Umwelt

Isolierstation für die asbesthaltigen Fenster

Für die Entsorgung ist am Gymnasium eine Isolierstation gezimmert worden.

Foto: Ralf Engel

Für die Entsorgung ist am Gymnasium eine Isolierstation gezimmert worden.

Hemer.   Am Woeste-Gymnasium muss asbesthaltiger Fensterkitt aufwendig entsorgt werden. Die Stadt gibt für die Schule Entwarnung.

Das Warnschild ist auf dem Schulhof des Woeste-Gymnasiums schon von weitem sichtbar. „Asbestfasern!“ steht in großen Lettern an der Tür eines umzäunten provisorischen Containerbaus auf dem hinteren Schulhof. Eine Isolierstation für Mensch und Fenster ist hier entstanden. In den kommenden Wochen wird asbesthaltiger Fensterkitt aus rund 600 Quadratmetern Fensterfläche entfernt und entsorgt. „Es kann auch für spielende Kinder keine Gefahr geben“, betont der technische Beigeordnete Christian Schweitzer. Einige Eltern sind dennoch besorgt.

Asbest bis 1990 in über 3000 Produkten

Der Asbestfund beim Fensteraustausch am Woeste-Gymnasium gehörte neben den asbesthaltigen Lüftungskanälen im Hallenbad zu den Hiobsbotschaften vor Weihnachten. „Asbest lauert überall dort, wo man ihn nie vermuten würde“, sagen Experten. Zwischen 1960 und 1990 wurde der gefährliche Stoff in mehr als 3000 Produkten eingesetzt. Dazu gehört auch der Leinölkitt, der in Gebäuden als Abdichtung zwischen Flügelrahmen und Glas aber auch als Ausgleichsschicht zwischen Rahmen und Maueranschlag eingesetzt worden ist. Die Asbestkonzentrationen im Kitt bewegen sich laut Experten in der Regel zwischen 0,1 und 1 Prozent. Dass dieser Kitt auch in den Fenstern des Gymnasiums verbaut worden ist, ist der Stadt erst bei der Entsorgung der ersten Fensterrahmen aufgefallen. Seither werden die ausgebauten Fensterrahmen in Überseecontainern auf dem Schulhof gelagert.

Dabei hat Hemer noch Glück gehabt. Dieser asbesthaltige Kitt befindet sich nämlich nur zwischen Glas und Fensterrahmen. Da diese in einem Stück ohne Beschädigung ausgebaut worden seien, sei auch kein Asbest frei gesetzt worden. „Der Kitt klebt zwischen Aluminium und Scheibe“, erläutert Christian Schweitzer. Als Dichtungsmasse zwischen Fensterrahmen und Beton wurde er nicht verwendet. Das hätte ganz andere Probleme bereitet, weil dann durch das Bearbeiten beim Ausbau Asbestfasern in die Umgebungsluft hätten gelangen können. So aber kann die Stadt Entwarnung geben. Bis auf wenige Fenster in Flure sind mittlerweile alle 72 Rahmen ausgebaut.

In einem Rundbrief vor den Ferien hat das Gymnasium die Eltern informiert. Besorgte Reaktionen habe es keine gegeben, berichtet Schulleiter Dr. Jörg Trelenberg. Kritik äußerten Eltern gegenüber der Redaktion an der Asbestentsorgung auf dem Schulhof. „Es gibt keine andere Möglichkeit, der Schadstoff muss an Ort und Stelle getrennt werden“, betont der Beigeordnete.

So ist in dieser Woche rund um die Container eine Isolierstation aus Holz und Kunststoffplanen gebaut worden. „Gefährlich ist nur der Moment, wo man Glas und Rahmen trennt“, erläutert Christian Schweitzer. Der gesamte Sanierungsbereich muss daher vollständig abgeschottet und unter Unterdruck gehalten werden. Arbeiter dürfen nur durch eine Vierkammer-Schleuse hinein- und hinausgehen, müssen nach der Arbeit duschen und sich vollständig umkleiden. In diesem sogenannten Schwarzbereich sind Atemschutzgeräte und Vollschutzanzüge Pflicht.

Freigabe der Baustelleerst nach Luftproben

Der asbesthaltige Kitt wird in sicher verschließbaren Behältnissen gesammelt. Sechs bis acht Wochen wird die Entsorgung dauern. Erst nach Raum-Luftproben des Hygiene-Instituts werde dann die Freigabe zum Abbau der Baustelle erteilt. Somit könne gewährleistet werden, dass keinerlei Rückstände am Entsorgungsort verbleiben, hat die Stadt den Eltern mitgeteilt.

Der Asbestfund beschert der Stadt Mehrkosten in Höhe von 45 000 Euro. Welche Folgen der zweite Asbestfund im Hallenbad hat, wird derzeit noch ermittelt.

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