Gesundheit

Mensa-Essen soll zur „Chefsache“ werden

Jörg Trelenberg (v.li.), Leiter des Woeste-Gymnasiums, Ursula Tenberge-Weber von der Verbraucherzentrale, die Landtagsabgeordneten Inge Blask und Marlies Stotz, Kai Hartmann, Leiter der Europaschule, und Jugendamtsleiter Peter Brühmann haben das Thema Schulessen in der Aula der Europaschule diskutiert.

Jörg Trelenberg (v.li.), Leiter des Woeste-Gymnasiums, Ursula Tenberge-Weber von der Verbraucherzentrale, die Landtagsabgeordneten Inge Blask und Marlies Stotz, Kai Hartmann, Leiter der Europaschule, und Jugendamtsleiter Peter Brühmann haben das Thema Schulessen in der Aula der Europaschule diskutiert.

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Hemer.  Die Landtagsabgeordnete Inge Blask hat zur Diskussion über die Ernährung von Schulkindern in Hemer in die Aula der Gesamtschule eingeladen.

Gesundes Essen und einen durchgetakteten Schulalltag in Verbindung zu bringen, ist nicht leicht. Das ist besonders in den heimischen Schulmensen zu beobachten. Während Imbissgerichte gut ankommen, verwaist das Gemüse oft in den Salatbars. Doch wie kann man das ändern? Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Inge Blask (SPD) haben sich Schulleiter, Experten und Politiker am Freitag in der Aula der Gesamtschule zusammengesetzt, um das Thema aus möglichst vielen Perspektiven zu beleuchten.

Dass Döner und Süßigkeiten gegenüber vegetarischen Gerichten und Obst von einem Großteil der Schülerschaft favorisiert wird, zeigte Gastgeber Kai Hartmann, Rektor der Europaschule am Friedenspark. Rund 40 bis 50 Portionen Nudeln werden an den langen Tagen von den Schülern gegessen, dazu kommen 30 Portionen von einem zusammengestellten Menü. Besser als alle anderen Angebote werde aber der Fast-Food-Tag angenommen. Dabei gehen rund 100 Portionen über den Tisch. „Da ist der Zulauf extrem hoch“, kommentierte Kai Hartmann die Tage, an denen es beispielsweise Döner oder Pizzen gibt.

Obst und Salate sind in der Mensa nicht sehr gefragt

Der gegenteiligen Trend lasse sich allerdings beim Obst-Tag beobachten. Dabei können die Schüler Obst als Nachtisch ordern. Obwohl rund 40 Portionen Pudding über die Theke gehen, erlauben sich nur rund fünf Schüler an einem der langen Mensa-Tage ein Stück Obst als Nachtisch. Einen ähnlichen Trend sieht auch Jörg Trelenberg, Leiter des Woeste-Gymnasiums, an seiner Schule. „Die Salatbar wird bei uns auch nicht oft genutzt“, beschreibt er.

Dabei ist laut dem Bericht von Jugendamtsleiter Peter Brühmann in den Kitas und den OGS der Grundschulen die Welt anscheinend noch in Ordnung. Da werde noch sehr auf gesundes Essen geachtet. „Seit Jahren funktioniert das gut“, sagte er. Zudem sei das Verhältnis zu den Kindern und der Kontakt zu den Eltern in den frühen Jahren persönlicher. „Da ist eine ganz andere Nähe da“, erklärt der Fachbereichsleiter für Kinder, Jugend und Soziales.

Für die Zeit außerhalb der Kita oder der Schule könne er dagegen nicht bürgen. Oft sehe er, wie Familien auch mit jungen Kinder mit einem Besuch von McDonalds „das Wochenende einläuten“. „Da muss man gar keine Entschuldigung suchen. Das ist der Zeitgeist“, erklärt er. Fast-Food habe Einzug gehalten in die deutschen Haushalte, kaum einer habe keinen Pizza-Lieferdienst-Zettel in der Nähe der Küche.

Dass das im Kindergarten und im Offenen Ganztag eingeübte Wissen über gesunde Ernährung dem Eindruck nach verpuffe, findet er schade. „Der Schulalltag ist durchgetaktet wie das Berufsleben und die ganze Imbisspalette liegt auf den Schulweg“, lenkte er den Blick auf das Umfeld der Schulen.

Essen soll der Lebenswelt der Schüler entsprechen

Inge Blask stellte zudem kurz die Forschungsergebnisse der Ernährungssoziologin Simone Weyers von der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf vor, die aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Demnach ist der Konsum von zuckerhaltigen Getränken bei Kindern mit einem niedrigen oder mittleren sozioökonomischen Status höher als bei Kindern mit einem hohen sozioökonomischen Status.

In der nachfolgenden Diskussion mit dem vornehmlich aus SPD-Politikern bestehenden Publikum wurden mehrere Ansätze genannt, wie man die Ernährung der Schüler verbessern könne. Ursula Tenberge-Weber von der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung NRW der Verbraucherzentrale empfiehlt, das Thema Ernährung in Schulen auf möglichst vielen Ebenen „zur Chefsache zu machen“, also sowohl in der Schule, als auch bei Elterngremien, Verwaltung und Politik. „Es muss jemanden geben, der sich verantwortlich fühlt“, sagte sie. Als einen weiteren Ansatz könne man Essen anbieten, das eher der Lebenswelt der Schüler entspreche. „Jugendliche tendieren eher zu Snacks“, erklärte sie.

Auch der Preis als Stellschraube für das Schulessen war Teil der Diskussion. Das Essen könne man entweder preiswerter oder zum gleichen Preis in einer besseren Qualität anbieten. Schüler zahlen für das Mensa-Essen, so die Erfahrung der Schulleiter, durchschnittlich einen Betrag von 3,30 Euro pro Gericht.

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