Wirtschaft

Nicht nur in Hemer leidet die Draht-Industrie

Das Geschäft mit den Drahtrollen läuft in der gegenwärtigen Wirtschaftslage schleppend. Ein Grund dafür dürften auch die Strafzölle unter dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump sein.

Das Geschäft mit den Drahtrollen läuft in der gegenwärtigen Wirtschaftslage schleppend. Ein Grund dafür dürften auch die Strafzölle unter dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump sein.

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Hemer.  Warum internationale Wirtschaftskonflikte und eine schwächelnde Autoindustrie auch die heimischen Firmen betreffen.

Die Draht- und Metallindustrie leidet. Anfang August hat der Drahtmaschinenhersteller Koch seine Insolvenz verkündet, vor kurzem meldete das Drahtwerk Lötters Insolvenz in Eigenverwaltung an (wir berichteten). Die Gründe dafür sind komplex, vielfältig und betreffen nicht nur die Firmen in Hemer.

Mario Bertling ist Geschäftsführer der Eisendraht- und Stahldraht-Vereinigung (ESV) und vertritt rund 60 Betriebe, unter anderem auch Lötters. Er sieht branchenweit Probleme in der Stahl- und Drahtindustrie. Und die führt er auch auf internationale Handelskonflikte zurück. „Der amerikanische Markt ist praktisch weggebrochen“, erklärt er.

Die Draht-Industrie arbeite im allgemeinen mit geringen Gewinnmargen. Wenn dann also noch die vom Präsidenten Donald Trump beschlossenen 25 Prozent Strafzölle auf Importe in die USA dazukommen, sehe es düster aus. „Da kann man entweder draufzahlen oder man verliert den Kunden“, sagt Bertling.

Inlandsnachfrage in China hat Rohpreise ansteigen lassen

Als Grund für die Insolvenz in Eigenverwaltung hat Lötters auch gestiegene Rohmaterial-Preise angegeben. Dieses Problem treffe, so Bertling, ebenso weite Teile der Branche. „2017 sind die Preise in die Decke geschossen“, beschreibt er die Situation. Durch die hohe Inlandsnachfrage in China und einzelne Minenunglücke sei Eisenerz zu einem vergleichsweise raren Rohstoff geworden. Der Preis pro Tonne sei demnach gestiegen, was die lokalen Unternehmen auch zu spüren bekommen. Zwar gehe diese Tenden, so Bertling, zurück, habe aber immer noch Auswirkungen auf die Industrie.

Ebenfalls belaste gerade eine Überproduktion von Draht die Produzenten – vor allem Stahldraht aus Osteuropa. „Es ist viel zu viel Draht auf dem Markt. Und die Kunden sind sehr wechselfreudig. Auch schon bei kleinen Preisunterschieden“, erklärt der Geschäftsführer der WSV. Ein weiteres Problem für die Produzenten von Draht sei die schwächelnde Autoindustrie. „Die geht im Moment auch in die Knie“, so Bertling. Draht ist ein wichtiger Bestandteil von Verbrennungsmotoren, die Automobilindustrie somit ein guter Abnehmer von Draht.

Werden also mehr Autos gebaut, dürfte es auch der Drahtindustrie ein wenig besser gehen. Es sei denn, die Branche setzt verstärkt auf die Elektromobilität. In einem Elektromotor werden, so Bertling, rund 40 Prozent weniger Draht verbaut. Für die Zukunft der Drahtbauer seien Wasserstoff-Autos also die einträglichere Möglichkeit.

Es sind also mehrere Faktoren, die für die Drahtindustrie in Hemer und auch woanders zusammenkommen. „Es kommt alles geballt“, erklärt Bertling – Internationale Handelskonflikte, hohe Rohstoffpreise und schwächelnde Geschäftspartner aus der Maschinenbau-Industrie.

Das Unternehmen Andritz Sundwig arbeitet zwar mit Material aus Edelstahl, sei aber, so Geschäftsführer Guido Burgel, nicht so stark von den Problemen der Metallindustrie betroffen wie die Draht-Produzenten. „Von den Handelszöllen auf Stahl sind wir beispielsweise nicht betroffen, da wir mit fertigen Anlagen handeln“, sagt Burgel. Auch gestiegene Rohmaterial-Preise stellen für die Firma ein eher lösbares Problem dar. „Wir nehmen die in unsere Kalkulation auf und erhöhen die Preise. Unsere Konkurrenz ist in einer ähnlichen Situation“, erklärt der Geschäftsführer. Allerdings wirken sich die Turbulenzen im Markt schon auf das Geschäft aus, vor allem aufgrund der Probleme der Autoindustrie. Über das Geschäft sagt Burgel: „Es ist nicht exzellent, aber durchaus auskömmlich.“

Andere Situation beim Anlagenbau

Das Sundwiger Messingwerk arbeitet weniger mit Stahl, sondern mit Buntmetall, also unter anderem Kupfer und Messing. Die Geschäftsführung verwies auf Anfrage auf die Pressestelle der Mutterfirma Diehl. Eine Anfrage blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Das Stahldrahtwerk Künne verwies auf Anfrage an den Vorstand, der erst in ein paar Tagen zu sprechen sei.

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