Wirtschaft

Windpark-Firma sucht nach Kleinst-Anlegern

Symbolbild: Um Windräder in Hemer aufstellen zu können, braucht es diverse Gutachten. Um diese zu finanzieren, will Baywa.re Investitionen von Kleinstanleger durch Crowdfunding nutzen.

Symbolbild: Um Windräder in Hemer aufstellen zu können, braucht es diverse Gutachten. Um diese zu finanzieren, will Baywa.re Investitionen von Kleinstanleger durch Crowdfunding nutzen.

Foto: Arne Dedert / dpa

Hemer.  BayWa r.e. will in Hemer sieben Windräder bauen. Die Gutachten will die Firma über Crowdfunding finanzieren.

Das Projekt der Firma BayWa r.e., einen Windpark in Hemer anzulegen, befindet sich noch nicht einmal in den Startlöchern. Trotzdem wendet sich das bayrische Unternehmen mit einer Crowdfunding-Kampagne an die Bevölkerung. Zwischen 50 und 5000 Euro könne man laut einer Pressemitteilung der Firma bezahlen. BayWa r.e. verspricht dabei eine Rendite über drei Jahre von 3,5 Prozent. Allerdings birgt das Verfahren auch Risiken.

So benutzt BayWa r.e. die Plattform www.bettervest.com – eine Internetseite, die sich auf das Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) von umweltverträglichen Projekten spezialisiert hat. Dort können Anleger das Projekt mit einem Betrag zwischen 50 und 5000 Euro unterstützen. So soll eine Gesamtsumme von 200.000 Euro zusammenkommen. Mit Zinsen von 3,5 Prozent im Jahr wird das Geld aber erst am Ende der Laufzeit von drei Jahren zurückgezahlt. Um teilnehmen zu können, muss man sich auf der Seite www.bettervest.com anmelden.

Bei Insolvenz verlieren die Anleger ihre Investition

Kommentare und Bewertungen aus verschiedenen Internetforen, unter anderem der Seite www.kritische-anleger.de, weisen darauf hin, dass die Finanzierung als Nachrangdarlehen bekannt ist. Das bedeutet, dass Anleger bei einer Insolvenz des Unternehmens erst nach allen anderen Schuldnern berücksichtigt werden – und meist am Ende mit leeren Händen dastehen. Sollte die Firma BayWa r.e., eine Tochter des Mischkonzerns BayWa AG, also pleite gehen, dürften die Beiträge der Crowdfunding-Kampagne auch für die Anleger verloren sein.

Das Unternehmen hält laut einem Sprecher eine Insolvenz in den kommenden Jahren allerdings nicht für wahrscheinlich. BayWa r.e. habe im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Zudem habe das Unternehmen mit der BayWa AG eine finanzstarke Mutter im Rücken. „Das Traditionsunternehmen wurde vor über 90 Jahren gegründet und erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von mehr als 16 Milliarden Euro“, heißt es in der Mitteilung der PR-Agentur. Nachrangdarlehen seien zudem „das typische Anlageprodukt für Investoren beim Crowdinvesting“. Das hänge damit zusammen, dass der Gesetzgeber enge Grenzen für das öffentliche Anbieten von Anlageprodukten für Privatanleger setze.

Mit dem Crowdfunding-Projekt wolle man vor allem die Bewohner aktiv an dem Projekt und somit am Windpark teilhaben lassen. Die in München ansässige Firma arbeite seit 25 Jahren am Ausbau von Windenergie. Insgesamt habe BayWa r.e. bis zum heutigen Tag 88 Windprojekte weltweit umgesetzt. Als einer der größten von der BayWa r.e. erbauten Windparks nennt die Agentur den Windpark Obernwohlde, nordwestlich von Lübeck.

Finanzieren will Baywa.re laut der Projektbeschreibung nicht den Windpark selbst, sondern die Projektentwicklung. Es gehe darum, „zwei Ertragsgutachten zu erstellen“, wie es in der Projektbeschreibung auf Bettervest heißt. Durchführen wolle die Firma eine „einjährigen Langzeitmessung von Windgeschwindigkeit, Windrichtung und Turbulenz“ im zukünftigen Standort, ebenso ein avifaunistisches Gutachten, also eine Untersuchung des Bestands der Vogel- und Fledermausarten in der Region.

Hinzu kommt eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung und ein landschaftspflegerischer Begleitplan. Das Unternehmen aus Bayern will weiterhin ein förmliches Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz durchführen, wobei eine Umweltverträglichkeitsprüfung sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit enthalten ist. Auch Prognosen zu Schall und Schatten im Rahmen des Immissionsschutzes sollen erstellt werden.

Sieben Windanlagen mit einer Gesamthöhe von 238 Metern

Die Projektrechte für den Windpark Hemer hat die Firma Baywa.re im Dezember 2015 übernommen . Dabei hat sich die Firma offenbar von Waldbesitzern Flächen für den Anlagenbau gesichert. Die größere der beiden Flächen befindet sich auf der Bergkuppe zwischen Heppingsen im Stephanopeler Tal und Garbeck, die zweite Fläche befindet sich im Balver Wald.

Sieben Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von maximal 238,5 Metern will die Firma aufstellen. Ein Genehmigungsantrag für den Windpark Hemer ist im Januar 2021 geplant. Beim Märkischen Kreis, der für die Genehmigung des Windparks in Hemer und Balve zuständig ist, sei bisher, so Pressesprecher Hendrik Klein, nichts offiziell eingegangen.

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