Feuerwehr

„Wir geben alles, sind aber auch nur Menschen“

Gedenkstunde am Wixberg.

Gedenkstunde am Wixberg.

Foto: Privat

Hemer.  Sie sind 24 Stunden am Stück im Einsatz,retten Leben und löschen Brände. Wie es ihnen nach den Einsätzen geht, erzählen drei Feuerwehrmänner.

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Bei der Feuerwehr bekommt das geflügelte Wort „Ich gehe für dich durchs Feuer“ eine andere Bedeutung. Denn die Feuerwehrmänner und -frauen machen das wenn es sein muss zu jeder Tages- und Nachtzeit – für jeden Bürger und nicht nur für ihre Liebsten. Sie verlassen morgens die eigenen vier Wände, um zur Wache zu fahren. Für die nächsten 24 Stunden. Und niemand weiß, was der Tag bringt. Nach außen hin wirken die Feuerwehrkräfte stark, aber sie erleben im Job auch viele emotionale Momente – glückliche, aber auch grausame und traurige. Schlimm ist es zudem, wenn sich ein Kamerad aus den eigenen Reihen bei einem Einsatz verletzt oder gar ums Leben kommt – wie ein Feuerwehrmann vor 50 Jahren auf dem Wixberg. Am Samstag gedachte die LG Hemer mit Pastor Wilhelm Gröne dem früheren Kameraden.

Verarbeitung der schlimmen Einsätze

Mit Brandoberinspektor Andreas Schulte (51), Oberbrandmeister Burkhard Brömmelmeier (55) und Hauptbrandmeister Sascha Fiefeck (36) haben sich drei Feuerwehrmänner für ein Gespräch mit unserer Zeitung zur Verfügung gestellt. Wie gehen Feuerwehrleute mit belastenden Erlebnissen um, wie werden belastende Einsätze verarbeitet? Burkhard Brömmelmeier ist seit 1989 Feuerwehrmann. Er hat einiges erlebt in den drei Jahrzehnten seiner Dienstzeit und weiß, dass die Einsatznachsorge früher anders gegeben war als heute, weil es heute zum Beispiel die Psychosoziale Unterstützung (PSU) gibt. Mitarbeiter aus den eigenen Reihen – Hauptamtliche und Freiwillige – werden speziell geschult und bei Bedarf gerufen. Das kann schon direkt beim Einsatz oder erst später auf der Wache sein. Zusammen wird das Geschehen aufgearbeitet und abgeschätzt, ob der betroffene Kollege zum Beispiel eine kleine Erholungszeit braucht.

Denkt Burkhard Brömmelmeier zurück, kommt ihm ein tragischer Unfall sofort ins Gedächtnis. „Ein Junge wurde von einem Lkw überfahren. Während mein Kollege und ich versucht haben, das Kind im RTW zu reanimieren, öffnete sich die Tür und die Mutter schaute mir direkt in die Augen. Wir haben alles getan, aber das Kind ist später verstorben“, so Brömmelmeier, „dieser Einsatz war sehr schlimm und ich habe ihn bestimmt ein halbes Jahr mit mir rumgetragen“.

„Wir geben alles, aber wir sind auch nur Menschen und manchmal ist der da oben auch der Sieger“, fügt Andreas Schulte hinzu und zeigt mit dem Finger nach oben.

Er selbst hat auch schon einiges erlebt, zusammen mit seiner Einheit Dienste gestemmt, wo er sich gewünscht hätte, nicht dabei gewesen zu sein. „Wir haben unter uns einen Kollegen, der hat an einem Tag sieben Tote gesehen“. Das gehe nicht spurlos an einem vorüber, so Schulte, die Wachabteilungsleitungen würden genau hinschauen, wie der Kollege das verarbeitet.

„Man muss da wirklich genau hinsehen und aufpassen, denn viele Feuerwehrleute kommen nicht von allein, wenn sie Hilfe brauchen“, weiß auch Sascha Fiefeck, der stellvertretende Leiter der Wachabteilung 2. Er selbst hat auch schon Kollegen aus dem Dienst genommen. „Ich ziehe das konsequent durch. Es gibt Situationen, da müssen die Mitarbeiter erst zur Ruhe kommen. Wenn ansonsten Fehler gemacht werden, das bringt nichts.“

„Der Beruf bei der Feuerwehr ist wie eine Wundertüte“, sagt Burkhard Brömmelmeier und seine beiden Kollegen nicken. Wird es ein ruhiger Tag oder wird es ein Tag mit besonders vielen Einsätzen, bei denen es darum geht, Brände zu löschen oder auch Menschenleben zu retten?

„Auch wenn wir manchmal denken, wir haben schon alles erlebt, es kommt immer noch etwas oben drauf“, sagt Andreas Schulte. Er erlebte einen seiner schlimmen Einsätze im Felsenmeer, wo ein Pfarrer aus dem Sauerland acht Meter die Tiefe gestürzt war, nachdem er den befestigten Weg verlassen hatte. „Zusammen mit dem Mann hing ich stundenlang nach einer ganz schwierigen Rettung an einem Seil in der Felswand. Wir haben gemeinsam so sehr gekämpft, aber der Mann hat es am Ende nicht geschafft“, bedauert der 51-Jährige. Auch heute denkt er noch oft an diese belastenden Stunden im Felsenmeer zurück.

Es darf auch mal eine Träne fließen

Ganz besonders schlimm sind für ihn und seine Kollegen Einsätze, bei denen in irgendeiner Form Kinder involviert sind. Schulte erinnert sich an einen tragischen Vorfall, bei dem er an der Unfallstelle den Kindern sagen musste, dass „der Papa nicht mehr zurückkommt“. „Und da fließt auch bei dem einen oder anderen nach einem Einsatz mal eine Träne, wir sind ja keine Maschinen!“

Im Laufe der Dienstzeit bei der Feuerwehr kommt ein Feuerwehrmann oder eine -frau mit durchschnittlich 800 Toten in Kontakt. Das sind zum einen Menschen, die zu Hause oder in einem Pflegeheim sterben, aber es sind auch viele Fälle von Suizid, wo jemand vielleicht nicht nur Tabletten schluckt, sondern sich regelrecht hinrichtet – kein schöner Anblick. Dazu kommen Todesopfer nach Unfällen oder Bränden. Auch diese Bilder müssen erst mal raus aus dem Kopf.

Burkhard Brömmelmeier versucht, den Job zuhause so gut es geht außen vor zu lassen. „Ich möchte meine Frau nicht damit belasten“, so der 55-Jährige. Die elf Kilometer lange Heimfahrt mit dem Fahrrad ist für ihn ein gutes Mittel. „Da bekomme ich den Kopf meistens doch ganz gut frei!“

Was die Blauröcke ärgert, ist die die Tatsache, dass ihnen beim Einsatz immer mehr Respektlosigkeit begegnet. „Heutzutage muss man sogar auf seine Fahrzeuge aufpassen“, so Andreas Schulte, und Sascha Fiefeck empfindet es als Frechheit, dass bei Unfällen sofort Handys gezückt werden, um zu filmen. „Zudem werden Absperrungen ignoriert oder es wird gemeckert, dass das alles zu lange dauert. Da geht doch nicht!“

Aber es gibt auch schöne Momente. Das sind zum Beispiel die, wenn Dankeskarten auf der Feuer- und Rettungswache ankommen – von Menschen, die den Einsatz der Feuerwehr für das Gemeinwohl schätzen und Danke sagen wollen. „Und dann denken wir, da waren wir dabei und dem Menschen geht es heute gut. Das ist ein schönes Gefühl“, so Andreas Schulte.

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