Krankenhauszukunft

Lungenklinik oder Stadt als neuer Träger?

Die Paracelsus-Klinik.

Foto: Ralf Engel

Die Paracelsus-Klinik. Foto: Ralf Engel

Hemer.   Es werden vier Szenarien für die Zukunft der Paracelsus-Klinik diskutiert. Auch der Lungenklinik-Betreiber hat Interesse an einer Übernahme.

Wird aus der Paracelsus-Klinik Hemer 35 Jahre nach dem Verkauf wieder ein städtisches Krankenhaus oder wird der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband neben der Lungenklinik auch das Krankenhaus an der Breddestraße betreiben? Dies sind zwei Hemeraner Lösungen, die konkret beraten werden.

„Wir haben gegenüber dem Insolvenzverwalter offiziell unser Interesse am Erwerb der Paracelsus-Klinik Hemer bekundet“, bestätigte der Kaufmännische Direktor der Lungenklinik, Torsten Schulte, auf Anfrage. Beide Kliniken der Stadt arbeiten bereits in unterschiedlichen Bereichen eng zusammen. „Auch im Sinne der Versorgungssicherheit der Hemeraner Bevölkerung würden wir es gerne machen“, betont Torsten Schulte. Träger der Lungenklinik ist der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband mit Sitz in Marburg, der über die DGD-Stiftung und zwei GmbHs bislang acht Kliniken betreibt.

Klinikzukunft hat Einflussauf Finanzen der Stadt

Diese lokale Lösung wäre sehr im Interesse der Stadtverwaltung, die das Heft des Handelns nicht aus der Hand geben möchte und eine Rückübertragung der Klinik selber in Betracht zieht. „Wir denken hier im Moment vor allem nach vorne. Unsere Ressourcen konzentrieren sich auf die Zukunft des Krankenhauses, das wir unbedingt für unsere Stadt halten wollen“, bestätigt der Erste Beigeordnete Dr. Bernd Schulte auf Anfrage. Die Zukunft der Klinik hat nämlich großen Einfluss auf die Finanzen der Stadt.

Die Erleichterung über die Genehmigung des Haushalts – wenn auch mit Einschränkungen bei den Investitionen – ist in Verwaltung und Politik groß, doch das eigentliche Finanzrisiko durch die Insolvenz der Paracelsus-Klinik ist dadurch nicht behoben. Nach wie vor offen ist, inwieweit und vor allem in welchem Umfang die Stadt Verpflichtungen gegenüber der Versorgungskasse Westfalen-Lippe hinsichtlich der Altersversorgung des Klinikpersonals eingegangen ist.

Bis dies geklärt ist, dürfte über die Zukunft der Paracelsus-Klinik Hemer längst entschieden sein. Daher will die Stadt selber tätig werden. „Wir wollen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange in Schockstarre verharren“, betont der Erste Beigeordnete.

Vier denkbare Szenarien für die Zukunft der Hemeraner Klinik stehen im Raum, die die Verwaltung der Politik vorgestellt hat. Das schlimmste Szenarium wäre eine Schließung der Klinik, was allerdings als äußerst unwahrscheinlich eingestuft wird. In diesem Fall wären die Ausgleichszahlungen an die Zusatzversorgungskasse sofort fällig. Um wie viele Millionen Euro es geht, ist wie gesagt noch unklar.

In der Variante 2 verkauft der Insolvenzverwalter die Klinik an einen Konzern oder Finanzinvestor, und die Stadt hat keinerlei Mitspracherecht. Den Verkauf als Ganzes hatte der Generalbevollmächtigte favorisiert, aber auch den Verkauf in Teilen nicht ausgeschlossen. Bei dieser Lösung würden die alten Verträge der Stadt mit der Versorgungskasse womöglich weiter gelten, das Risiko bliebe, wäre aber nicht akut.

Rückübertragung isteines der Szenarien

Die Hemeraner Paracelsus-Klinik ist im Gegensatz zum Großteil der Kliniken im Paracelsus-Konzern eine eigene GmbH, von daher bietet sich ein separater Verkauf an. In der dritten Variante wird die Stadt in die Findung des neuen Trägers einbezogen, so dass konkret über die Belange der Stadt und der Versorgungskasse gesprochen werden kann. „Die Hemeraner Klinik steht nach den uns vorliegenden Informationen gut da, hat einen sehr guten Ruf und ist wirtschaftlich erfolgreich“, erklärt Kämmerer Dr. Schulte auf Anfrage.

Insofern kommt für die Stadt auch Variante 4 in Betracht: eine Rückübertragung. „Die Stadt kann die Klinik vermutlich nicht wirtschaftlicher betreiben als ein privater Träger. Wichtig ist, dass die Arbeitsplätze und der Klinikstandort erhalten bleiben“, sieht Dr. Schulte eine wirtschaftliche Gesamtbetrachtung eben auch mit direktem Einfluss auf die Gesundheitsversorgung der Stadt und die Verpflichtungen der Versorgungskasse.

Viele Gespräche führe die Verwaltung derzeit unter anderem mit der Kommunalaufsicht, der Versorgungskasse und dem Insolvenzverwalter in Eigenverantwortung. Bis Mitte des Jahres will letzterer über einen oder mehrere Investoren entschieden haben. Bereits im April finden Gläubigerversammlungen statt. Die Forderung der Stadt ist deutlich:„Bei der Insolvenz muss einzig wichtig sein, was ist das Beste für das Hemeraner Haus!“

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