Fahrsicherheit

Mit 70 geht es quietschend durch die Kurve

Auf dem Verkehrsübungsplatz der Verkehrswacht nahmen Senioren an einem Fahrsicherheitstraining von Polizei und Verkehrswacht teil

Foto: Ralf Engel

Auf dem Verkehrsübungsplatz der Verkehrswacht nahmen Senioren an einem Fahrsicherheitstraining von Polizei und Verkehrswacht teil Foto: Ralf Engel

Hemer.   Polizei und Verkehrswacht bieten am Sauerlandpark ein Fahrsicherheitstraining für Senioren an.

Mit 70 und quietschenden Reifen durch die Kurve – mit dieser Geschwindigkeit wäre das Auto von Wolfgang Krug wohl aus dem Kreisel gerutscht. Die 70 bezieht sich in diesem Fall aufs Alter, denn der Hemeraner gehört zu der zwölfköpfigen Seniorengruppe, die erstmals in diesem Jahr auf dem Fahrtrainingsplatz in Hemer an einem Fahrsicherheitstraining teilnimmt.

Meist sind es junge Fahrer oder Motorradfahrer, die auf dem ehemaligen Kasernengelände für mehr Sicherheit im Straßenverkehr trainieren. Für Polizei und Verkehrswacht sind die Senioren eine weitere wichtige Zielgruppe. „Die Verkehrsvorgänge werden immer komplexer, wir wollen ein weiteres Angebot für die Sicherheit machen. Die Resonanz gibt uns Recht“, sagte der Leitende Polizeidirektor Michael Kuchenbecker bei der Begrüßung der Fahrer und Instruktoren.

Jahrelange Erfahrungim Straßenverkehr

Senioren sind jedoch schwieriger für ein Fahrtraining zu begeistern. Gerade für Senioren, die jahrelange Erfahrung im Straßenverkehr haben, ist Autofahren zu einer Routineangelegenheit geworden. „Manche haben Panik, dass wir ihnen den Führerschein nachher abnehmen“, weiß Polizeihauptkommissar Uwe Düchting. Doch diese Sorge sei völlig unbegründet. „Die älteren Fahrer haben eine sehr hohe Kompetenz und haben viel Erfahrung“, betont Polizeihauptkommissar Axel Strüver. Manche Situation gehe aber an ihre Leistungsfähigkeit und Reaktionsstärke.

Bei einem Fahrsicherheitstraining wird für den seltenen, aber umso gefährlicheren Ernstfall geübt: Die Teilnehmer lernen, richtig mit unerwarteten Situationen umzugehen. Daher gehören Tipps für die richtige Sitzposition und manche theoretischen Hinweise zu Fahrverhalten und Assistenzsystemen eher zum Rahmenprogramm. Wichtig ist der Hinweis auf die besondere Umsicht, das Nutzen der Spiegel. „Viele Unfälle passieren beim Wenden auf der Fahrbahn“, berichtet Uwe Düchting über ein Problem der Ü65-Fahrer.

Im Mittelpunkt steht die praktische Erfahrung. Schon beim Slalomparcours, quasi zum Warmfahren, gibt es wichtige Hinweise über Funk: „Nicht am Lenkrad kurbeln, beide Hände bleiben am Lenkrad“, instruiert Axel Strüver. Dann geht es um die Vollbremsung. „Knallhartes Bremsen, wenn es wirklich mal eng geworden ist“, betont der Trainer und beschreibt den dicken Lastwagen, der quer steht. Über Funk animiert er die Fahrer, wirklich voll auf die Bremse zu gehen. Mit höherer Geschwindigkeit, halbseitig glatter Fahrbahn oder einem Ausweichmanöver wird es noch schwieriger. „Man traut sich zunächst nicht, voll in die Eisen zu steigen“, bilanziert Wolfgang Krug. Nach einigen Versuchen werden die Bremswege bei allen aber deutlich kürzer.

Rutschpartien ausder Kreisbahn

Eine weitere Herausforderung folgt sogleich: In der Kreisbahn testen die Fahrer die Fliehkräfte. Mit Tempo 40 bis 60 geht es durch die Kurve. Eine halbseitig glatte Fahrbahn führt dabei schnell zu ungewollten Rutschpartien. So lernen die 65- bis 84-Jährigen in acht Stunden auch neue Grenzbereiche für Auto und Fahrer kennen – und das trotz jahrzehntelanger Erfahrung. „Man lernt im Alter nie aus, es ist wirklich interessant“, freut sich Ulrike Pläsken, dass sie sich das getraut hat. Wolfgang Krug hat bereits an einem Fahrsicherheitstraining teilgenommen und ist auch nach der Wiederholung begeistert: „Es ist fantastisch, wie die das machen, und bestätigt die eigene Fitness“, betont er.

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