Klinik-Insolvenz

Verkauf einzelner Kliniken ist nicht das Ziel der Sanierung

Die Paracelsus-Klinik in Hemer.

Die Paracelsus-Klinik in Hemer.

Foto: Michael May

Hemer/Osnabrück.  Große Verunsicherung herrscht nach der beantragten Insolvenz in Eigenverantwortung auch an der Breddestraße. Die Sanierungsleitung der Paracelsus-Kliniken will bis März eine Strategie vorlegen.

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Viele Patienten sind verunsichert, und auch die Sorgen der Mitarbeiter sind nach der weihnachtlichen Insolvenz-Nachricht in der Hemeraner Paracelsus-Klinik groß. „Wir hoffen, dass die Klinik bestehen bleibt und damit auch unsere Arbeitsplätze“, beschreibt eine Mitarbeiterin die Unruhe in der Belegschaft. Beruhigen soll die Botschaft der neuen Geschäftsführung: „Es stehen keine Schließungen von Krankenhäusern an“, sagte Reinhard Wichels, der den bevorstehenden Umbau der Paracelsus-Kliniken leitet.

Klinikbetrieb läuft anallen Standorten weiter

Der Klinikkonzern teilt mit: „Patienten und Patientinnen, die bereits feste Untersuchungs- oder Arzttermine in den Kliniken haben, brauchen sich keine Sorgen zu machen. Alle Termine finden statt. Gleiches gilt für geplante stationäre Aufenthalte in den Kliniken. Der Klinikbetrieb läuft an allen Standorten und in allen Abteilungen unverändert weiter. Die medizinische, therapeutische und pflegerische Versorgung ist uneingeschränkt gesichert.“

Die neue Führungsmannschaft der insolventen Paracelsus-Kliniken will die Krankenhäuser des Konzerns trotz finanzieller Probleme in Betrieb halten. Ob trotzdem einzelne Ärzte und Pflegekräfte ihre Jobs verlieren, konnte Wichels im Gespräch noch nicht sagen. Bis spätestens Anfang März soll eine Strategie für den Umbau des Klinik-Konzerns mit Sitz in Osnabrück stehen.

Paracelsus hatte kurz vor Weihnachten Insolvenz angemeldet. Im Konzern arbeiten 5200 Menschen, rund 300 davon an der Breddestraße in Hemer. Paracelsus hat rund 40 medizinische Einrichtungen, vor allem Krankenhäuser und Reha-Kliniken, an mehr als 20 deutschen Standorten, viele davon in Niedersachsen.

Der Verkauf einzelner Krankenhäuser ist laut Wichels nicht unbedingt ein Ziel der Sanierung: „Das Unternehmen hat das Potenzial, im Ganzen zusammen zu bleiben, und das wäre erst einmal im Interesse aller Beteiligten.“ Einzig bei der Paracelsus-Klinik in Karlsruhe sei klar, dass der Konzern den Standort nicht selbst weiter betreiben könne. Paracelsus will verkaufen: „Aktuell sondieren mögliche Käufer die Situation“, sagte Wichels. In der Klinik hatte es unter anderem 2015 einen Skandal um verunreinigtes OP-Besteck gegeben.

Die Verluste des Konzerns entstehen in der Krankenhaussparte - in den Reha-Kliniken läuft es besser. Dennoch fährt Paracelsus nach Unternehmensangaben in diesem Jahr einen zweistelligen Millionenverlust ein.

Wichels machte den Beschäftigten Hoffnung: „Es wird entscheidend sein, dass die hoch qualifizierten und motivierten Mitarbeiter bei Paracelsus an Bord bleiben“, sagte er. „Einige Abteilungen werden voraussichtlich mit weniger Personal auskommen. Aber all diese Leute sind hoch qualifiziert.“ Die Nachfrage sei hoch.

Gewerkschaft gegenweiteren Personalabbau

Die Gewerkschaft Verdi wehrt sich gegen mögliche Stellenstreichungen: „Die Personaldecke ist, wie in anderen Kliniken auch, sehr dünn“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler der dpa. „Um die Patientenversorgung nicht ernsthaft zu gefährden, darf es keinen Personalabbau geben.“ Es sei noch kein Sanierungskonzept mit der Gewerkschaft besprochen, „aber eins muss klar sein, betriebsbedingte Kündigungen müssen ausgeschlossen sein“, machte Bühler klar.

Wichels stellte fest: „Es hat auch Managementfehler gegeben.“ Einige Krankenhäuser hätten zu viele, zu kleine Fachabteilungen. „Alle Spezialisierung hilft nichts, wenn einzelne Fachabteilungen nur noch 500 Patienten oder weniger im Jahr behandeln.“ Daran wolle Paracelsus jetzt arbeiten; einige Krankenhäuser werden sich künftig wohl nicht mehr ganz so breit aufstellen. „Von einem bestimmten Teil des Leistungsspektrums wird man voraussichtlich Abschied nehmen müssen.“

Der als vorläufiger Sachwalter eingesetzte Rechtsanwalt Rainer Eckert skizzierte den Zeitplan: „Das Insolvenzverfahren soll Ende Februar oder Anfang März eröffnet werden. Dann wissen wir, wo die Reise hingeht.“

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