Kabarett

Lichtes Haar und eingeklemmter Ischiasnerv

Die Kabarettistin Maria Vollmer

Foto: Annabell Jatzke

Die Kabarettistin Maria Vollmer Foto: Annabell Jatzke

Hemer.   Maria Vollmer nahm in ihrem Programm „Push-up, Pillen und Prosecco“ kein Blatt vor den Mund.

Einen massiven Angriff auf die Lachmuskeln startete die Kabarettistin Maria Vollmer am Samstag im Jugend- und Kulturzentrum. Schon der Titel „Push-up, Pillen & Prosecco“ ihres dritten Soloprogramms, mit dem sie seit Oktober 2016 durch Deutschland tourt, versprach einen unterhaltsamen Abend. Die 200 Zuschauer wurden nicht enttäuscht.

Bereits nach den ersten Sätzen und ihrer Zumba-Choreographie zu Beginn der Show hatte die preisgekrönte Kabarettistin die Lacher auf ihrer Seite. „Endlich komm ich mal raus“, bekannte die in Köln-Nippes wohnhafte Künstlerin und legte gleich noch einen drauf: „Da ist man froh mal nach Hemer zu kommen“. Als sie dann das Publikum, darunter der Großteil Frauen und nur wenige Männer, näher kennenlernen wollte, hatte es ihr ein Mann besonders angetan: Wolfgang in der zweiten Reihe wurde immer wieder charmant ins Programm miteinbezogen.

Was fängt eine Frau mit dem Leben an, wenn sie nicht mehr als Teenager durchgeht, bis zur Rente aber noch eine Weile durchhalten muss? Genau um diese Übergangsphase zwischen Push-up und Prothese drehte sich das Programm der 50-Jährigen. „Früher war es ein heißer Mädelsabend mit den Chippendales, heute mit Carpendale“, so Vollmer, die sich selbst als gereifte Frau bezeichnete. Wenn man heutzutage in ihrem Alter lautes Stöhnen aus dem Nachbarhaus höre, handele es sich nicht um „Verkehrsgeräusche“, sondern um einen eingeklemmten Ischiasnerv.

Steigende Anzahl der männlichen Nordic-Walker

Ganz klar – ein Opfer ihrer Gags waren die Herren der Schöpfung. „Je doller die Stöcke, desto oller die Böcke“, stellte Maria Vollmer angesichts der steigenden Anzahl männlicher Nordic Walker fest. Als das Thema auf späte Vaterschaften kam, wurde die Zunge der Kabarettistin noch spitzer: „Denn es gilt als doller Mann, wer als Greis noch poppen kann.“ Aber auch der Mann und die zwei Söhne daheim kamen in Vollmers Programm nicht ungeschoren davon. „Der Junge hat die Handwerker im Haus“, zog sie über den 13-jährigen Sohn, der sich mitten in der Pubertät befindet, her. Und setzte mit der Erkenntnis, dass 14 Jahre das magische Alter sei, wo sie von Nesquik auf Doppelkorn umsteigen, noch einen drauf. Die Glatze des werten Gatten lieferte auch Stoff für Pointen. So habe der Mann zuhause keine lichten Stellen auf dem Kopf, sondern gar ein „Lichtermeer“.

Wer andere auf die Schüppe nimmt, betrachtet auch zumeist das eigene Leben voller Humor. „Ist denn für mich schon Herbst?“, fragte sich Vollmer angesichts immer mehr Modekatalogen in gedeckten Farben, wie dem von ihr verhassten Beige. Muss die Frau ab 50 Jahren bieder aussehen und darf keinerlei erotische Ausstrahlung mehr haben?

„Jeden Monat gebe ich dreistellige Beträge für die Instandhaltung meiner Fassade aus“, so Multitalent Maria Vollmer, die auf der Hemeraner Bühne vom ersten bis zum letzten Moment ihrer Show Vollgas gab. Ganz gleich ob mit einem Pointenreichtum, der seinesgleichen sucht oder singend, tanzend oder trommelnd bei der „Küchenkür“.

Das Publikum hing Vollmer förmlich an den Lippen, ob bei einer Reise in die Vergangenheit oder auch beim Thema „Social Freezing“. In diesem Zusammenhang stimmte die Kabarettistin in Anlehnung an den bekannten Zählreim das von ihr umgeschriebene Lied „Zehn kleine Eizellen“ an. Das Publikum brauchte nicht lange, um mitzumachen. Schlüpfrig wurde es auch beim Blick in den Katalog „Die moderne Hausfrau“, dort findet die Frau in den besten Jahren alles, was sie braucht – von nützlichen und unnützen Haushaltsgeräten bis hin zu Liebesspielzeug und das natürlich im verhassten Beige.

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