Orgelbau

Leidenschaft für die Königin der Instrumente

Max Paroth ist Orgelbauer bei der Firma Seifert in Kevelaer und zeígt hier ein Portativ.

Foto: Carmen Ahlers

Max Paroth ist Orgelbauer bei der Firma Seifert in Kevelaer und zeígt hier ein Portativ. Foto: Carmen Ahlers

Hemer.   Der 26-jährige Hemeraner Max Paroth hat vor einem halben Jahr seine Ausbildung zum Orgel- und Harmonienbauer abgeschlossen. Er liebt seinen Beruf und die Orgel als Königin der Instrumente.

„Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen für das Instrument Orgel interessieren und in ihrer Kirchengemeinde den Kantor fragen, ob sie mal einen Blick hinein werfen können, um zu schauen, wie eine Orgel eigentlich funktioniert“, sagt Max Paroth. Der 26-jährige Hemeraner hat vor einem halben Jahr seine Ausbildung zum Orgel- und Harmonienbauer abgeschlossen, und wenn man ihm gegenüber am Tisch sitzt, ist seine Begeisterung spürbar. Mit einem Leuchten in den Augen spricht er von der Orgel als „Königin der Instrumente“ und zeigt stolz auf sein Gesellenstück, ein einzigartiges Portativ, das er zum Ende seiner dreieinhalbjährigen Ausbildung gefertigt hat. Der junge Orgelbauer ist beim Unternehmen Seifert in Kevelaer beschäftigt und liebt seinen Arbeitsplatz, auch wenn er nicht gerade um die Ecke ist. Die Liebe zur Musik hat er von seinem Vater Andreas geerbt, der ebenfalls Musiker ist. „Schon als Kind wollte Max in jede Kirche, um die Orgel anzuschauen“, erinnert sich der 50-Jährige an die Anfänge einer ganz großen Leidenschaft.

Maximilian Paroth spielt das Portativ

Das beeindruckende Gesellenstück eines jungen Orgelbauers und Musikers aus Hemer.
Maximilian Paroth spielt das Portativ

In der Musik immermehr gewachsen

Dieses Interesse ist geblieben. Nach der Gesamtschule in Iserlohn wechselte der junge Mann zunächst zum Theodor-Heuss-Berufskolleg, um anschließend den Beruf des Orgelbauers zu erlernen. Vorher ist er in der Musik immer mehr gewachsen, spielte unter anderem in der Band „Jazzination“ Klavier. Es war aber immer die Orgel, die ihn als Instrument faszinierte. „Gegen eine Orgel ist das Klavier fast Massenware“, so der Hemeraner. Jede Orgel dagegen sei einzigartig. „Man baut die Orgel nach ihrer Fertigung nicht einfach ein, sondern kommt immer mal wieder zurück, um zu hören, wie sie klingt“, sagt der Orgelbauer, der in seiner Lehrzeit bereits an großen Orgeln mitgearbeitet hat, unter anderem an der Orgel im Hildesheimer Dom. „Man kann nicht einfach die bestellte Orgel bauen, sondern muss zum Beispiel mehrmals in die Kirche, um die Gegebenheiten dort kennen zu lernen“, erklärt Max Paroth. Für ihn ist der Bau einer Orgel etwas sehr besonderes, denn die Bestellungen gehen nicht wie am Fließband ein. Eine Orgel sei sehr kostenintensiv, und die Kirchengemeinden oft auf Spenden angewiesen, um dieses wertvolle Instrument anschaffen zu können.

Handwerkliches Geschick und technisches Verständnis

Um eine Orgel bauen zu können, muss man einerseits ein gutes technisches handwerkliches Geschick mit sich bringen, andererseits ist auch ein klangliches Verständnis wichtig. Über das alles verfügt der Musiker, der im Gespräch mit unserer Zeitung Enthusiasmus zeigt. „Der Orgelbauer bringt in jedes Instrument ein bisschen Seele, und das ist doch schön“, sagt Max Paroth. Während seiner Ausbildung hatte der Orgelbauer keine Berufsschule vor Ort, sondern musste zum Blockunterricht zweimal im Jahr für sechs bis acht Wochen nach Ludwigsburg, wo auch die Abschlussprüfung stattfand.

Stolz ist der Hemeraner auf sein Portativ, das in mehreren Wochen intensiver Arbeit entstanden ist. Es ist ein historisches Musikinstrument, das vor allem im Mittelalter und in der Renaissancemusik gespielt wurde und ist der Vorgänger der Kirchenorgel. Das Portativ ist mit 16 Lippenpfeifen ausgestattet. Die Pfeifen haben den gleichen Durchmesser. Durch den Keilbalg wird Wind in das System gegeben. Wenn Max Paroth das Portativ spielt, sitzt er nicht – wie an einer Orgel – davor, sondern stellt das Portativ im Sitzen auf seinen Schoß, stellt es im Stehen auf den angewinkelten Oberschenkel oder trägt es an einem Riemen über seiner Schulter. Der Musiker bedient die Klaviatur ausschließlich mit der rechten Hand, während er mit der linken Hand den Balg betätigt, der den Pfeifen Wind zuführt Das Instrument hat nur einen geringen Tonumfang, der zwei Oktaven kaum überschreitet. Zudem kann die Klangfarbe nicht gewechselt werden, aber der handgeführte Balg erlaubt durch den direkten Einfluss auf den Winddruck, Klang und Lautstärke der Pfeifen zu variieren.

Ein Instrument, das bei vielen in Vergessenheit geraten ist

Es ist sehr beeindruckend, wenn der junge Hemeraner das Instrument spielt, vor allem vor dem Hintergrund, dass er alles selbst geschaffen hat. Max Paroth hat mit der Fertigung seines Gesellenstückes ein bei vielen in Vergessenheit geratenes Instrument wieder in Erinnerung gerückt. Wie bedeutend der deutsche Orgelbau ist, zeigt auch die Tatsache, dass der deutsche Orgelbau seit zweieinhalb Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik