Runder Tisch Asyl

Probleme in Deilinghofen sind weiter ungelöst

Foto: IKZ

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Deilinghofen. Am mittlerweile dritten „Runden Tisch Asyl“ in der Unterbringungseinrichtung in Deilinghofen ist am Dienstag deutlich mehr Klartext geredet worden als bei den beiden Vorgängerveranstaltungen. Offenbar haben vor allem die jüngsten gewalttätigen Auseinandersetzungen sowie die Häufung von Straftaten von Asylbewerbern alle Verantwortlichen aufgeschreckt. Die Abordnung der Arnsberger Bezirksregierung um den Regierungsvizepräsidenten Volker Milk war schon vorher am Tag der Einladung von Bürgermeister Michael Esken zu einem Gespräch im Rathaus gefolgt, an dem auch die Vorsitzenden der Ratsfraktionen teilnahmen. „Sie haben uns da klargemacht, dass es so nicht weitergeht“, räumte Milk später am „Runden Tisch“ eindeutigen Handlungsbedarf ein.

Zustrom wird zunehmen

Einig waren sich die von Pfarrer Dr. Hans Lohmann moderierte Gesprächsrunde vor allem darin, dass es lediglich eine Minderheit unter den mehreren Hundert Asylbewerbern ist, die für – teilweise gewaltigen – Ärger sorgt. Straftaten und Schlägereien sind dabei nur die Spitze des Eisberges. An den Nerven der Bevölkerung im näheren und weiteren Umfeld der Einrichtung zerren weiterhin auch unflätiges Benehmen, Pöbeleien und nicht zuletzt auch massive sexuelle Provokationen und Belästigungen durch Asylbewerber.

In der Vergangenheit war die Überbelegung der ursprünglich für 200 bis 300 Bewohner ausgelegten Einrichtung mit bis zu 600 Personen als eine der Ursachen für die Gewalttätigkeiten ausgemacht worden. Volker Milk kündigte an, dass die Bezirksregierung nun eine Regelbelegung von nur noch 400 Menschen anstrebe und wohl auch erreichen könne. Niedrigere Belegungszahlen seien zwei wünschenswert, aber Augenwischerei, weil der Zustrom von Flüchtlingen in die Bundesrepublik sich noch noch erhöhen werde. Waren es im vergangenen Jahr schon 127 000, lauten die Prognosen für 2014 sogar auf 160 000 Asylbewerber, von denen Nordrhein-Westfalen ein Fünftel aufnehmen muss. Die Schaffung zusätzlicher Unterbringungsplätze („die Einrichtung in Wimbern wird kommen, ob die Bevölkerung das dort will oder nicht“) sieht Volker Milk nur als einen „Silberstreif am Horizont“.

Hemers Polizeichef Gunter Lill forderte dazu auf, bei einer angestrebten Regelbelegung von 400 Bewohnern auch die Sicherheitsstandards zu erhöhen. Lill beklagte eine ganze Reihe von Ausfällen von Beamten, die sich in Auseinandersetzungen mit Asylbewerbern schwere Verletzungen zugezogen haben. „Wir haben da überhaupt keine Reserven mehr.“ Auch wenn Beamte aus den Nachbarstädten bei ganz dringendem Bedarf aushelfen, sei das keine dauerhafte Lösung. Lill: „Die Personaldecke ist doch überall dünn.“

„Der runde Tisch sollte daraus eine politische Forderung in Richtung Innenministerium ableiten“, griff Bürgermeister Esken die Aussagen Gunter Lills auf und bekam dafür sofort die Unterstützung aller Fraktionschefs. Der genaue Text der Forderung soll in den nächsten Tagen sorgfältig formuliert und dann allen Teilnehmern vorab zugeleitet werden, bevor er in Richtung Düsseldorf gesandt wird.

Ob die frühere Ruhe und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung so wieder hergestellt werden kann, wird allerdings nicht nur von Wolfgang Eichler und Manuela Seelmann bezweifelt, die stellvertretend für die Bevölkerung am „Runden Tisch“ saßen. Auch Christa Belabbes, als Verfahrensberaterin der Diakonie Kennerin Materie, nahm kein Blatt vor den Mund. „Da kommen junge Männer aus Algerien und Marokko zu uns, die seit vielen Jahren auf Straße leben. Die sind regelrecht ausgewildert, die kann niemand mehr resozialisieren.“

Dabei sei gerade über viele Jahre die Arbeit der Einrichtung am Apricker Weg bei der Betreuung der Asylbewerber und der Vorbereitung eines ordentlichen Anerkennungsverfahrens sehr erfolgreich gewesen, betonte Volker Milk. Diese gute Betreuung sei auch durch die verkürzte Verweildauer aufgrund des hohen Aufkommens beeinträchtigt. Es gehe um nicht weniger als die Gewährung des Grundrechtes auf Asyl, so der Vizeregierungsdirektor: „Wir müssen da schnell wieder zu Normalität zurückkehren.“

Zwischenfälle melden

Pfarrer Hans Lohmann rief dazu auf, Fälle von gravierender Belästigung oder gar Bedrohung der Einrichtung am Apricker Weg oder gleich der Polizei zu melden. Auch die Vertreter des Kaufparkes kündigten Überlegungen an, künftig verstärkt von ihren Hausrecht Gebrauch zu machen, wenn Asylbewerber in oder auf dem Gelände des Marktes sich in unzumutbarer Weise verhalten.

Die nächste Zusammenkunft am „Runden Tisch“ soll voraussichtlich im Mai folgen.

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