Tränenreicher Abschied von der Westiger Thomaskirche

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Hemer. Die Tränen flossen am Sonntag in Strömen, denn die Thomaskirche ist für viele Westiger eine Heimat geworden. Der Entwidmungsgottesdienst ging unter die Haut, und vor allem den Älteren fällt es schwer, auf den Kirchgang direkt in Westig verzichten

Nach dem Verkauf der Thomaskirche durch die evangelische Kirchengemeinde heißt es nun, zusammenzurücken. Und genau das wurde am Sonntag mehr als deutlich gemacht. Gemeinsam mit den evangelischen Christen Sundwigs wurde der Entwidmungsgottesdienst gefeiert, und nach dem Auszug aus der Westiger Kirche ging es gemeinsam nach Sundwig, um den Gottesdienst dort mit dem Abendmahl zu beenden.

"Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will Euch erquicken" - so lautete der Wochenspruch aus Matthäus 11, Vers 28. "Die Tageslosung passt zum heutigen Tag", so Pfarrer Wilhelm Gröne. Die evangelischen Pfarrer Hemers, Westigs katholischer Pfarrer Mieszala und auch der stellvertretende Superintendent Peter Stuberg aus Oestrich gestalteten den Gottesdienst gemeinsam und versuchten, der Gemeinde eines mit auf den Weg zu geben: Gott geht auch beim neuen Weg mit.

Viele waren den Weg zum Entwidmungsgottesdienst erst gar nicht angetreten, weil sie sich nicht auf diese Weise von der Thomaskirche verabschieden wollten. Weil es zu sehr an Herz ging und zu weh tat. "Jesus ist nicht automatisch da, wo eine Kirche ist, aber Kirche ist da, wo Jesus Christus ist", so Peter Stuberg, und "Kann es nicht auch schön sein, gemeinsam in Sundwig und Westig einen Gottesdienst zu feiern?" Der stellvertretende Superintendent betonte aber auch, dass er wisse, dass den Westigern und auch den Sundwigern viel abverlangt werde und er hoffe, dass die Glaubensgeschwister schnell zusammenfinden würden.

Pfarrer Mieszala aus der benachtbaren St-Petrus-Canisium-Gemeinde betonte, dass er als Katholik gerne in die Thomaskirche gekommen sei und die ökumenischen Gottesdienste und Feste wunderbar gewesen seien. "Ich wünsche mir, dass die Ökumene weiter entwickelt wird", sagte Mieszala.

Der gesamte Gottesdienst ging unter die Haut, aber der Auszug mitsamt der Taufschalen, der Taufkanne, den Abendmahlkelchen, der Patene, der Bibel, der Osterkerze und dem Altarkreuz war äußerst emotional. Viele Gottesdienstbesucher konnten ihre Tränen nicht mehr aufhalten, zu sehr waren sie in den vergangenen Jahrzehnten mit der Thomaskirche zusammengewachsen. "Aber es ist gelungen, das Gebäude an Menschen abzugeben, die es würdig weiternutzen. Es bleibt eine Kirche für andere Geschwister", hatte Pfarrer Stuberg versucht, die Gemeinde zu trösten. Aber für die Menschen, die in den Steinen der Thomaskirche ein Stück ihrer Lebensgeschichte abgelegt haben, gab es am Sonntag keinen Trost. Sie müssen in die neue Situation erst hineinwachsen. Das braucht Zeit.

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