Welt-Hospiztag

Treffen in der Mitte des Netzwerkes

Der Hospiz- und Palliativtag brachte viele engagierte Bürger im JuK zusammen.

Der Hospiz- und Palliativtag brachte viele engagierte Bürger im JuK zusammen.

Foto: Reinhard Köster

Hemer.   Der Hospiz- und Palliativtag zeigte im JuK den vielfältigen Umgang mit den Lebensende auf.

Sterben und Tod, sind das Themen, über die man auch schmunzeln oder gar lachen kann? Beim Hospiz- und Palliativtag am Samstag wurde deutlich, dass der Umgang mit dem Ende des Lebens die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen auslösen kann – neben Trauer, Schrecken, Angst und Zorn auch Zuversicht, Mitgefühl und tatsächlich sogar Humor. Weit über hundert Frauen und Männer hatten sich im Jugend- und Kulturzentrum versammelt, für die das Sterben ein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens und ihres privaten oder beruflichen Alltags ist, in dem sie Menschen in der letzten Phase ihres Lebens zur Seite stehen und bemüht sind, die dann auftretenden körperlichen und seelischen Leiden zu lindern.

Seit drei Jahren gibt es im nördlichen Märkischen Kreis das „Netzwerk Hospiz“. Ihm gehören unter anderem ambulante Dienste wie die ehrenamtlichen Hospizvereine aus Hemer, Iserlohn, Menden und Balve an, aber auch das stationäre Hospiz Mutter Teresa in Letmathe, in das Schwerstkranke aus diesen Städten des Nordkreises aufgenommen werden können. Wie gut dieses Netzwerk inzwischen geknüpft ist, konnte am Rande der Veranstaltung beobachtet werden: Man kennt sich gegenseitig und begrüßt sich herzlich, man schätzt die jeweilige Arbeit des anderen. Und längst sind auch freundschaftliche Bande über die Stadtgrenzen hinaus gewachsen.

Informationen und vielBalsam für die Seele

Das JuK in Hemer als Schauplatz des ersten vom gesamten Netzwerk ausgerichteten Hospiz- und Palliativtag auszuwählen, hatte sicherlich in erster Linie mit dessen zentraler Lage zu tun, aber auch mit den Erfahrungen, die der Ambulante Hospizkreis Hemer in den zurückliegenden Jahren mit ähnlichen Veranstaltungen in eigener Regie bereits gesammelt hat. So erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Samstag ein fünfstündiges, reibungslos ablaufendes Programm mit vielen Informationen aber auch Musik, Gesang und Geschichten quasi als Balsam für die Seele.

Dr. Hans-Jörg Hilscher, Arzt aus Letmathe und seit 2003 neben der Arbeit in seiner Praxis betreuender Arzt des Hospizes Mutter Teresa, hat sich längst als Vorreiter der Palliativ-Medizin einen Namen gemacht. Hilscher schilderte in seinem Vortrag einerseits die medizinischen Möglichkeiten, wie durch eine geeignete Gabe von Medikamenten Sterbenden die körperlichen Leiden genommen werden können („alle Schmerzen können beseitigt werden“).

Allerdings betonte Hilscher auch die seelischen Qualen, denen Sterbende ausgesetzt sind, wenn sie Depressionen und Angstzustände überkommen. Hilscher: „Diese Ängste, in die man eingesperrt ist, sind dann schlimmer als der Tod selbst.“ Doch auch da könne die Palliativmedizin Hilfestellung geben bis hin zur terminalen Sedierung, die Entlassung in die Bewusstlosigkeit.

Während Hans-Jörg Hilscher aus seinem Zorn über immer noch mangelnde gesetzliche Rahmenbedingungen keinen Hehl machte, lobte er das System ambulanter Palliativ-Versorgung durch Konsiliardienste in Westfalen-Lippe. Was das angehe, sei dieser Teil Nordrhein-Westfalens der „weltweit beste Ort zum Sterben“.

Von der emotionalen Seite näherte sich der WDR-Radiomoderator und Buchautor Uwe Schulz dem Thema Sterben, der seine persönlichen Erfahrungen in der Begegnung mit Sterbenden und Menschen, die sich um diese kümmern schilderte, wie er es schon in seinem Buch „Nur noch eine Tür“ getan hat. Warmherzig und mit Humor erzählte er von den Sorgen und Wünschen am Ende des Lebens, mahnte aber auch, sich dem Glück in den vielen Jahren davor nicht zu verschließen.

Neben den beiden Vorträgen und dem Austausch von Erfahrungen waren es gleich je zweimal Karin und Gottfried Pielhau mit ihren Liedern, Magdalena Janotte mit Märchen für Kinder und Erwachsene und Ulf Heße mit seinem mitreißenden Trommelensemble, die dem Hospiztag am Samstag eine lockere und unterhaltsame Note gaben.

Der gute Besuch der Veranstaltung trotz des herrlichen Herbstwetters wurde von allen Verantwortlichen als Signal gewertet, dass der Hospiz- und Palliativtag auf Netzwerkebene kein Einzelfall bleiben soll.

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