Klavierkonzert

Zugang zur vermeintlich unverständlichen Moderne eröffnet

Jörg Kötter von der Stiftung der Sparkasse bedankte sich bei Nina Gurol für das großartige Konzert.

Jörg Kötter von der Stiftung der Sparkasse bedankte sich bei Nina Gurol für das großartige Konzert.

Foto: Köster

Hemer.   Die junge Pianistin Nina Gurol bezauberte das Publikum des von der Sparkassen-Stiftung ausgerichteten Konzertes.

Die Konzerte mit klassischer Musik haben in den zurückliegenden Jahren dem Hemeraner Publikum Begegnungen mit etlichen jungen, vielversprechenden Musikerinnen und Musikern verschafft und in ihrer Gesamtheit das Schaffen von Komponisten vieler Epochen widergespiegelt. Selten aber standen so sehr zeitgenössische Werke im Mittelpunkt, wie beim großartigen Konzert, das die erst 20-jährige Pianistin Nina Gurol aus Leverkusen am Sonntag im Jugend- und Kulturzentrum gegeben hat.

Seit die Stiftung der Sparkasse im Jahr 2006 zur Eröffnung des JuK der Stadt Hemer einen Steinway-Flügel geschenkt hat, ist es Tradition, dass die Stiftung zu Jahresbeginn ein Konzert in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro möglich macht, in deren Mittelpunkt das Instrument steht. Und welche Klangfarben, welche Dynamik, welche Gefühle und welche Freude mit dem Steinway erzeugt werden können, hat Nina Gurol eindrucksvoll demonstriert.

Obwohl sie ihr Herz an die zeitgenössische Klaviermusik verloren hat, wie sie selbst am Rande des Konzertes verriet, eröffnete sie den Abend mit Beethovens Sonate op 22. in B-Dur, einem Werk, das noch ganz in der Tradition der Wiener Klassik steht. Gerade im langsamen zweiten Satz aber deutete die Künstlerin bereits an, wie einfühlsam sie den Flügel zu behandeln versteht, wie sie die Töne zum Schweben und Leuchten bringt.

Nach der Beethoven-Sonate riss Nina Gurol ihr Publikum mit vier Präludien des 1960 geborenen Briten George Benjamin aus den konventionellen Hörgewohnheiten. Benjamin reizt die funktionale Harmonik bis an die Grenzen aus, spielt mit Takt und Rhythmik, ohne jedoch den Hörer zu provozieren. Und an dieser Stelle wurde bereits deutlich, zu welch wunderbarem Ergebnis die Liebe der Pianistin zu dieser modernen Musik führt. Aufgeregt, aber nicht überanstrengt wurde das Publikum in die Pause entlassen.

Den zweiten Teil des Konzertes eröffnete Nina Gurol mit dem „Blick des Vaters“ aus seinem Zyklus „20 Blicke auf das Jesuskind“ von Olivier Messiaen (1908 – 1992), einem der wichtigsten Lehrer des zuvor gehörten George Benjamin, um dann mit zwei Stücken von Claude Debussy (1862 – 1918) ins Grenzgebiet zwischen Romantik und Moderne zurückzukehren. Mit Bela Bartoks „Klängen der Nacht“ aus der Suite „Im Freien“ aus 1926 bewies Nina Gurol, wie anschaulich und unterhaltsam auch die vermeintlich unverständliche moderne Musik sein kann. Eingebettet in ostinate Formen erklingen das Gurren von Tauben, der Ruf des Käuzchens und andere Tierstimmen. Bela Bartok und Nina Gurol entführten das Publikum auf einen faszierenden Spaziergang durch den nächtlichen Wald. Und als fulminanten Schlusspunkt setzte die Pianistin – nicht wie im Programm angekündigt ein Capriccio von György Ligeti – sondern eine donnernde Etude von Alexander Skrjabin (1872 – 1915), deren enorme technische Herausforderung sie scheinbar mühelos meisterte.

Das Publikum war begeistert und spendete langen Beifall.

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