Politik

Ausschuss für Feuerwehr im Dorf

Das Feuerwehrgerätehaus in Wengern ist zu klein. Diskutiert werden nun Abriss und Neubau am Ort oder am Heringhäuser Feld.

Das Feuerwehrgerätehaus in Wengern ist zu klein. Diskutiert werden nun Abriss und Neubau am Ort oder am Heringhäuser Feld.

Foto: Archiv

Wengern.  Nach erneuter Diskussion stimmte der Fachausschuss mehrheitlich für einen Neubau im Ortskern.

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Das Ergebnis der Abstimmung im Stadtentwicklungs-, Wirtschaftsförderungs- und Bauausschuss (SWBA) zum möglichen Standort des neuen Feuerwehrgerätehauses Wengern ist nicht überraschend. CDU und SPD stimmten geschlossen für einen Neubau im Ortskern. Die Grünen enthielten sich, die FDP stimmte dagegen.

Zuvor hatte es eine erneute Diskussion und viele Fragen in der Elbschehalle gegeben. Aufgrund der Brisanz hatte die Verwaltung entschieden, die Bürger an der Diskussion teilnehmen zu lassen. Dafür wurde die Sitzung unterbrochen. Zuvor stellte das Architekturbüro Winkler und Partner noch einmal die vorläufige Machbarkeitsstudie zum Standort im Dorfkern vor. Birgit Gräfen-Loer, Fachbereichsleiterin Bauen der Stadt Wetter, zeigte die Möglichkeiten am Heringhäuser Feld. Beide Standorte mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen (wir berichteten) wurden gegenüber gestellt. Die Erkenntnisse daraus wurden im Anschluss zur Fragerunde und Diskussion mit den Bürgern freigegeben.

Grundstücksgröße bezweifelt

Norbert Willam, Chef vom Hotel Henriette Davidis, beklagte eine fehlerhafte Rechnung des Grundstücks im Ortskern. Das wird in den Unterlagen mit 1160 Quadratmetern angegeben. „Ich habe mir das Grundstück und die Skizze angeschaut. Die Quadratmeterzahlen beziehen aber auch die Grünfläche mit ein, die noch abgezogen werden müsste. Demnach beträgt das Grundstück, das dann noch zur Verfügung steht, nur noch 850 Quadratmeter“, merkte er an und äußerte danach sein Unverständnis darüber, dass trotzdem die Fläche so klein sei, dort dennoch gebaut werden soll.

Dieter Röllke, ebenfalls Wengeraner, interessierte, welche Umweltbelange bei der Machbarkeitsstudie berücksichtigt worden seien. „Die werden im anstehenden Planverfahren natürlich geprüft“, so Gräfen-Loer.

Mark Nikolas fragte nach, ob bei der günstigeren Variante am Heringhäuser Feld auch alle eventuell noch anfallenden Kosten mitgerechnet seien: „Steigen die Kosten noch an, wenn beispielsweise der verrohrte Bach verlegt werden muss? Wie sieht es mit der Mülldeponie darunter aus? Sind da noch weitere Kosten zu erwarten?“

Wilfried Brüggestrat meldete sich mit der Frage zu Wort, ob denn die Waschplätze für die Fahrzeuge und Parkplätze für die Einsatzkräfte, die im Dorfkern nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung gestellt werden können, nicht zwingend notwendig sind. Seitens des Architekturbüros wurde darauf hingewiesen, dass nach derzeitigem Stand alle notwendigen DIN-Normen erfüllt werden könnten und die Plätze nicht zwingend an dem Standort erfüllt werden müssten.

Ehrenwehrführer Detlef Fuge setzte danach zu einer emotionalen Ansprache an. Bei all den Diskussionen um den Standort und allen Vor- und Nachteilen, die angesprochen werden, sollte doch ein Aspekt die stärkste Berücksichtigung finden. „Was wiegt mehr? Eine Million Euro Mehrkosten oder ein Menschenleben?“, fragte er. „Wir werden natürlich auch ins Heringhäuser Feld fahren, wenn das gewünscht ist, aber ich gebe zu bedenken, dass alle Kollegen ehrenamtlich arbeiten. Sie müssen mit ihren Privat-PKW zur Wache fahren, in denen sie nicht kenntlich sind, weil sie kein Blaulicht auf dem Dach haben. Wenn irgendwas auf der Osterfeldstraße passiert, müssen wir Ehrenamtlichen privat dafür gerade stehen“, gibt Fuge zu bedenken. „Wenn sich junge Leute heute noch bewusst dafür entscheiden, zu uns zu kommen, dann sollten sie die beste Ausrüstung, die beste Technik und das beste Feuerwehrgerätehaus bekommen – und das ist nicht im Heringhäuser Feld“, schloss er seine Rede und erntete dafür viel Applaus der Anwesenden.

Feuerwehrchef Ralf Tonetti erläuterte in seiner kurzen Präsentation noch einmal die Acht-Minuten-Regel. „Im Brandschutzbedarfsplan steht, dass wir von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort nicht länger als acht Minuten brauchen dürfen“, so Tonetti. Darin enthalten ist auch die Anfahrt zur Wache. Vom Wohnort der Kameraden bis zum Dorfkern wären das etwa fünf Minuten, bis zum Heringhäuser Feld über die Osterfeldstraße etwa sieben Minuten. Dementsprechend verringere sich der Umkreis, der danach als Einsatzort innerhalb dieser verbleibenden Zeit bis zu den acht Minuten erreicht werden könne. „Wer mit Schutzzeiten jongliert, jongliert mit rohen Eiern. Das geht nur solange gut, bis eines runterfällt“, mahnt er.

In zwei Wochen entscheiden

Im Anschluss wurde die Sitzungsunterbrechung aufgehoben und die Politiker meldeten sich zu Wort. Die Grünen brachten eine Protokollnotiz ein, nach der noch zu viele Fragen ungeklärt seien und sie sich daher bei der Abstimmung enthalten würden. Die FDP brachte ihren Unmut an. „Die Überlegungen zum Feuerwehrgerätehaus sind mindestens drei Jahre alt. Mehrfach wurde von der FDP nachgefragt, wie sich die Dinge entwickeln. Und jetzt – nachdem die ersten Pläne vorliegen und auf der Bürgerinformationsveranstaltung auch für uns zum ersten Mal vorgestellt wurden, sind nach unserer Auffassung noch sehr viele Fragen offen, aber die Politik soll innerhalb von 14 Tagen entscheiden“, so Doris Hülshoff.

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