Herbert Knebel

Trotz Zipperlein außer Rand und Band

Herbert Knebels Affentheater gastierte im Grohe-Forum

Herbert Knebels Affentheater gastierte im Grohe-Forum

Foto: Ralf Engel / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Hemer.  Herbert Knebels Affentheater singt und plaudert im Grohe-Forum über die Männer-Schnittmenge: Fußball, Saufen, Weiber.

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Ozzy ist vom „scharfen Geschoss zur Kanonenkugel“ geworden, Herbert steht kaum auf der Bühne und „ist schon wieder am Suppen“: „Alles ist steif“ singen beide zusammen mit dem Trainer und Ernst Pichl und beweisen tänzerisch getreu dem Originaltitel „Staying Alive“ das Gegenteil. 31 Jahre im Showgeschäft sind an den Vieren nicht spurlos vorübergegangen, doch Musik ist die beste Medizin gegen kollektiven Gedächtnisverlust und Zipperlein im Alter und bringt Herbert Knebels Affentheater „außer Rand und Band“. Unter diesem Titel erlebten über 800 Fans am Sonntag einen äußerst vergnüglichen Abend im Grohe-Forum.

Ende der 80er Jahre erschuf Uwe Lyko die Kunstfigur Herbert Knebel. Aus einer Laune heraus wagte er mit einem Mix aus Musik, Comedy, Theater und Klamauk ein bis dato neues Kabarett-Projekt. Seither ist das Publikum mit ihm älter geworden, nur Herbert sieht man das Alter nicht an, denn er ist seit 31 Jahren der Frührentner mit Hosenträger, dicker Hornbrille und Schiffermütze.

Kein Welthit ist vor derPersiflage sicher

Wenn Herbert Knebel gemeinsam mit Ozzy Ostermann an der Gitarre, dem Trainer am Schlagzeug und Ernst Pichl am Bass loslegt, dann ist kein Welthit vor der deutschen Persiflage sicher, wird wie an der Theke herrlich bekloppt gequatscht, diesmal vor allem übers Altern und die wichtigsten Schnittmenge unter Männern: Fußball, Saufen, Weiber.

Gegen Gedächtnisverlust hilft schließlich das Googeln: Wie oft war Belgien noch Fußballweltmeister? Zum Getränkemarkt lotst das Navi, ohne Zieleingabe allerdings bis ins benachbarte Holland. Wenn Herbert in seinen köstlichen Lebensbetrachtung seine Gattin Guste ins Spiel bringt, spitzen Fans schon die Ohren. Kann sie gegen Saugroboter Erwin bestehen, zumindest gibt der keine Widerworte. Die gewonnene Kreuzfahrt mit Guste auf der „SM Monika“ beginnt und endet im Hafen von Warnemünde. Das Schiff kann wegen eines Sturms nicht ablegen, seekrank werden beide dennoch.„Hau mich bloß ab mit die Frauen“, ist das Lebensmotto von Herbert. Auch beim Junggesellenabschied des 72-jährigen Kumpels, der für 20 Mann auf dem Tretboot strampelt, geht es eigentlich nur um die Frage: Ist die Ehe Sackgasse oder Irrtum?

Einen Angriff auf die Lachmuskeln startete Herbert mit seiner Pils- Tour, die eigentlich eine „Pilz-Tour inne Pampa“ war. „Beim Pilzsammeln musse fünfe Grade sein lassen“, kam als Tipp nicht so gut, denn das Pilzgulasch vom Campingkocher wirkte berauschender als Pils. „Wir sind im Wald, der Pilz, der knallt“, halluzinierte der Frührentner.

Das Quartett bewies Virtuosität an den Instrumenten und coverte von Pink Floyd über Roy Orbinson bis zu David Bowie mit deutschen Texten. Ein wenig Lokalkolorit brachte das Affentheater mit der deutschen Version von Mendocino ins Spiel: Meinerzhagen.

Umjubelte Zugabe als Tina Turner

Lange im Gedächtnis wird den Zuschauern die Zugabe bleiben. Herbert Knebel im goldenen Glitzerfummel als Tina Turner. In dem Plastik-Outfit schwitzend wird aus „Simply the Best“ ein „Ich stink wie die Pest“. Etwas Melancholie nach so viel „außer Rand und Band“ durfte zum Abschied nicht fehlen. Knebel im weißen Bademantel nach Udo Jürgens Vorbild sang Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“ und erntete stehenden Applaus.

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