Prozess

Zehnjährige berichtet von Zudringlichkeiten ihres Onkels

Landgericht Hagen

Landgericht Hagen

Foto: MERKEL, Cornelia

Hemer/Hagen.   Der 29-jährige Angeklagte erscheint mit schwarzem Totenkopf-T-Shirt vor der Jugendschutzkammer und schweigt weiter.

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Die zehnjährige Zeugin sitzt verängstigt zwischen ihren Eltern und Angehörigen im Gerichtssaal in Hagen, die ihr immer wieder den Arm um die Schulter legen, um sie zu ermutigen. Als Richter Marcus Teich sie nach vorne bittet, kommt der Papa mit und setzt sich neben sie. Ihr mitgebrachtes Kuscheltier gibt sie vor ihrer Aussage an die Mama. Dann beginnt die Befragung zu den Vorwürfen gegen den 29-jährigen Hemeraner vor der Jugendschutzkammer, der sich wegen dreifacher sexueller Misshandlung verantworten muss. Da sich der Angeklagte zum Prozessauftakt in Schweigen gehüllt hat, muss sein mutmaßliches Opfer aussagen: „Der Angeklagte ist dein Onkel, deswegen musst du nichts sagen, wenn du nicht möchtest“, erklärt Richter Teich das Prozedere. „Weißt du was passiert, wenn er verurteilt wird?“ Das Kind antwortet ganz leise, ist kaum zu verstehen: „Ja, er muss ins Gefängnis.“

Ob es an dem ganz in Schwarz gekleideten Angeklagten mit riesigen Totenkopf-Shirt liegt, oder an dem Erscheinen vor der 2. großen Strafkammer mit zwei Berufsrichtern und zwei Schöffen sowie den Vertretern der Staatsanwaltschaft und Verteidigung in schwarzen Roben, oder an dem Tatvorwurf, seine damals sechs bis sieben Jahre alte Nichte missbraucht zu haben: Das Kind hat Angst. Dennoch möchte das Mädchen aussagen.

Zehnjährige bestätigt den Missbrauch durch ihren Onkel

Es bestätigt die Vorwürfe gegen ihren Onkel, der bis vor zwei Jahren zeitweise bei ihnen zuhause gewohnt hat, bis einem Babysitter aufgefallen war, dass der Mann sie im Schlafzimmer zum Weinen gebracht hatte. Mit hochrotem Kopf verfolgt er, dass sie die Tatvorwürfe bestätigt: „Ich habe schon geschlafen, und er hat mich aufgeweckt und mir ein Handy gegeben“, erzählt sie. „Dann lag er neben mir im Bett und hat den Arm über mich gelegt. Ich habe später geweint. Es war komisch und doof. Ich hatte Angst.“ Als der Richter sie zu Einzelheiten befragt, weint sie und lehnt ihren Kopf an Papas Schulter. Und bestätigt knapp, dass der Onkel ihr unter der Kleidung an die Scheide gefasst hat und sie gegen ihren Willen dazu gebracht hat, ihn zu befriedigen.

Nach der Aussage zieht sie die Kapuze vor ihr Gesicht, um den Onkel auf der Anklagebank nicht zu sehen. Die Mama nimmt sie am Arm. Und die Familie verlässt den Gerichtssaal. Dann berichten zwei Polizeibeamte als Zeugen, wie sich das Kind nach der Anzeige schwer tat, die Zudringlichkeiten des Onkels zu beschreiben: „Es war eine große Geheimniskrämerei des Kindes“, sagte ein Polizeibeamter. Ihm gelang es dann aber, das Mädchen dazu zu bringen, die Vorgänge zu zeichnen und aufzuschreiben. Demnach hat sich der Angeklagte zu ihr ins Bett gelegt und sie im Intimbereich berührt. Weitere Übergriffe sollen bei dem Onkel im Bett passiert sein.

„Die extreme Zurückhaltung war vorhersehbar“, erklärt die Aussagepsychologin Cornelia Orth. „Wenn sie über Sexualität sprach, hat sie sich völlig verschlossen.“ Die Gutachterin berichtet, dass das Mädchen Sorge hatte, dass ihr Onkel „für immer und ewig in den Knast muss“. Der Prozess geht am 21. Mai weiter.

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