Waldsterben

Jetzt leiden auch die Buchen im Felsenmeer

Die Trockenheit und Borkenkäfer haben große Teile des Fichtenbestandes zerstört, so auch in der Becke.

Die Trockenheit und Borkenkäfer haben große Teile des Fichtenbestandes zerstört, so auch in der Becke.

Foto: Ralf Engel / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Hemer.  Trockenheit und Borkenkäfer haben dem Stadtwald schwer zugesetzt. Dauert das Fichtensterben noch bis 2023?

„Egal, was man macht, die Käfer sind immer schneller“, Stadtförster Dirk Basse blickt in diesen Wochen sorgenvoll auf den Hemeraner Stadtwald. Die vielen braunen Fichten seien erst der Anfang. „Es wird wahrscheinlich noch schlimmer. Dem Hemeraner Wald steht noch einiges bevor“, berichtete er im Betriebsausschuss über das „Waldsterben 2.0“. Das erfasst mittlerweile nicht mehr nur den Fichtenbestand, sondern auch andere Baumarten. So häufen sich auch im Felsenmeer die Buchenschäden. Über 50 alte Buchen seien im Naturschutzgebiet abgängig, auch im Bereich der Brücke und des Steges. Das erfordere zukünftig umfangreiche Sicherungsmaßnahmen.

„Trockenheit und Dürre haben dem Wald schwer zugesetzt“, eröffnete Edgar Schumacher den Schadensbericht des Forstbetriebes. Die Fichte ist mit 25 Prozent des Baumbestandes die Wirtschaftssäule des Stadtwaldes, soll durch die Bewirtschaftung eigentlich Geld in die Kasse bringen, doch nun ist mit erheblichen Verlusten zu rechnen.

Waldboden ist bis zu1,80 Metern Tiefe trocken

Die „Chronologie des Schreckens“ begann am 18. Januar 2018 mit Orkan Friederike, der Hemer nur gestreift hatte, aber in der Nachbarstadt Menden riesige Schäden angerichtet hat. Im trockenen Rekordsommer 2018 kam es dann zur Borkenkäfermassenvermehrung, die sich durch die anhaltende Trockenheit 2019 fortsetzte. Bis in eine Tiefe von 1,80 Metern ist der Waldboden trocken. Durch die schlechte Wasserversorgung können sich Fichten und einige andere Nadelbaumarten nicht mehr mit der Bildung von Baumharz gegen die Schädlinge wehren. So fressen sich Buchdrucker und Kupferstecher ungestört durch die Bestände. Die gewaltige Ausbreitung verdeutlicht eine Zahl: Ein einziger Borkenkäfer hat bis zu 250.000 Nachkommen. „Aus einem übersehenen Käferbaum können mehr als 8000 befallene Bäume im Folgejahr werden“, berichtete Dirk Basse.

Massenweise braune Fichtenim grünen Laubwald

Überall im Stadtgebiet sind große Fichtenbestände braun. Besonders auffällig sind die großen Flächen in der Becke. Der Waldsaum am Kapellenweg in der Becke war stets Grün, jetzt blicken die Anwohner wie vielerorts auf trockene, braune Fichten ohne Nadeln und sorgen sich vor den Herbststürmen um deren Standfestigkeit. Zumindest diese Sorge kann Stadtförster Dirk Basse nehmen. Auch wenn die Fichten nicht mehr zu retten sind, eine größere Sturmgefahr als von gesunden Bäumen geht von ihnen aktuell nicht aus. „Bis ein Baum morsch ist, können Jahre vergehen“, so Basse.

Dennoch muss das Schadholz weg. Neun Millionen Kubikmeter Schadholz sind bereits in NRW angefallen. Dadurch sind die Fichtenpreise auf ein Drittel gesunken und decken nicht mehr die Kosten für das Fällen und den Transport. „Wir zahlen mehr oder weniger drauf“, so der Stadtförster. Und es wird noch schlimmer. Nach Auskunft des Landesbetriebs Wald und Holz ist davon auszugehen, dass sich die Borkenkäfer bis 2023 weiter vermehren und sich die Schäden weiter vergrößern. „In Hemer stehen 17.000 Kubikmeter Nutzholz, es kann sein, dass sie nächstes Jahr alle tot sind“, blickte Dirk Basse in eine ungewisse Waldzukunft. Durch die flächige Entnahme der geschädigten Fichten entstehen zudem neue Sturmangriffspunkte in den verbliebenen Wäldern.

Hohe Kosten für dieWiederaufforstung

Zu den fehlenden Einnahmen kommen dann die Kosten für die Wiederaufforstung. Größere Freiflächen möchte der Stadtförster für die natürliche Verjüngung nutzen. Das habe sich schon nach Kyrill bewährt. Ein Pflanzenmix aus klimaresistenten Bäumen wie Eiche, Wildkirsche, Marone und anderen Laubbäumen wird auf Pflanzflächen die Fichte vielfach ersetzen.

Mit dem Forstwirtschaftsplan und damit auch den Kosten durch Trockenheit und Borkenkäfer wird sich der Ausschuss in den nächsten Monaten im Rahmen der Haushaltsberatungen beschäftigen. „Der Wald wird ein anderes Gesicht bekommen“, so Basse.

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