Gesundheit

Wichtiges Medikament wird immer knapper

Gähnende Leere in den Regalen der Sonnen-Apotheke. Inhaber Dieter Gilsbach wartet auf rund 100 Packungen des Arzneimittels Valsartan.

Gähnende Leere in den Regalen der Sonnen-Apotheke. Inhaber Dieter Gilsbach wartet auf rund 100 Packungen des Arzneimittels Valsartan.

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Hemer.   Beim Blutdrucksenker Valsartan kommt es zu Engpässen. Das merken auch die Apotheker in der Felsenmeerstadt.

Für das Arzneimittel Valsartan gibt es landesweit Engpässe. Auch in der Felsenmeerstadt können viele heimische Apotheken den Blutdrucksenker nur noch in kleineren Päckchen oder gar nicht mehr anbieten. Oft bleibt Patienten nur eine Möglichkeit: In Absprache mit ihrem Arzt müssen sie auf ein anderes Mittel umsteigen.

Nicole Maßling, Apothekerin in der Storchen-Apotheke, kann die Lieferengpässe zum Mittel bestätigen. „Der Wirkstoff kommt nur kleckerweise bei den Apotheken an“, sagt sie. Teilweise habe sie schon bei anderen Apotheken nachfragen müssen, teilweise hat sie ihren Kunden aber auch empfohlen, in Absprache mit einem Arzt auf den Wirkstoff Candesartan umzustellen. Täglich komme durchschnittlich ein Patient vorbei, um sich mit Valsartan zu versorgen. Der Gebrauch des Mittels sei aber seltener geworden – seit dem Skandal im Jahr 2018.

Ein Unternehmen beliefert fast den gesamten Markt

Damals gab es europaweit Rückrufaktionen, da der chinesische Hersteller Zhejiang Huahai Pharmaceutical einen möglicherweise krebserregenden Stoff in der Produktion verwendet hat. Seitdem beziehen Apotheker den Wirkstoff in der Regel von TAD-Pharma, ein Tochterunternehmen des slowenischen Pharmakonzerns Krka. Laut eigenen Angaben beliefert der Konzern den deutschen Valsartan-Markt mit 87 Prozent des heutigen Gesamtmarktvolumens.

Allerdings kann TAD-Pharma, das bestätigen mehrere Apotheker, den Bedarf der Patienten nicht decken. „Die Mengen reichen nicht aus“, sagt Nicole Maßling. Viele ihrer Patienten haben, so die Apothekerin, seit 2018 auf ein anderes Mittel als Valsartan gesetzt. „Früher haben das viel mehr Leute genommen. Im Großen und Ganzen pendelt es sich aber ein“, erklärt sie.

Auch Tina Möller, Apothekerin in der Avie-Apotheke, hat mit den Lieferengpässen zu kämpfen. „Da haben wir fast gar nichts mehr da“, sagt sie. Zur Überbrückung gebe sie Patienten manchmal kleinere Packungen. Aber auch laut ihrer Erfahrung haben viele Patienten oft nur die Möglichkeit, in Rücksprache mit einem Arzt die Medikamente umzustellen. „Viele Ärzte wissen schon über die Lieferengpässe Bescheid“, sagt sie.

Deutlich wird der Mangel in den Regalen der Sonnen-Apotheke. Rund 2,50 Regalmeter, die eigentlich mit Packungen mit dem Wirkstoff Valsartan befüllt sein sollten, liegen frei. Etwa 100 Päckchen, die die Apotheke auf Vorrat bestellt hat, sind nicht vorhanden. Für die Patienten bleiben weniger als zehn übrig. „Die Versorgungssicherheit ist nicht mehr gegeben“, sagt Dieter Gilsbach, Inhaber der Sonnen-Apotheke.

Auch bei Ibuprofen gebe es Lieferschwierigkeiten

Aber auch bei anderen Medikamenten habe er bemerkt, dass es immer wieder zu Lieferschwierigkeiten komme. „Selbst bei Mitteln wie Ibuprofen kommt das vor“, erzählt er. Bei den Epinephrin-Pen Fastjekt von Meda Pharma habe es nahezu einen Sommer lang keinen Nachschub gegeben. Menschen, die auf Wespenstiche allergisch reagieren, benötigen das Mittel, um einen allergischen Schock entgegenzuwirken. „Es ist wie in schlechten Zeiten“, sagt der Apotheker. Deswegen empfehle er auch Kunden, die auf den regelmäßigen Gebrauch von Medikamenten angewiesen sind, die Packung nicht ganz auslaufen zu lassen.

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