Konzert

Klarinettenquartett entführt sein Publikum in den Süden

Das Publikum sparte nicht mit Beifall für alle Mitwirkenden des Konzertes.

Foto: Reinhard Köster

Das Publikum sparte nicht mit Beifall für alle Mitwirkenden des Konzertes. Foto: Reinhard Köster

Hemer.   Die reizvolle Kombination des Hemeraner Klarinettenquartetts mit dem Percussionisten Benny Mokross hat dem Publikum einen mitreißenden Konzertabend im Forum der Firma Verfuß beschert.

Eigentlich ist das Innovations-Forum der Firma Verfuß der perfekte Ort für ein Konzert des Hemeraner Klarinettenquartetts. Denn üblicherweise werden dort makellose Technik, perfekte Umsetzung, beides verbunden mit einem außergewöhnlichen ästhetischen Anspruch, präsentiert. Und genau das hatte das Quartett mit Birgit Maiworm, Noriko Kirch, Martin Niedzwiecki und Klaus Leser am Mittwoch in einem mitreißenden Programm zu bieten, das Kopf, Herz und Beine gleichermaßen in Erregung versetzte.

Während die vier Virtuosen ihre Konzerte zumeist mit einem klassischen Programm bestreiten, wagten sie diesmal eine ausgiebige Reise über den Tellerrand hinaus in die Gefilde der sogenannten Unterhaltungsmusik, genauer gesagt in die feurige, emotionsgeladene Musik Lateinamerikas, wobei es auch ein paar Abstecher in den Süden der USA gab. So manchem Tanzbegeisterten im überraschend zahlreichen Publikum – es blieb kein einziger Stuhl im Forum frei und einige Gäste verfolgten das Konzert sogar im Stehen – dürfte es im Laufe des Abends mehrfach in den Gliedmaßen gezuckt haben, denn es war alles zu hören, was Südamerika an Tanzrhythmen in alle Welt exportiert hat: Samba, Tango, Rumba, Beguine, Mambo, Cha Cha Cha, Swing und mehr.

Auch Temperaturen im Saal waren südamerikanisch

Für den Groove sorgten nicht nur die vier Klarinetten, die die komplexen und rhythmisch-raffinierten Arrangements mit einer wunderbaren Leichtigkeit bewältigten, sondern auch der musikalische Gast des Abends: Benny Mokross. Hemers Ausnahme-Schlagzeuger war mit einem ungewöhnlichen Instrumentarium gekommen, einer speziell für diesen Abend zusammengestellen Kombination von kleinen Trommeln, winzigen Becken und anderen Rhythmus-Utensilien, die er ausschließlich mit den bloßen Händen und zwei Pedalen bediente. Mokross ergänzte das Quartett nicht nur hundertprozentig passgenau, sondern brillierte mit zwei Solo-Stücken, bei dem die sonst nicht so Schlagzeug-gewohnten Musikfreunde im Publikum Mühe hatten, die Unterkiefer oben zu halten. Aber der sonst so zurückhaltende Benny Mokross zeigte bei diesem Konzert noch ein weiteres Talent – das des charmanten und humorvollen Plauderers. Die Aufgabe, durch das Programm zu führen, teilte er sich mit Martin Niedzwiecki und so erfuhr das Publikum eine Menge über die gespielten Stücke, ihren kulturellen Hintergrund und über die lateinamerikanische Musik mit ihren Tänzen und Rhythmen.

Wenn die Zuhörerinnen und Zuhörer sich über die Pause freuten, dann nur weil an dem ersten warmen Sommerabend des Jahres die Temperatur im Forum südamerikanisches Format erreichte und die angebotenen kalten Getränke eine willkommene Abkühlung auch für die Ausführenden darstellten. Erfrischt ging es in die zweite Hälfte des Abends, der noch eine ganze Reihe von Ohrwürmern bereithielt: von „America“ aus der Westside-Story über das seit Jahrzehnten unverwüstliche „Tico Tico“ bis zur Alexander’s Ragtime Band. Und als Zugabe gab es, wie es sich gehört, etwas Florales. Die kleine Blume, die für viele die Klarinetten-Melodie schlechthin ist – Sidney Bechets „Petite Fleur“, die Krönung eines musikalischen Sommerabends, der keine Wünsche offen ließ.

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