Abriss

Über 400 Lastwagen allein für den Bauschutt

Mit einem offiziellen Startschuss haben die Abrissarbeiten für die Industriebrachen Adolf vom Braucke und Wilhelm vom Braucke im Ihmerter Tal begonnen.

Mit einem offiziellen Startschuss haben die Abrissarbeiten für die Industriebrachen Adolf vom Braucke und Wilhelm vom Braucke im Ihmerter Tal begonnen.

Foto: Ralf Engel

Ihmert.   Ein Jahr lang werden die Drahtwerke WvB und AvB abgerissen. ein Bodengutachten ist erst dann möglich.

Die Dimensionen sind gewaltig: 22.000 Tonnen Bauschutt machen allein über 400 Lastwagentransporte notwendig, hinzu kommt die Abfuhr und Entsorgung von Metall, Holz, Kunststoffen und Schadstoffen. Auf 3,2 Hektar, der Größe von etwa fünf Fußballfeldern, werden die einstigen Drahtriesen Wilhelm vom Braucke und Adolf vom Braucke im Ihmerter Tal jetzt dem Erdboden gleich gemacht. Bis zum Frühjahr 2020 verschwindet ein Stück Industriekultur, das 139 Jahre lang das Tal geprägt hat (wir berichteten) – zuletzt als gefährlicher Schandfleck.

Letzte Tage der Industriebrache Vom Braucke

Zum offiziellen Startschuss kamen am Donnerstag Vertreter aus der Stadtverwaltung, der Politik, des Kreises und des Verbandes für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) zusammen. Letzterer vereint das Land, Kommunen und die Wirtschaft für die Beseitigung von Industriebrachen und deren Altlasten. So werden auch 80 Prozent der rund drei Millionen Euro Rückbaukosten durch den AAV und 20 Prozent durch die Stadt getragen. Die Stadt hatte das Gelände 2007 erworben. „Es ist auch für uns ein bedeutendes Projekt“, sagt AAV-Geschäftsführer Dr. Roland Arnz.

„Es ist ein wichtiges Ereignis für die Stadt Hemer“, betont Bürgermeister Michael Heilmann, der beim Ortstermin auch an die erfolgreiche Drahtindustrie erinnerte. Mit Elan hätten Verwaltung und Politik für die Beseitigung des Schandflecks zusammengearbeitet. „Es ist kein Standardprojekt, das eine Stadt umsetzt, es bedurfte einer Menge fachlicher Kompetenz“, so der Erste Beigeordnete Christian Schweitzer. Der Rückbau musste monatelang geplant werden, im Rathaus federführend durch Sylvia Steiger und Beate Schmid. „Es geht um 110.000 Kubikmeter umbauten Raum und allein 22.000 Tonnen Bauschutt“, nennt Sylvia Steiger nur zwei Zahlen. Für die Abfuhr durch Hunderte Lastwagen ist aktuell keine Baustellenampel geplant.

Einsturzgefahr erschwert den Rückbau der Hallen

Besonders erschwert werden die Abrissarbeiten durch die Einsturzgefahr der meisten Gebäudeteile. So kann nur mit schwerem Gerät von außen gearbeitet werden. In den Gebäuden befindet sich jede Menge Müll und Schrott, der erst nach Abriss der Dächer und Wände entfernt werden kann.

Mit dem Abriss der Firma Wilhelm vom Braucke ist jetzt begonnen worden. Die Metallverkleidung vor dem Ziegelmauerwerk ist bereits entfernt worden. In den nächsten Tagen werden die ersten Mauern fallen. Die Baustoffe werden vor Ort separiert und dann abgefahren. Eine mobile Steinbrecheranlage wird es nicht geben.

Zunächst wird WvB abgeräumt, um die Freifläche dann für den Abriss des größeren Werkes AvB nutzen zu können. Wegen zu erwartender Schadstoffbelastungen unter anderem durch Asbest oder teerhaltige Stoffe gibt es besondere Sicherheitsvorkehrungen. Messbohrungen für die Kontrolle des Wasserspiegels sind erfolgt, denn der Ihmerter Bach verläuft unter den Firmen. Rund ein Jahr werden die Abrissarbeiten dauern. Doch damit sind die Reste der Drahtindustrie noch lange nicht verschwunden.

Erst wenn die Flächen frei sind, können Untersuchungen des Untergrunds erfolgen. „Was danach kommt, hängt sehr stark davon ab, was wir finden“, sagt AAV-Geschäftsführer Dr. Roland Arnz. Bodenbelastungen durch Galvaniken oder Verzinkereien gehören zur Drahtindustrie. Für die Werke im Ihmerter Tal sind zudem gewaltige Auffüllungen bekannt. Mit weiteren Kosten ist daher zu rechnen.

Regenrückhaltebecken und Gemeinbedarfsfläche geplant

Wenn dann auch der Boden entsiegelt und nicht mehr belastet ist, plant die Stadt auf der Fläche von AvB ein Regenrückhaltebecken zu bauen. Einen See oder eine Betonwanne sollten sich Bürger nicht vorstellen. Es werde vielmehr eine Grünfläche mit Damm für bis zu 20.000 Kubikmeter Wasser. Die WvB-Fläche ist für den Gemeinbedarf vorgesehen. Eine Option war der Bau eines neuen Feuerwehr-Gerätehauses. Konkretisiert worden ist dies noch nicht. „Erst nach den Bodenuntersuchungen können wir wirklich über die Folgenutzung sprechen“, betont Christian Schweitzer.

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