Stefan Wolff

Wissenschaft 325 Meter über dem Dschungel

Diplom-Meteorologe Stefan Wolff erforscht die Auswirkungen des Klimawandels und die menschlichen Einflüsse auf das Ökosystem des größten Regenwaldes der Erde am Amazonas.

Foto: IKZ

Diplom-Meteorologe Stefan Wolff erforscht die Auswirkungen des Klimawandels und die menschlichen Einflüsse auf das Ökosystem des größten Regenwaldes der Erde am Amazonas. Foto: IKZ

Hemer/Brasilien.  Zugegeben, der Blick ist einzigartig, aber die Höhe des Turmes hat es mit 325 Metern auch in sich. Das orangefarbene Geländer sieht auch nicht gerade vertrauenserweckend aus, aber für Stefan Wolff ist das schlichtweg Alltag. Der Deilinghofer hat 1999 am Woeste-Gymnasium Abitur gemacht, Umwelttechnik und Meteorologie studiert und ist heute Diplom-Meteorologe in Diensten des Max-Planck-Instituts Mainz. Zurzeit aber arbeitet er im Amazonas-Gebiet und erforscht seit mehr als fünf Jahren die Auswirkungen des Klimawandels und die menschlichen Einflüsse auf das Ökosystem des größten Regenwaldes der Erde. Mitten im Urwald steht der höchste Turm Südamerikas, der ATTO (Amazon Tail Tower Observatory). Dort oben kann der Meteorologe wissenschaftliche Daten hoch über dem Regenwald sammeln.

Stefan Wolff ist bald wieder auf Heimaturlaub in Deilinghofen, weil er an einem Kongress in Wien teilnimmt. Danach will er die Hemeraner an seiner Arbeit in Brasilien teilhaben lassen. Denken die Menschen an Brasilien, gehen die ersten Gedanken oft in Richtung Sonne, Samba und Fußball – und einige denken vielleicht an das satte Grün des größten Dschungels der Welt, der von allen Seiten gnadenlos mit Kettensägen und Bulldozern zerstört wird.

Forschungsprojekt am Amazonas läuft seit 2011

Seit 2011 läuft in Brasilien ein Forschungsprojekt deutscher und brasilianischer Instituten, um das einzigartige Ökosystem besser zu verstehen und seine wichtige Bedeutung aufzeigen zu können. Zentrales Element ist der 325 Meter hohe Turm. Auf ihm werden laut Stefan Wolff Messungen gemacht, die Aufschlüsse über die Zusammensetzung der Atmosphäre und ihr Wechselspiel mit dem Regenwald geben. Welche Substanzen atmen die Bäume ein und wieder aus? Wie verhält sich der Wald nach starken tropischen Regenschauern und was passiert, wenn es ein paar Tage nicht regnet?

Ein Fokus der Untersuchungen liegt auf den Auswirkungen der gewaltigen Abholzungen und des Klimawandels auf das Ökosystem des Regenwaldes. Wie lange kann dieses noch in seiner jetzigen Form überleben, wenn die Auswirkungen der Rodung immer stärker werden? Um diese Fragen beantworten zu können werden kontinuierliche Aufzeichnungen von Spurengasen wie Kohlendioxid und Ozon neben hochaufgelöste Analysen von Aerosolen vorgenommen, mit denen sogar Sahara-Staub aus Afrika nachgewiesen werden kann, und natürlich gehören auch Rund-um-die-Uhr-Aufzeichnungen der Wetterbedingungen dazu – von tropischen Wolkenbrüchen, die manchmal von krachendem Donner, Blitzen und heftigen Winden begleitet werden, bis zu schwüler Hitze von knapp 40 Grad oder milden Nächten. „Dazu die röhrenden Stimmen der Brüllaffen, die einvernehmlich in einem tiefen konzertartigen Klang erstrahlen und weit über den Wald tragen“, beschreibt Stefan Wolff seine Eindrücke.

Ministerien zweier Länder finanzieren das Projekt

Finanziert wird das Forschungsprojekt mit 8,4 Millionen Euro durch die Forschungsministerien beider Länder. Die Forschungen selbst werden federführend vom nationalen Amazonas-Forschungsinstitut (INPA) in Manaus, den Max-Planck-Instituten für Chemie (Mainz) und für Biogeochemie (Jena) sowie der Universität des brasilianischen Bundesstaates Amazonas durchgeführt, wobei eine wachsende Anzahl an Instituten und Universitäten Interesse daran zeigt, zu diesen einzigartigen Untersuchungen beizutragen.

Diplom-Meteorologe Stefan Wolff freut sich auf Zuhause und lädt zusammen mit dem Film- und Videoclub Hemer all jene ein, die Lust haben, mehr über das Leben in Manaus, im Regenwald und die Forschungen vom höchsten Turm Südamerikas aus zu erfahren. Die Präsentation findet am Donnerstag, 14. April, um 19 Uhr in der Grundschule Deilinghofen statt.

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