Gericht

„Sehr ausgeprägte Triebhaftigkeit“

Foto: Volker Hartmann / dpa

Hemer/Hagen.  Der Prozess gegen einen Hemeraner wird fortgesetzt. Der Gutachter empfiehlt eine geschlossene Psychiatrie.

Im Strafverfahren gegen einen 43-jährigen mutmaßlichen Exhibitionisten aus Hemer hat der psychiatrische Gutachter eine erneute Unterbringung des Angeklagten in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik empfohlen. Es bestehe ein hohes Risiko, dass der 43-Jährige nach einer möglichen Freilassung in seine eingeschliffenen Verhaltensweisen zurückkehre, erklärte der Sachverständige.

Das Grundproblem des 43-Jährigen sei nicht der Drogenmissbrauch, sondern die Art und Intensität seiner abweichenden sexuellen Orientierung. In seinen Straftaten zeige sich eine „sehr ausgeprägte Triebhaftigkeit“, deren Ursache nicht im Drogenmissbrauch liege. Dieser könne die Handlungen aber zusätzlich anheizen. Die Behandlungsmöglichkeiten seien scheinbar begrenzt: Acht Jahre habe der Angeklagte in forensischen Kliniken verbracht. Das damit verbundene „intensive Behandlungsprogramm“ habe am Grundproblem nichts geändert. Eine schwere psychotische Störung des Angeklagten schloss der Sachverständige aus – ebenso wie eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung. Er könne zwar nicht ausschließen, dass die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des 43-Jährigen vermindert gewesen sei. Seine zielgerichteten Kletterpartien auf Balkone und Terrassen sowie das damit verbundene Verrücken von Gartenmöbeln sprächen aber dagegen, dass seine Steuerungsfähigkeit zu den Tatzeitpunkten aufgehoben war.

Auflagen missachtet undTatorte aktiv ausgesucht

Erschwert wurde die Begutachtung dadurch, dass sich der 43-Jährige in dem Gespräch mit dem Gutachter nicht zu seinen sexuellen Fantasien und Interessen geäußert hatte. Stattdessen hatte er Alkohol- und Drogenkonsum sowie die mit seiner vorübergehenden Freilassung verbundenen Auflagen als Ursachen für seine Entgleisungen benannt. Der Gutachter attestierte ihm daraufhin eine „begrenzte Schuldübernahme“ und eine gewisse „Renitenz“.

Der Angeklagte sei ein Hangtäter, der nach seiner Entlassung Auflagen missachtet und Tatorte aktiv aufgesucht habe. „Es besteht der Verdacht, dass er eine ganze Weile auf der Pirsch war“, erinnerte der Sachverständige an monatelange Observationen durch die Polizei. Die Beamten hatten die intensiven nächtlichen Aktivitäten des 43-Jährigen dokumentiert, ohne ihn bei konkreten Taten zu erwischen.

Die Verlesung aus dem Bundeszentralregister der Straftaten verdeutlichte die Feststellung des Gutachters über einen eingeschliffenen Hang des Angeklagten: Schon 1995 wurde er erstmals wegen Exhibitionismus verurteilt. Es folgten Urteile wegen sexueller Nötigungen sowie wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und widerstandsunfähigen Personen. Auf mehrere Inhaftierungen folgte die Einweisung in eine forensische Klinik. Das Gerichtsurteil wird am 22. Juli erwartet.

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