Verabschiedung

Mit Mut, Tatkraft und viel Konfliktbereitschaft

Sichtlich gerührt nahm Gabriele Koller nach der fast zweistündigen Feierstunde den Beifall von Kolleginnen und Kollegen, Eltern, Schülern, Vertretern der Verwaltung und des Rates sowie vieler Hemeraner Schulen entgegen. Besonders herzlich applaudierte ihre Ehemann Burkhard (li.), der vorübergehend die Schule leiten wird.

Foto: Köster

Sichtlich gerührt nahm Gabriele Koller nach der fast zweistündigen Feierstunde den Beifall von Kolleginnen und Kollegen, Eltern, Schülern, Vertretern der Verwaltung und des Rates sowie vieler Hemeraner Schulen entgegen. Besonders herzlich applaudierte ihre Ehemann Burkhard (li.), der vorübergehend die Schule leiten wird. Foto: Köster

Hemer.   Sie hat die Gesamtschule von der Gründung im Jahr 2009, bis zum Vollausbau mit gymnasialer Oberstufe geführt. Jetzt ist Gabriele Koller verabschiedet worden.

„Wenn ich gewusst hätte, was alles heute so über mich gesagt wird, hätte ich noch ein paar Jahre drangehängt. Andererseits bin ich jetzt insgesamt 56 Jahre zur Schule gegangen. Ich glaube, jetzt habe ich mir den Ruhestand verdient!“ Gabriele Koller hatte sich gestern bei ihrer Verabschiedung als Direktorin der Gesamtschule Hemer das Recht der letzten Ansprache vorbehalten. Schon vorher war immer wieder von dem berühmten „lachenden und weinenden Auge“ die Rede gewesen, mit dem man geht oder jemanden gehen lässt. Und wenn es bei der Feierstunde in der Aula viel zu schmunzeln und lachen gab, demonstrierte Gabriele Koller, dass auch das weinende Auge nicht nur eine Redewendung sein muss, als sie am Ende Tränen der Rührung nicht zurückhalten konnte.

Politische Widerstände hartnäckig überwunden

Ob es der stellvertretende Schulleiter Ralf Isenberg war, die schulfachliche Dezernentin aus Arnberg Sigrid Kuck, Bürgermeister Michael Heilmann oder Ingmar Wichert, der für das Kollegium sprach – sie alle betonten, welche zentrale Rolle Gabriele Koller seit 2009 beim Aufbau der damals nach anfänglichen großen politischen Widerständen gegründeten Gesamtschule gespielt hat. Sie sei damals die Idealbesetzung gewesen, stellte Ralf Isenberg fest, die mit Mut, Tatkraft, Konfliktbereitschaft ihre Ziele verfolgt habe. Ihr Durchhaltevermögen habe der eine oder andere Gegner möglicherweise als penetrant empfunden, sagte Isenberg, aber der Erfolg gebe Gabriele Koller Recht: „Dass die Gesamtschule Hemer heute eine leistungsstarke und innovative Schule wurde, ist in erster Linie dir zu verdanken, Gaby.“ Gabriele Kollers langjähriger Stellvertreter dankte aber auch der Stadt Hemer als Schulträger, die sich nach und nach von der Notwendigkeit von Investitionen in die Gesamtschule überzeugen habe lassen und „tief in die Schatulle gegriffen“ habe.

Sigrid Kuck hatte neben der Ruhestandsurkunde ein dickes Bündel gelber Rosen mitgebracht, die sie Gabriele Koller nach und nach für deren Verdienste und Fähigkeiten schenkte. Die Schulaufsicht habe letztere schon früh erkannt, verriet die Dezernentin und zitierte aus einer Beurteilung Gabriele Kollers aus dem Jahr 1975, in der ihr unter anderem ein „sicheres Führungsverhalten“ bescheinigt worden war.

Bürgermeister Heilmann gab zu, sich noch gut an die Kontroversen um die Einrichtung der Gesamtschule erinnern zu können, die er seinerzeit als Ratsherr miterlebte. Die Entscheidung für die Gesamtschule habe sich aber gelohnt, sagte Heilmann, denn es sei heute mit 992 Schülerinnen und Schülern die größte Schule der Stadt. Heilmann lobte auch, wie dort die Inklusion nach vorne gebracht werde und ebenso die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Woeste-Gymnasium. „Sie haben tiefe Spuren hinterlassen, und überall an der Schule ist Ihre Handschrift zu sehen“, bescheinigte der Bürgermeister der scheidenden Leiterin.

Herzliche Verabschiedungvon der Schülervertretung

Ingmar Wichert verglich die Bedeutung einer Schulleiterin für eine gute Schule mit der eines Trainers für eine Fußballmannschaft – speziell der schwarz-gelben aus Gabriele Kollers Heimatstadt Dortmund. Da jedoch hinke der Vergleich ein wenig, räumte Wichert ein, denn die Gesamtschule spiele auf Champions League-Niveau, was der BVB derzeit nicht immer schaffe. Dennoch nahm Gabrielle Koller einen schwarz-gelben Fanschal mit unverhohlener Freude entgegen.

Weitere Grußworte gab es von Stefanie Kühlmann-Kick und Katrin Pielhau vom Förderverein der Gesamtschule, vom Schulpflegschaftsvorsitzenden Uwe Böttcher und Elke Huth von der Gründungsinitiative, die seinerzeit die Einrichtung der Gesamtschule angestoßen und entscheidend mit durchgefochten hatte. Niemand fand aber so frische und offen-liebevolle Worte wie Chiara Schmitt und Philipp Trelenberg als Vertreter der Schülerinnen und Schüler. Sie stellten Gabriele Koller ein glänzendes Abschlusszeugnis aus mit Bestnoten für pädagogische Fähigkeiten, Schlagfertigkeit, Durchsetzungsfähigkeit aber auch ihr Äußeres. Sie habe viele Schülerinnen und Schüler davon überzeugt, in Sachen Mode auch selbst mehr zu wagen. „Wir werden Sie nie vergessen. Vielen Dank, Frau Koller. Für alles!“, beendeten Chiara Schmitt und Philipp Trelenberg ihre launige Rede.

Doch die Ära Koller ist an der Gesamtschule noch nicht ganz zu Ende, denn ab dem heutigen 1. Februar übernimmt Gabriele Kollers Ehemann Burkhard, für Gesamtschulen zuständiger Dezernent bei der Bezirksregierung, für einige Wochen kommissarisch die Leitung. Das Auswahlverfahren für die Nachfolge ist allerdings schon sehr weit fortgeschritten, und spätestens nach den Osterferien wird ein neuer Chef oder eine neue Chefin im Schulleitungsbüro Einzug halten.

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