Bahnstrecke Hemer - Menden

Traurige Gesichter bei der letzten Bahnfahrt

Foto: IKZ

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Hemer. Nach 127 Jahren ist Hemers Eisenbahngeschichte abgeschlossen. Zum letzten Mal war ein Zug am Dienstag auf der Bahnstrecke Hemer - Menden unterwegs. Es war ein sehr bewegener Abschied von der Bahn. Hunderte waren auf den Beinen, um Fotos zu machen und Adieu zu sagen.

Wer denkt, dass die Eisenbahnliebhaber nur aus Hemer und Menden kamen, irrte gewaltig. Aus dem Ruhrgebiet reisten Bahnfreunde an, und auch der grüne Landtagsabgeordnete Horst Becker kam aus Düsseldorf nach Menden, um dort zuzusteigen. „Das hier ist eine Fehlentwicklung. Es wäre richtig, Geld in die Hand zu nehmen für die Bahn”, sagte er. In Menden wurde der Uerdinger Schienenbus aus den 50er Jahren mit großen Sonnenblumen geschmückt, während die Fahrgäste im ausverkauften Zug schon mächtig schwitzten. Klimaanlage Fehlanzeige, Frischluft Mangelware. Aber das war für Familie Kruse aus Deilinghofen kein Grund, auf die letzte Bahnreise zu verzichten. „Das ist schon sehr traurig. Schade, dass der Betrieb eingestellt wird. Man hätte mit der Schließung der Strecke wenigstens warten können, bis die Landesgartenschau vorbei ist”, sagte Thomas Kruse (33).

Traurige Stimmung bei Fahrgästen

Hans Hartmann (80) ist seit 20 Jahren Mitglied bei den Eisenbahnfreunden Hönnetal. Er war mit Ehefrau Anita und Urenkelkind Lenny zur letzten Bahnfahrt aufgebrochen. „Das hätte man sich genauer überlegen müssen. Ich bin sehr traurig”, so der Hemeraner. Klaus Reinhard bedauerte im Gespräch mit der Heimatzeitung, dass man in Hemer keine weitere Verwendung für die Bahn hatte. „Ich denke, die Bahn könnte man noch mal brauchen!”

Zahlreiche Stopps auf letzer Fahrt

Auf der sieben Kilometer langen Strecke wurden die Bahnfreunde zwischendurch von ihren Gefühlen überwältigt. Hupende Autofahrer und winkende Fußgänger entlang des Weges zeigten, dass viele den Abbau der Strecke bedauern. Auf Wiesen und Feldern, an den Bahnübergängen und anderen markanten Punkten hatten Fotografen ihre Stative aufgebaut, um die besten Bilder in den Kasten zu bekommen und in Hemer wurde der Zug sehnsüchtig empfangen. Zuvor hatten in die Trasse hereinragende Äste ein Fenster zerstört. Alle freuten sich über ein bisschen mehr frische Luft, doch aus Sicherheitsgründen wurden jetzt alle Fensterluken geschlossen.

Lokführer betrübt

Durch die vielen Stopps auf der Strecke erreichte der Schienenbus statt um 18.45 Uhr erst eine Stunde später die Felsenmeerstadt. Langsam tuckerte der Zug zum letzen Mal über die Ostenschlahstraße, bestaunt von unzähligen Schaulustigen. Lokführer Guido Kaiser aus Neuenrade war sichtlich betrübt: „Es ist ein trauriges Gefühl. Ich bin in den vergangenen Jahren oft mit Reisesonderzügen diese Strecke gefahren”, sagte der Lokführer. Der letzte befahrbare Meter Schiene wurde am Dienstag ausgenutzt, und zurück zum Bahnhof wurde der Zug geteilt. Auf zwei Gleisen rollten die Wagen dann ein, wieder ein begehrtes Motiv für die Eisenbahn-Fotografen, die sich die besten Plätze erkämpften.

"Trauer um eine verpasste Chance"

Offiziell wurde es in der Ansprache von Johannes Schmoll, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Hönnetal. „Wenn wir heute um die Strecke Menden - Hemer trauern, dann bestimmt nicht um diese Strecke, wie sie jetzt aussieht. Eine rumpelige Bimmelbahn ist auch nicht im Interesse der Eisenbahnfreunde. Wir trauern um die verpasste Chance, für die Menschen in dieser Region eine umweltfreundliche und echte Alternative zum Auto zu schaffen”, sagte Schmoll, und weiter: „Sie merken, wir reden gar nicht von der Landesgartenschau. Schienenverkehr wäre toll, aber was käme danach? Eine Perspektive für diese Strecke hätte schon vor 10 bis 15 Jahren entstehen müssen.”

Abschied in der alten Schaffner-Uniform

Peter Reinhard, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, war zum Abschied in seine alte Schaffner-Uniform geschlüpft und schaute auch nicht gerade glücklich aus. Niedergeschlagen wirkten er und die anderen Eisenbahnliebhaber, als das Hemer-Schild am Bahnhof abgeschraubt wurde. Das war's. Viele mögen es immer noch nicht glauben, dass die Schienen demontiert werden. Ein Radweg zwischen Hemer und Menden wird gebaut, die Fördergelder für den Radweg sind da. Jetzt wird alles recht schnell gehen, aber die Bahnstraße wird in Erinnerung bleiben.

Die schönsten Bilder vom Abschied von der Bahn gibt es in der Fotostrecke.

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