Baudenkmal

Moderne Stadtkirche wird Denkmal

Christ-König-Kirche  Hemer.

Christ-König-Kirche Hemer.

Foto: Christian Penn / IKZ

Hemer.  Der Landschaftsverband sieht in der Pfarrkirche Christkönig einen für die Stadtgeschichte wichtigen Sakralbau.

Vier Kirchen stehen in der Felsenmeerstadt schon unter Denkmalschutz, jetzt soll die fünfte hinzukommen. Die katholische Kirche Christkönig – in den Anfangsjahren im Volksmund „Sankt Beton“ genannt – wäre mit gut 50 Jahren das jüngste sakrale Denkmal der Stadt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Hemer beantragt, die Stadt als Untere Denkmalbehörde informiert den Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr über die geplante Unterschutzstellung. Die Pfarrkirche wäre das 89. Denkmal in Hemer.

„Das Denkmal ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Stadtgeschichte in Hemer, da der Kirchenbau sowohl Teil der Stadtentwicklung als auch des Ausbaus des Stadtzentrums ist. Zudem zeigt er, wie die katholische Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg gewachsen ist und ist damit Zeugnis der demografischen Verschiebungen, die sich durch die Folgen des Krieges ergeben haben. Zudem war sie zunächst auch Garnisonskirche und verweist damit auf den damals wichtigen Bundeswehrstandort Hemer“, heißt es in dem Gutachten des Landschaftsverbandes.

1965 nach den Plänen von Richard Jörg erbaut

Die Kirche ist in den Jahren 1965/66 nach den Plänen des bekannten Mannheimer Kirchenarchitekten Richard Jörg gebaut worden. Sie spiegelt den Boom im Sakralbau auch im Erzbistum Paderborn von den 50er bis zum Beginn der 70er Jahre und zugleich die vielfältigen Architekturtendenzen im Kirchenbau wider.

„Der Entwurf für Christkönig setzt auf eine sehr eigenständige Weise die zeitgenössische Vorstellung der um den Altar versammelten Gläubigen baulich um und ist damit ein besonders anschauliches Zeugnis der Konzilszeit. Er verbindet einen Zentralbau (Halbrund-Ordnung, Kuppel) mit einer Achse (Eingang, Mittelgang, Altar, Orgel). Durch das axial in die Kuppel einspringende Betondreieck ist eine Richtung in der zentralen Form anschaulich gemacht,“ so der Gutachter Dr. David Gropp.

Der Bau lege zudem Zeugnis ab über die zeitgenössischen Neuerungen in der Sakralarchitektur etwa in Form großflächiger Sichtbetonoberflächen oder der die Architektur gliedernden und akzentuierten Fensterbänder. Bis auf den Anstrich der Betonflächen vor fünf Jahren ergebe sich innen wie außen ein sehr guter Überlieferungszustand. Kritisch wird aber auch angemerkt, dass der damals beabsichtigte stadtseitige große Vorplatz durch den Anbau des Gemeindezentrums nicht mehr vorhanden ist.

Auch religionsgeschichtliche Gründe nennt der Landschaftsverband, da neben der Kirche in Freudenberg die Hemeraner Kirche Christkönig das zweite Projekt einer Halbrundkirche im Erzbistum sei, deren liturgische Ordnung für den Architekturentwurf bestimmend war. Zudem sei die Turmfront städtebaulich markant.

Auch liturgische Möbel und Kuppelmalerei schützenswert

Unter Denkmalschutz soll nicht nur das gesamte Äußere einschließlich der Außentreppen, sondern auch das historische Innere gestellt werden. Dazu zählen die „künstlerisch gestalteten liturgischen Möbel“ von Ernst Kunz und Richard Jörg als auch die 1985 hinzugefügte Kuppelmalerei von Hermann Gottfried. Nicht zum Denkmal gehört die 1972 erbaute Orgel.

Der Kirchenvorstand hat zum geplanten Denkmalschutz keine Stellungnahme abgegeben. „Wir freuen uns über die Würdigung unserer Kirche“, sagte Pastor Dietmar Schulte auf Anfrage.

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