Breitband

Mit drei Projekten in das Gigabit-Zeitalter

Über 60 Kilometer Glasfaserkabel müssen in die Erde. +++ dpa-Bildfunk +++

Über 60 Kilometer Glasfaserkabel müssen in die Erde. +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Hemer.  Bis April 2020 sollen Firmen im Ihmerter Tal einen Glasfaseranschluss erhalten. Die Stadt wartet auf weitere Millionenfördermittel.

Eigentlich dürften viele Hemeraner über ihre lahme Internetverbindung gar nicht mehr klagen, hatte die Bundesregierung ihnen und sämtlichen anderen deutschen Haushalten doch 50 Megabit pro Sekunde und mehr bis Ende 2018 versprochen. Im Stadtgebiet wurde dafür eifrig gebuddelt. Wer nicht vom schnellen TV-Kabelnetz profitiert, erreicht vor allem durch das Vectoring auf alten Kupferkabeln schnelleres Internet. Doch Hunderte Firmen und Haushalte werden auch dadurch nicht besser versorgt.

Ein kompliziertes Förderprogramm mit Millionensummen soll helfen. Jetzt haben 30,2 Millionen vom Bund den Märkischen Kreis erreicht, auf weitere 28,2 Millionen Euro vom Land wird noch gewartet. „Damit kann endlich mit dem längst überfälligen Glasfaser-Ausbau für mehr als 45.000 Privathaushalte im Kreis begonnen werden“, sagte Landrat Thomas Gemke im Kreistag. Auch Gewerbegebiete im Ihmerter Tal werden davon profitieren. Doch auch diese Millionen reichen nur für wenige Kilometer Glasfaserkabel. Auf über 60 Kilometer werden die notwendigen Kabelstränge allein in Hemer geschätzt.

KompliziertesFörderprogramm

Einen Überblick über die jeweiligen Förderprogramme gab die Hemeraner Stadtverwaltung auf Antrag der CDU jetzt dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr und der ist so kompliziert wie das gesamte Förderprogramm von Bund und Land. Hemer wartet auf Millionen aus drei Förderprogrammen. Die Stadt arbeitet dabei eng mit dem Breitbandkoordinator des Märkischen Kreises zusammen.

Am konkretesten ist der Ausbau durch die Förderung des Regionalen Wirtschaftsprogramms. Von der Förderung sind 147 Hemeraner Adressen betroffen, die im südlichen Stadtgebiet in den Ortsteilen Bredenbruch, Ihmerter Bach und Ihmert angesiedelt sind. Sie sollen bis April 2020 mit Glasfaseranschluss versorgt werden. Dafür wird die Telekom in den kommenden Wochen in den Gehwegen in der Ihmerter Straße vom Verteiler bei AvB aus in Richtung Ihmert und Bredenbruch Glasfaserkabel verlegen. Der entsprechende Aufbruchantrag liegt im Rathaus bereits vor. Wo später die Ihmerter Straße erneuert wird, soll der Gehweg nur provisorisch wieder hergestellt werden.

Neben den Firmen in diesem Bereich können auch Privathaushalte im direkten Umfeld vom Glasfasernetz und damit von bis zu 1000 Mbit/Sekunde profitieren. So wird auch die Ihmerter Schule angeschlossen. Gefördert wird das Glasfasernetz bis zur Grundstücksgrenze. Für einen Hausanschluss muss die Zustimmung des Grundstückseigentümers schriftlich vorliegen. Betroffene sind bereits von der Telekom angeschrieben worden. Der Netzbetreiber erhebt für den Anschluss pauschale Installationskosten eines Hausanschlusses in Höhe von 799,95 Euro. „Die Resonanz war offenbar nicht so groß“, berichtet der Technische Beigeordnete der Stadt, Christian Schweitzer.

Einige Ortsteile erhaltenGlasfaser bis ins Haus

Weitaus mehr Hemeraner Haushalte sollen vom Bundesförderprogramm im sogenannten 3. Call profitieren. „Das bringt eine konkrete Verbesserung in den unterversorgten Gebieten“, erläutert Christian Schweitzer. Vor allem Ihmert, Bredenbruch, Teile des Stübeckens, Frönsberg (einschließlich der Klinik) und Riemke sollen bis Ende 2022 Glasfaseranschlüsse bis ins Haus erhalten. In diesen Fördergebieten müssen die Bürger nichts für die Verkabelung ab Grundstücksgrenze bezahlen. Sie müssen nur zustimmen. Bei einer späteren Entscheidung ist der Glasfaser-Hausanschluss allerdings kostenpflichtig. Auch ein Vertragsabschluss für höhere Bandbreiten ist nicht zwingend.

Auf Grund einer Novellierung des Bundesförderprogramms ist das Vergabeverfahren allerdings noch nicht abgeschlossen. „Der MK als Vertreter der Kommunen hat von der novellierten Richtlinie Gebrauch gemacht und befindet sich derzeit in Gesprächen mit den Telekommunikationsunternehmen, die kurz vor der Einigung stehen. Allerdings müssen die Verträge unter anderem zu einer Stellungnahme an die Bundesnetzagentur versendet werden,welche diese derzeit überprüft, was bedingt, dass ein Vertragsabschluss noch nicht vollzogen ist“, berichtet die Stadt. Letztlich sei aber vertraglich festgehalten, dass der Ausbau bis 2022 abgeschlossen sein müsse. Der Eigenanteil der Stadt Hemer für den 3. Call liegt bei 161.590 Euro.

Auch aus dem sogenannten 6. Call des Bundesförderprogramms erhofft sich die Stadt Millionen für den Breitbandausbau. Profitieren könnten davon rund 157 Haushalte, vor allem einzelne Gehöfte und Siedlungen im Stephanopeler Tal und Ihmert, die sogenannten „weißen Flecken“, aber auch das Neubaugebiet am Sauerlandpark. Auch hier wird das Glasfaserkabel kostenfrei bis ins Haus gelegt.

Dieser 6. Call soll aber auch die Gewerbegebiete Mendener Straße, Jüberg, Deilinghofen und Hönnetalstraße erschließen sowie die Kliniken (ausgenommen Prinzhorn-Klinik) und die weiterführenden Schulen. „Perspektivisch wollen wir alle Schulen mit Glasfaser anbinden, momentan sind alle einigermaßen versorgt“, berichtet Christian Schweitzer. Sieben Schulen im Versorgungsbereich des Kabelnetzbetreibers sollen durch das Programm „Gute Schule“ gefördert werden. Wann auch dieser 6. Call die Höfe auf dem Land erreicht, ist noch ungewiss. Den Förderantrag beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat der Märkische Kreis gestellt. „Es gibt keinen realistischen Zeitraum, ich erwarte es nicht vor 2025“, so der Technische Beigeordnete.

Wenn jeder Bauernhof dann per Gigabit-Glasfasernetz versorgt ist, wird der Großteil der Hemeraner in der Innenstadt eine „lahme Leitung“ beklagen. Das vielfach verwendete Vectoring schafft maximal 100 MBit/Sekunde. Die Bundesregierung hat sich aber als Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2025 alle Haushalte in Deutschland mit einer Internetleitung mit 1.000 MBit/s zu versorgen. Es bleibt also die nächsten Jahrzehnte noch viel für die digitale Zukunft zu buddeln.

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