Politik

Umfrage-Tief bestimmt SPD-Jahresempfang

Carina Gödecke, Vizepräsidentin des Landtags NRW, hat die Hemeraner Sozialdemokraten dazu aufgerufen, auf der „Höhe der Zeit“ zu bleiben. In Hintergrund stand der SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Peter Klein.

Carina Gödecke, Vizepräsidentin des Landtags NRW, hat die Hemeraner Sozialdemokraten dazu aufgerufen, auf der „Höhe der Zeit“ zu bleiben. In Hintergrund stand der SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Peter Klein.

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Hemer.   Ehrengast beim Jahresempfang im Mettgenpin ist Carina Gödecke, Vizepräsidentin des Landtags NRW, gewesen.

Die Sozialdemokraten haben im Moment mit historisch niedrigen Umfragen- und Wahlergebnissen zu kämpfen. In der vergangenen Europawahl holten die Genossen in Hemer nur knapp 19 Prozent der Stimmen, während sie 2014 bei rund 31 Prozentpunkten standen. Auch der Jahresempfang des SPD-Ortsvereins Hemer am Samstag in der Gaststätte Mettgenpin drehte sich vor allem um eine Frage: Wie soll es jetzt weitergehen?

„Jammern hilft nicht. Wir dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken“, wendete sich die Carina Gödecke, Vizepräsidentin des Landtags NRW und Ehrengast der Veranstaltung, an das Publikum im Mettgenpin. In ihrer Rede verwies sie auch auf das vergangene Jahr, in dem – im Vergleich – noch alles in Ordnung schien. „Niemand hätte ahnen können, dass Klimaschutz und Klimawandel die wahlentscheidenden Themen sind“, erzählte sie. Auch dass die Partei nun über eine Doppelspitze im Vorsitz der Bundes-SPD nachdenke, habe die Landtagsabgeordnete im vergangenen Jahr nicht für möglich gehalten.

Gerade zu Zeiten dieses Wahltiefs sei es wichtig, die Worte des vierten Bundeskanzlers der BRD, Willy Brandt, im Auge zu behalten: „Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum — besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“ Und aus diesem Grund müsse die SPD neue Zielgruppen ansprechen. „Wir brauchen in den Ortsvereinen Menschen jeden Alters. Nur so können wir auf der Höhe der Zeit sein“, sagte die Landtagsabgeordnete.

Bewirken könne man dies, in dem man sich an der Lebenswelt der jüngeren Generation orientiere. „Das betrifft zum Beispiel Themen wie Klimaschutz und Internet-Sicherheit“, so Carina Gödecke. Auch müsse man Form und Inhalte der Partei anpassen. „Sowohl die ältere als auch die jüngere Generation muss natürlich mit Respekt und Toleranz aufeinander zugehen. Ich finde aber, dass wie Älteren in Vorleistung gehen sollten“, sagte die 60-Jährige.

Auch Inge Blask, Landtagsabgeordnete und Hemeraner Ratsfrau, räumte ein, dass es im Ortsverein an Kontaktmöglichkeiten für jüngere Menschen fehle. „Da müssen wir uns noch etwas überlegen“, sagte Inge Blask. Sie selbst würde gerne der jüngeren Generation den Einstieg in die Politik erleichtern. „Ich rufe vor allem junge Frauen auf, aktiv zu werden und sich einzubringen“, erklärte sie. Mit 23 Jahren sei die heute 59-Jährige in die politische Arbeit eingestiegen und habe dies nicht bereut. „Kommunalpolitik ist spannend und macht Spaß“, sagte sie.

Bisher sei die Altersstruktur im Ortsverein – so schätzt es Hans-Peter Klein, Vorsitzender der SPD-Fraktion, ein – eher in den Altersgruppen zwischen 50 und 60 einzuordnen. Er hält einen Imagewechsel der Partei für notwendig, um das Umfrage-Tief zu überwinden. „Die SPD ist ja vielen in NRW immer noch als Kohlekumpel-Partei bekannt. Dabei hat sich die Situation der Arbeitnehmer grundlegend verändert“, erklärte er.

Ortsvereins-Vorsitzender Thomas Fischer sieht fehlende Trennschärfe zu anderen Parteien als Problem der SPD an. Vor allem im Rat seien Entscheidungen meist nur mit Unterstützung der anderen Fraktionen wie der CDU und/oder der FDP möglich. „Wir müssen unser Profil schärfen. Die Frage ist nur: wie?“, sagte der Ortsvereins-Vorsitzende.

27-Jähriger ist einer der jüngsten beim Jahresempfang

Einer der jüngeren Gesichter in der Runde war am Samstag der 27-jährige Tobias Klein. Er wurde 2010 Mitglied der SPD, arbeitet als Jurist in Osnabrück und wohnt in Oldenburg. Kennengelernt hat er die Partei durch seinen Vater, den Fraktionsvorsitzenden Hans-Peter Klein. Auch er hat einen Vorschlag, wie der Ortsverein einen besseren Kontakt zur jüngeren Generation aufbauen kann: „Die Partei sollte in Schulen und in Jugendzentren mehr Präsenz zeigen und die Jugend mehr miteinbeziehen.“

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