Konzert

Schönstes Geschenk, auf der Bühne zu stehen

Alex Diehl war nach zweieinhalb Jahren am Samstag zurück in Hemer.

Alex Diehl war nach zweieinhalb Jahren am Samstag zurück in Hemer.

Foto: Carmen Ahlers

Hemer.  Ein war ein Konzert ganz nach dem Geschmack der Hemeraner: Alex Diehl riss das Publikum im Alten Casino mit und offenbarte viel von seiner Seele.

Nach außen wirkt Alex Diehl erstmal wie der Fels in der Brandung, ein starker Mann mit einer noch stärkeren Stimme. Dass dieser Sänger eine verletzliche Seite hat, ist auch bekannt. Voller Emotionen ist auch sein Auftritt am Samstag im Alten Casino. 300 Fans wollen den Sänger, der auf Grund gesundheitlicher Probleme eine lange Zwangspause einlegen musste, hören und dabei sein, wenn er sein Comeback bei der „Zurück auf die Bretter meiner Welt“-Tour feiert. Eines vorweg: Alex Diehl gibt so viel von seiner ganz persönlichen Geschichte preis, dass es den oder anderen zu Tränen rührt. Weiter ist es aber auch seine Stimme, die viele Gänsehaut- und auch Glücksmomente beschert.

Italienische Leidenschaftund Ruhrpott-Direktkeit

Fangen wir vorne an: FASO übernimmt den ersten Part des Konzertes. Wer ist das, fragen sich viele, lassen sich aber schnell auf den Sänger mit den italienischen Wurzeln ein. Und das macht richtig Spaß. Der Sänger vereint italienische Leidenschaft mit der unverblümten Direktheit eines echten Ruhrpottlers. FASO singt unter anderem „So einfach“. Freiheit, Gefühle und das recht zu lieben, wen man will – der Künstler bringt es musikalisch auf den Punkt und präsentiert in Hemer auch seine neue Single „Sizilia“. Die Hemeraner feiern ihn, der Sänger dankt es und macht direkt Geschmack auf den Hauptact. „Bis heute kannte ich Alex nicht persönlich, aber ich verstehe jetzt, dass ihr hier seid“.

Alex Diehl ist zurück, feiert diesen Augenblick mit seinen Fans, die er aber gar nicht so nennen möchte. „Ihr seid Menschen, die meine Musik gut finden“, sagt er, schaut zu Beginn seines Auftritts auf seine Pulsuhr. Die zeigt, was in ihm los ist. „165. Ich habe Angst vor euch und vor der Bühne. Aber es ist das schönste Geschenk, heute hier stehen zu dürfen“, sagt der Musiker. Aus dem Schatten gehe es für ihn wieder ins Licht, auf die Bühne. „Hier bin ich zuhaus’, und ihr seid hier, weil ihr an mich glaubt“, sagt der Singer & Songwriter, überwältigt von dem Zuspruch aus dem Publikum. Nach dem ersten Song ist die Aufregung nur wesentlich geringer. Die Pulsuhr sagt 158, aber Alex Diehl wirkt glücklich, zeigt eindrucksvoll mit seiner Stimme, dass er zurück ist. Er ignoriert seinen Puls und beschenkt die Zuhörer reichlich: Mit Emotionen, mit seiner Stimme, die mal gewaltig und mal ganz zart daherkommt und mit Passagen aus seinem Leben, in denen er erklärt, warum er so ist, wie er ist und warum er seinen Weg ganz konsequent weitergeht.

Ehrliche Musik liegt dem 31-Jährigem am Herzen, er lässt sich nicht in eine Schublade stecken und zieht sein Ding durch. Hat auf sein Herz gehört, sich nach der Phase voller Schmerzen und der Ungewissheit, ob er je wieder singen kann, gegen die Meinung anderer durchgesetzt und sich wieder auf seine Bühne gestellt. „Ihr seid meine Therapeuten“, so Diehl zum Publikum. Unerklärliche Schmerzen beim Singen und sogar beim Sprechen haben den Chiemgauer außer Gefecht gesetzt, über 100 Arzttermine hat er hinter sich, die bis heute keine Diagnose gebracht haben. „Dann sitzt du da und heulst, weil du Angst hast, dass du es nicht wieder auf die Bühne schaffst und die Menschen dich vergessen“.

Das haben sie aber nicht. Vor zweieinhalb Jahren haben 200 Gäste das Konzert von Alex Diehl gehört, am Samstag sind es 300.

Persönliche Erfahrungenfinden sich in Liedern wieder

Überwiegend Frauen sitzen im Publikum. „Und wahrscheinlich haben die Männer ihre Tickets sogar von ihren Frauen geschenkt bekommen“, lacht der Sänger. Seine Lieder sind so persönlich, wie es mehr nicht geht. Erinnerungen an seine Jugendliebe werden ebenso thematisiert wie die Scheidung seiner Eltern oder auch der Tod eines guten Freundes. Seine Texte regen zum Nachdenken an, ohne dabei schwermütig zu werden.

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