Schüler-Uni

Alexander Mottl aus Herdecke studiert als 13-Jähriger Chemie

Schüler-Uni und Kurse am Institut für das begabte Kind: Alexander Mottl (13) aus Herdecke studiert im zweiten Semester Chemie in Bochum und spielt gerne mit Nerf-Plastikwaffen

Schüler-Uni und Kurse am Institut für das begabte Kind: Alexander Mottl (13) aus Herdecke studiert im zweiten Semester Chemie in Bochum und spielt gerne mit Nerf-Plastikwaffen

Foto: Steffen Gerber

Herdecke.   Seit Oktober besucht der 13-jährige Alexander Mottl aus Herdecke die Bochumer Schüler-Uni und Chemie-Vorlesungen. Dank einer Ausnahmegenehmigung.

Wenn Alexander Mottl eine Nerf-Spielzeugwaffe umbaut, sitzt jeder Handgriff. Dafür bleibt dem Herdecker in einer normalen Woche wenig Zeit. Denn der 13-Jährige, der die Holzkamp-Gesamtschule in Witten besucht, studiert in Bochum Chemie. Im zweiten Semester. Als Jüngster. Die Schüler-Uni ist eigentlich erst für talentierte Jugendliche der Oberstufe vorgesehen. Für Achtklässler Alex gilt eine Ausnahmeregelung.

„Es macht mir Spaß und auch nichts aus, dass um mich herum alle älter sind“, sagt Alexander mit Blick auf den Montag, wenn er mit dem Bus zur Ruhr-Universität fährt und in Chemie-Vorlesungen sitzt. An anderen Wochentagen am frühen Abend und samstags kommen Kurse (Naturwissenschaften, Astronomie) hinzu, die das Bochumer Institut für begabte Kinder anbietet. „Wir als Eltern und seine Lehrer achten auch darauf, dass er in der Schule Verpasstes nachholt. Bisher hat aber alles dank guter Rücksichtnahme gut geklappt“, meint Mutter Britta Mottl.

Onkel ist Chemiker

Wer ist dieser talentierte Lockenkopf? „Schon in seiner Kindheit wollte er viel wissen, hat viele Fragen gestellt und besonders seinem Onkel intensiv zugehört“, erzählt Mama Mottl, deren Bruder Chemiker ist und in Berlin lebt. Zum naturwissenschaftlichen Interesse komme bei Alexander eine Sprachbegabung und ein gutes Gedächtnis. Das zeigte sich auch schon in Grundschulzeiten in Ende (Am Berge) und dann nach dem Umzug am Sonnenstein. Dort konnte er sein Lerntempo selbst bestimmen. Bemerkenswert: Alex, wie ihn alle nennen, bekam keine Gymnasial-Empfehlung.

In der Holzkamp-Gesamtschule, die auch Herdecker besuchen, sollte er sich im Unterricht aber immer wieder langweilen und fühlte sich unterfordert. In der Freizeit klickte er im Internet Seiten mit Naturwissenschafts-Experimenten an. „Da entdeckte ich etwa, dass das Metall Gallium durch Körpertemperatur schmilzt.“ Für eigene Experimente zuhause durfte er sich 18 Kilo Trockeneis bestellen und flutete die Küche mit Rauch oder andere Räume mit Schaum. Erfreulich: Die Wohnung blieb heil. „Wir wussten aber, dass wir aktiv werden müssen und einen Ausgleich für ihn finden sollten“, so Britta Mottl.

Als Lehrer den Eltern und dem Siebtklässler die Schüler-Uni vorschlugen, ging es nach Bochum. Das Vorstellungsgespräch ergab: Alex kann ab Oktober 2018 nebenbei studieren. „Für ihn geht es nicht zuvorderst um Leistung und Prüfungen, an der Schüler-Uni nehmen auch nicht nur hochbegabte Kinder teil“, erzählt Mama Mottl. Es gehe um die Förderung leistungsbereiter Talente, gerade in Teildisziplinen. Im ersten Semester war Alex dann sogar drei Tage an der Ruhr-Universität, ohne dass sich die Schulnoten änderten.

Kein klassischer Einser-Schüler

„Es hat vom ersten Tag an mit der Vorlesung zu allgemeiner Chemie Spaß gemacht, ich verstehe da auch viel. Mir gefallen besonders die Experimente und der normale Umgang der Professoren mit mir, während manche Studenten mich schon mal erstaunt ansprechen“, sagt der 13-Jährige und lässt erkennen, dass bezüglich Unterrichtsmotivation schon mal ein Anschub nötig sei. Zumal er kein klassischer Einser-Schüler sei. Seine stärksten Fächer sind, na klar, Naturwissenschaften und Sprachen, „in Kunst war und bin ich ziemlich schlecht“.

Bis zum Abitur soll nun beides parallel laufen, Flexibilität helfe bei der Semester-Gestaltung in Abstimmung mit den Holzkamp-Lehrern. Die Reaktionen seiner Mitschüler fallen derweil unterschiedlich aus. Manche fragen interessiert nach, manchmal muss sich Alex aber auch „über dumme Sprüche ärgern“. Etwa nach dem Beitrag eines Fernsehsenders über ihn.

Berufswunsch? Na klar, Richtung Chemie, vielleicht in die Forschung. „Ich bin eher der praktische Typ. Je nach Thema kann ich mich auch mal bis spät abends damit beschäftigen.“ Zeit für Hobbys wie Trampolinspringen, Computerspiele und Treffen mit Freunden bleibe wenig. Wichtig ist für Alex Mottl: „Sonntags ist schön, mal ausschlafen zu können.“

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