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Rückzug der Schiene aus der Fläche stoppen

Für den Umbau der Innenstadt sind ab 2009 die Gleise demontiert worden.

Für den Umbau der Innenstadt sind ab 2009 die Gleise demontiert worden.

Foto: ENGEL, Ralf

Hemer/Iserlohn.   Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz Pro Schiene wollen die Bahnstrecke Iserlohn-Menden reaktivieren.

Monatelang war es ruhig um die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Hemer und Menden, doch die Streckennummer 2850 gelangt jetzt wieder in den Blickpunkt. Die demontierte Bahntrasse soll nach der Empfehlung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Allianz Pro Schiene reaktiviert werden. In die bundesweite Vorschlagsliste wurde aber nicht nur das in den vergangenen Jahren umstrittene Teilstück zwischen Hemer und Menden aufgenommen, sondern auch die bereits seit 1989 stillgelegte Strecke nach Iserlohn. Die Verbindung könnte als Regionalstadtbahn reaktiviert werden.

Komplexere Planung fürneue Trasse bis nach Iserlohn

Dem auf 15 Kilometern neu zu bauenden Schienenstrang räumen die Verbände die mittlere Priorität B ein. Er soll eine Entlastung bestehender Verkehrswege in Ballungsräumen und Ballungsrandzonen durch Verlagerung von Verkehr auf die Schiene (Schwerpunkt „Entlastungsfunktion“) bringen. Der Zeitaufwand wird mit der letzten Stufe III beziffert, das bedeutet „voraussichtlich komplexere Planung bzw. höherer Bauaufwand, ggf. umfangreichere Verlegung anderer Verkehrswege, die die Trasse mittlerweile nutzen“. Konflikte mit anderen Anrainern oder Naturschutzbelangen seien möglich, daher sei die Trasse nicht schnell zu realisieren. Das bezieht sich vor allem auf das Teilstück von Hemer nach Iserlohn, das teilweise nicht mehr zur Verfügung steht.

Bundesweit geht es um 186 Strecken und 3072 Kilometer Gleise, die die Verbände am Montag in Berlin präsentierten. „Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung eine Verdopplung der Fahrgastzahlen vorgenommen. Wenn wir das erreichen wollen, müssen wir den Rückzug der Schiene aus der Fläche stoppen und ihn an geeigneten Stellen rückgängig machen“, sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann.

„Die bereits erfolgreichen Reaktivierungen machen zwar Mut, aber der Handlungsbedarf bleibt gewaltig. Die gute Nachricht: das Potenzial für weitere Reaktivierungen ist groß“, erklärte Wortmann. Auf einer entsprechenden Deutschland-Karte wird deutlich, dass nahezu überall in der Republik Reaktivierungspotenzial im Schienennetz vorhanden ist. Reaktivierungen sind laut Wortmann ein besonders einfaches Instrument, um die Nachfrage nach mehr Schienenverkehr schnell zu erfüllen.

Dass nun auch wieder die Strecke nach Iserlohn auf einer Vorschlagsliste steht, kommt überraschend. Bislang war nur der Verbindung von Hemer nach Menden eine mögliche Zukunft bescheinigt worden. Im Nahverkehrsplan 2011 war festgelegt worden, dass die Reaktivierung der Strecke Menden - Hemer näher untersucht werden sollte. In dem Gutachten war ein Kosten-Nutzen-Faktor von 1,01 ermittelt worden. Damit hat das Projekt einen volkswirtschaftlichen Nutzen, der die dafür anfallenden Kosten jedoch nur geringfügig übersteigt. Die Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass eine Reaktivierung langfristig sinnvoll sein könnte, wenn sich die Rahmenbedingungen positiv entwickeln sollten und empfahl deshalb, die Trasse für einen möglichen zukünftigen Eisenbahnverkehr zu sichern. Dies ist durch den Radweg bereits erfolgt.

Strecke nach Menden für den ÖPNV-Plan angemeldet

Der Märkische Kreis und der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) haben die knapp sechs Kilometer lange Strecke Ende 2015 für den ÖPNV-Plan des Landes angemeldet. Der Plan, der alle größeren Projekte im ÖPNV bis 2030 umfasst, sollte längst beschlossen sein. Das Land hatte sich allerdings 2017 vom beauftragten Büro getrennt. Jetzt heißt es, dass nicht vor 2020 mit einem neuen Plan zu rechnen sei. Erst dann sollen konkretere Planungen erfolgen. Die Inbetriebnahme der Strecke Hemer-Menden wird weiter für den Start des Sauerlandnetzes im Jahr 2028 angepeilt.

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