Landgericht

Räuberische Erpressung am Radweg vor Gericht

Foto: Kurt Michelis

Hagen/Hemer.   Drei Hemeraner haben ihre Tat gestanden, am Dienstag soll das Urteil gesprochen werden.

Erfolgreich ist gestern die „Jagd“ nach einem säumigen Angeklagten in Hemer verlaufen: Polizeibeamte der hiesigen Wache bekamen den Auftrag, als ein 24-Jähriger nicht zu seinem Prozess im Landgericht Hagen auftauchte, ihn zum Prozess zu bringen. Mit gut zweistündiger Verspätung legte der junge Mann schließlich ein weitgehendes Geständnis ab – ebenso wie seine beiden 20-jährigen Mitangeklagten, die ihm bei den räuberischen Übergriffen gegen einen Mann aus Hemer geholfen haben sollen.

Was war geschehen? Auf einem Fahrradweg stellten sich der 24-Jährige und einer der beiden Mitangeklagten am 12. April 2017 vor dem Opfer auf, um ihm Geld und Zigaretten abzunehmen. Dies gelang auch. Bewaffnet war der Ältere mit einem Teleskopschlagstock, der auch bei einer weiteren Drangsalierung des Opfers zwei Tage später eine Rolle spielte: Da suchte der Ältere den Mann zu Hause auf, schlug ihn mit dem Schlagstock und verlangte erneut Geld und dazu noch Marihuana. Der Hemeraner konnte sich befreien und in seinem Wohnzimmer einschließen, von wo aus er die Polizei anrief.

Tatort lag nicht weitvon der Wache entfernt

Darauf flüchtete der 24-Jährige, der bei dieser Aktion den dritten Angeklagten dabei hatte. Dessen Rolle beschränkte sich allerdings darauf, im Treppenhaus vor der Wohnung des Zeugen „eingriffsbereit“ zu warten. Die alarmierten Beamten hatten keine große Mühe, das Fahrzeug der Täter kurz nach dem zweiten Angriff zu finden. „Der Tatort lag nicht weit von der Wache entfernt“, erklärte einer der Zeugen die hohe Reaktionsgeschwindigkeit. Im Fußraum des Wagens fanden die Polizisten den Teleskopschlagstock und stellten ihn sicher. Ein Beamter erinnerte sich, dass es im Auto „ganz stark nach Betäubungsmitteln“ roch.

Straftaten ohne jeden Sinn und Verstand, die strafrechtlich allerdings erheblich zu Buche schlagen: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hauptangeklagten unter anderem eine versuchte schwere räuberische Erpressung vor. Den beiden 20-Jährigen wird jeweils Beihilfe zu einer versuchten schweren räuberischen Erpressung vorgeworfen. „Zugetraut hätte ich es ihnen nicht“, bemerkte eine als Zeugin vernommene Jugendliche aus Hemer, die die jüngeren Angeklagten noch aus der Schule kannte. Das Grinsen der mutmaßlichen Täter machte deutlich, dass sie den Ernst des Lebens noch nicht so ganz begriffen haben.

Haftstrafe ist für den Haupttäter nicht vom Tisch

Gericht und Verteidiger zogen sich zu einer internen Beratung zurück, die bereits deutlich machte, wohin die Reise gehen wird: Bei dem 24-Jährigen ist eine vollstreckbare Haftstrafe noch nicht vom Tisch – die Kammer geht derzeit von einem Strafrahmen bis zu zwei Jahren und drei Monaten aus. Dem 20-Jährigen, der bei der Bedrohung auf dem Radweg mit dabei war, droht eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren. Er hat allerdings gute Chancen, aus der Sache mit einer Bewährungsstrafe heraus zu kommen.

Das Verfahren gegen den dritten Angeklagten, der sich bei dem zweiten Überfall im Treppenhaus des Geschädigten aufhielt, wird möglicherweise eingestellt – ob mit oder ohne Auflage wird sich voraussichtlich am kommenden Dienstag zeigen.

Aufgrund der Geständnisse und der verfahrensabkürzenden Absprachen könnte die 2. Große Jugendkammer des Landgerichts dann schon die Urteile verkünden. Nach der ärgerlichen Verzögerung zum Auftakt des Prozesses mahnte der Vorsitzende Richter Marcus Teich zu Disziplin: „Dann pünktlich, bitte!“ Die Rechnung für die gestrige Öffnung seiner Wohnung durch einen Schlüsseldienst soll dem 24-Jährigen zugehen.

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