Wahlbezirke bislang abgelehnt worden. „Es soll nicht noch einmal passieren“, sagte Michael Heilmann eine Prüfung der Auszählung zu. Viel Zeit für Änderungen bleibt nicht: Am 24. September steht bereits die Bundestagswahl an.

Bis dahin haben auch die Parteien einiges aufzuarbeiten. Die Verluste der SPD zogen sich in Hemer durch alle Stimmbezirke. Ihr bestes Ergebnis erzielte die SPD mit 37,6 Prozent in der Oesetalschule, das schlechteste mit 24,7 Prozent in Frönsberg. Die CDU hatte mit 40 Prozent in einem Briefwahlbezirk den höchsten Stimmenanteil, mit 28,1 Prozent in Sundwig den niedrigsten. Nur in fünf Bezirken kamen die Grünen über fünf Prozent: 7,3 Prozent war der Spitzenwert im JuK, 1,6 das Schlusslicht im Gasthof Stenner.

Die FDP war fast überall zweistellig, mit herausragenden 20,5 Prozent im kleinen Stimmbezirk Frönsberg. Die Linke kam in neun Bezirken über fünf Prozent, mit 7,63 Prozent als bestem Ergebnis in der Gaststätte Peters. Den größten Starterfolg erzielte die AfD, die im Endergebnis für Hemer sogar zweistellig geworden ist: In Bredenbruch reichte es für 12,8 Prozent.

Wahlbeteiligung deutlich unter Landesdurchschnitt

644 Hemeraner gaben ihre Zweitstimme den kleineren Parteien. Unter ihnen belegte die Tierschutzliste mit 139 Stimmen den Spitzenplatz, gefolgt von 83 Stimmen für Die Partei und 80 für die Freien Wähler. Mit zwei Kreuzen erhielt die DKP die wenigsten Stimmen.

In Hemer lag die Wahlbeteiligung mit 59,3 Prozent deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Am schlechtesten war sie – schon traditionell – mit 38,7 Prozent in Westig, am besten mit 53,3 Prozent in Deilinghofen. Schon diese Zahlen zeigen, dass die Ergebnisse in den Bezirken nur eine eingeschränkte Aussagekraft haben, weil die Briefwähler dort nicht hinzugerechnet werden.

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