Stolperstein

Tränen der Erinnerung für Arthur Gottschalk, ermordet im Juni 1943

Foto: IKZ

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Hemer. „Hier wohnte Arthur Gottschalk, geboren 1882”,erzählt die Inschrift auf dem „Stolperstein” aus Messing vor dem Haus 119 an der Hauptstraße: „1943 deportiert nach Auschwitz, ermordet im Juni 1943”.

Der Künstler Gunter Demnig hat weit über 14 000 „Stolpersteine” verlegt, die vor Hauseingängen an ermordete jüdische Bewohner erinnern. In Hemer war's gestern der erste Stolperstein, in Auftrag gegeben von Gottschalks Tochter Shoshana Avimeir, die dafür mit ihrer Tochter Raya und zwei Enkelinnen Michal (29) und Patt Maya (26) aus Israel gekommen ist. Vor dem Haus 119 am alten Amt hatten sich Menschen versammelt: Angehörige und Freunde aus Basel und Hamburg, Vizebürgermeisterin Renate Saemann, Baudezernent Peter Friedrich und einige Bürger, die zutiefst bewegt werden sollten von der nun folgenden Gedenkfeier der Nachgeborenen.

Wie wichtig es ihr sei, an dieser Stelle mit Erinnerungen zu stehen, ergriff Frau Avimeir das Wort zur Klage und Anklage. Die Familie Gottschalk sei hier seit Anfang des 18. Jahrhunderts ansässig gewesen, ihr Vater sei hier verwurzelt gewesen, ein deutscher Patriot, vier Jahre Frontsoldat (im Ersten Weltkrieg), ein Jahr Kriegsgefangenschaft. Und was meinten Deutsche, sie hätten von der Judenverfolgung nichts gewusst? Von Vernichtungslagern nichts gewusst zu haben, dass könne sie, Shoshama, ihnen glauben. Aber die Verfolgung der Juden habe 1933 begonnen mit dem Ausschluss aus dem SGV und aus dem Verband der Frontsoldaten und mit dem Verbot, an öffentlichen Veranstaltungen nicht mehr teilnehmen zu dürfen und mit dem Hinweis auf Schildern - „Juden sind nicht erwünscht” - vor Hotels, Restaurants, Badeanstalten, mit der Verurteilung wegen Rassenschande, mit der Denunziation eines Nachbarn, endlich mit dem Abtransport in Vernichtungslager. Das alles habe Hitler ermöglicht, die Endlösung vorzubereiten, und alles das „haben die Leute in einer kleinen Stadt gesehen und nicht dagegen protestiert.” Gut, der Gedenkstein für die Ermordeten auf dem Jüdischen Friedhof: „Aber wie viele haben ihn gesehen?” Und wer habe das Buch „Juden in Hemer” gelesen? Die Familie ihres Sohnes in Israel sei in Gedanken bei ihnen in Hemer, und ihr jüngster Enkel werde im April in Auschwitz sein, um am „Marsch des Lebens” teilzunehmen. Die jungen Frauen Patt Maya und Michal, erinnerten mit Gebeten, auf Hebräisch und Deutsch vorgetragen, an ihren Urgroßvater, der sich hier am alten Amt im Oktober 1932 als Kaufmann und Einzelhändler mit einem Mode- und Manufakturgeschäft selbständig gemacht hatte. Und ihre Mutter Raya wandte sich „An meinen Großvater, den ich nie kennen lernte.”

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