Neubaugebiet

Wohnraum zwischen Natur und Stromtrasse

An der Parkstraße soll ein neues Wohngebiet entstehen.

An der Parkstraße soll ein neues Wohngebiet entstehen.

Foto: Privat

Hemer.  Bebauungsplan für die „Feldstraße Nord“ ist als Satzung beschlossen worden. 22 Einfamilienhäuser sind geplant

Den Bebauungsplan für den ersten Abschnitt der „Feldstraße Nord“ hat der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr in seiner Sitzung am Dienstagabend einstimmig als Satzung beschlossen und als Empfehlung an den Rat weitergegeben. Am westlichen Rand der Innenstadt plant die Stadt eine neue Wohnbebauung, die vor allem aus Einfamilienhäusern bestehen soll. Damit sollen vor allem junge Familien in die Felsenmeerstadt gelockt werden. Insgesamt sollen im ersten Bauabschnitt 22 Einfamilienhäuser entstehen.

Angesiedelt ist das Gebiet im sogenannten Bebauungsplan „Feldstraße Nord“ zwischen Wohngrundstücken an der Parkstraße und Im Hölken und einer ackerbaulich genutzten Fläche. Eine weitere Grenze ist eine bestehende Hochspannungsleitung im Südwesten. Weitere 21 frei stehende Einfamilienhäuser sollen im zweiten südlichen Bauabschnitt entstehen. Insgesamt 43 Einfamilienhäuser werden also gebaut.

Immer weniger junge Familien in Hemer

Als Begründung für die Baumaßnahme nennt die Verwaltung unter anderem den demografischen Wandel und den Bevölkerungsrückgang im Stadtgebiet. Vor allem junge Familien sollen sich in Hemer ansiedeln. Der Anteil der 25- 39-Jährigen an der Hemeraner Gesamtbevölkerung lag laut Stadt Ende 2014 bei 19 Prozent. Von 2005 bis 2014 sei der Anteil dieser Gruppe an der Bevölkerung um drei Prozent gesunken.

Als bevorzugte Wohnform für die Bevölkerungsgruppe „Junge Familien“ nennt die Verwaltung Einfamilienhäuser in freiraumgeprägter Lage, verbunden mit einer „räumlichen Nähe zu kinderorientierten, sozialen Infrastruktur“, also Kindergärten, Spielplätze und Schulen. Sowohl Europaschule als auch Woeste-Gymnasium und Wulfertschule befinden sich in fußläufiger Nähe. In der Nähe des Wohngebietes sind zudem das Altenheim Hermann von der Becke und das Seniorenzentrum Parkheim. Außerdem befindet sich der Landschaftsraum Duloh in der nahen Umgebung.

Hochspannungsleitung begrenzt Wohnraum im Süden

Bisher wird das Plangebiet landwirtschaftlich genutzt. Der nördliche Teil dient überwiegend als Weideland, der südliche Teil ist Ackerland. Begrenzt ist das Baugebiet durch eine Hochspannungsfreileitung mit einer Leistung von 110 Kilovolt. Ein 16 Meter breiter Schutzstreifen soll die Grundstücke der Einfamilienhäuser von der Trasse trennen.

Umrahmt wird das Bebauungsgebiet ebenfalls von zwei Grünstreifen. Die an die Stromleitung angrenzende Fläche im Süden ist öffentlich, geplant sind darin Parkanlagen und ein Spielplatz. Im Norden der Bebauung ist in der Satzung festgelegt, dass die privat genutzten Flächen von den Besitzern dauerhaft begrünt werden müssen. Auch die als Vorgärten festgesetzten Bereiche sind mit Ausnahme der Stellplatz- und Garagenzufahrten und den Hauszuwegungen gärtnerisch zu gestalten. Damit sollen Schottergärten verhindert werden. Dachflächen von Nebenanlagen und Garagen mit einer Neigung von höchstens fünf Prozent sollen laut Satzung mindestens zu 50 Prozent mit einer Dachbegrünung versehen werden. Innerhalb des Wohnraums ist zudem eine verkehrsberuhigte Straßenführung geplant.

Im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung haben vor allem Anlieger die Sorge geäußert, dass eine allzu hohe Bebauung zu einer „Verschattung“ des eigenen Grundstücks führen könnte. Die Stadt verweist in diesem Fall auf die maximal zulässigen Gebäudehöhen im Bebauungsplan. Diese sollen eine Traufhöhe von maximal fünf Meter und eine Firsthöhe von maximal zehn Metern aufweisen. Eine weitere Sorge möglicher Interessenten ist die Nähe zur Hochspannungsleitung.

In diesem Fall verweist die Stadt auf die Richtwerte von Hochspannungsleitungen und den eingehaltenen Mindestabstand von 16 Metern. „Hochspannungsfreileitungen müssen grundsätzlich so betrieben werden, dass sie die Grenzwerte für elektrische und magnetische Felder einhalten“, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung zum Anliegen.

Für Diskussionen im Ausschuss sorgte noch der Hinweis, dass auch nicht genehmigungspflichtige Bauvorhaben wie beispielsweise eine Gartenhütte im Schutzstreifen der Stromleitung nur mit der Zustimmung des Leitungsträgers, zurzeit Westnetz, getätigt werden dürfen. Das habe mit Regress-Ansprüchen zu tun, wie Ausschussvorsitzender Hans Schmöle erklärte. Würde beispielsweise durch den Riss einer Stromleitung ein Gartenhaus beschädigt, müsste Westnetz, wenn nicht anders vereinbart, die Kosten übernehmen. Um die Leitung nicht zu gefährden und Wartungsarbeiten zu ermöglichen, sind zudem Gewächse in einer bestimmten Höhe unterhalb der Stromtrasse nicht erlaubt.

Bebauungsplan erlangt nach Ratsentscheidung Rechtskraft

Entscheidet sich der Rat in seiner nächsten Sitzung dafür, der Empfehlung des Ausschusses zu folgen, erlangt der Bebauungsplan mit der Bekanntmachung Rechtskraft. Für die Bebauung soll ein Erschließungsvertrag zwischen der Stadt Hemer und dem privaten Erschließungsträger geschlossen werden.

Dieser baut darauf in Kooperation und Absprache mit der Stadt die Straßenführung und das Kanalsystem.

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