Bildung

Corona: Auszubildende lernen im Online-Klassenzimmer

Virtuelles Berufsbildungswerk: Den Stundenplan erhalten die Schüler am Montag online.

Virtuelles Berufsbildungswerk: Den Stundenplan erhalten die Schüler am Montag online.

Foto: ESV / WP

Volmarstein.  Corona hat auch das Leben in der Evangelischen Stiftung Volmarstein einschneidend verändert. Die Azubis lernen jetzt online.

Besuche bei Bewohnern der Altenheime und Patienten der Orthopädischen Klinik in der Evangelischen Stiftung Volmarstein sind verboten. Rollstuhlfahrer dürfen sich nur zu zweit in der Öffentlichkeit aufhalten -- sprich: zwei Rollstuhlfahrer und zwei Betreuer, die die Rollstühle schieben. Die Oberlinschule und das Werner-Richard-Berufskolleg sind geschlossen. Auch das Berufsbildungswerk ist verwaist, und die Auszubildenden, die in in normalen Zeiten in der Stiftung wohnen, sind derzeit zuhause. Aber das Lernen geht weiter. Dazu treffen sich viele Azubis, Ausbilder, Lehrer und Sozialpädagogen aktuell in virtuellen Klassenzimmern.

Alle Mailadressen aktualisiert

„Wir hatten uns schon im Vorfeld gut vorbereitet und die Kontaktdaten wie Rufnummern oder Mailadressen aller Auszubildenden aktualisiert", sagt Christian Henning, Fachkoordinator des Bereichs Wirtschaft und Verwaltung im BBW. Denn aktuell steht dort das Online-Lernen im Fokus. „Wir sind da, je nach Ausbildungsberuf, sehr gut aufgestellt. Wir haben eine eigene Online-Lernplattform und stellen dort eigene Inhalte ein", so Henning weiter. Die Software sei offen für alle Endgeräte, also auch für Smartphones. „Im virtuellen Klassenzimmer treffen sich die Auszubildenden auch optisch, wenn sie möchten und die technischen Voraussetzungen dafür haben. Ansonsten kommunizieren sie eben akustisch und per Chat", so der Fachkoordinator. Ganz ausgeprägt genutzt werde diese Möglichkeit des Lernen von den angehenden Informatik- und E-Commerce-Kaufleuten sowie von den Mediengestaltern. „Wir wollen das System aber BBW-weit ausweiten und hatten dazu am Mittwoch extra eine Schulung, damit alle Ausbilder, Lehrer und Sozialpädagogen es in jedem Bereich nutzen können."

Prüfungen stehen bevor

Es sei wichtig, dass das Lehren und Lernen weitergehe - besonders für die Azubis im dritten Lehrjahr. Die Prüfungen zum Ende der Ausbildung würden im Mai bzw. Juni stattfinden. Henning: „Wir gehen derzeit davon aus, dass die Prüfungen durchgeführt werden. Die Prüfungsvorbereitung läuft auf Hochtouren. So werden Aufgaben verschickt, und es wird dann terminlich vereinbart, wann man sich im virtuellen Klassenzimmer zur Besprechung trifft. Dabei kann man dann zum Beispiel auch Präsentationen zeigen", erklärt Christian Henning. Dennoch, so betont er, sei es für Ausbilder und Lehrer wichtig, die Lerninhalte untereinander abzustimmen, "damit die Azubis nicht überfrachtet werden". So würden nun in kurzer Zeit individuelle Stundenpläne für alle Auszubildenden erstellt: „Am Schultag gibt es dann Aufgaben vom Lehrer, am Praxistag Aufgaben aus dem BBW", erklärt Henning. „Stand jetzt ist, dass wir Anfang nächster Woche diese Stundenpläne verschicken." Die seien ganz wichtig, etwa für junge Leute mit einer Autismus-Spektrum-Störung: „Die brauchen Strukturen. Für viele ist es schon schlimm genug, dass sie nicht mehr hier im BBW sein können, sondern zuhause sind. Sie brauchen einen zeitlichen Rahmen und müssen wissen, dass um 17 Uhr Schluss mit den Aufgaben ist."

Viel positive Rückmeldung

Christian Henning: „Es ist eine Herausforderung und für alle ungewohnt, aber wir kriegen viel positives Feedback von Auszubildenden, die Spaß daran haben. Und einige Ausbilder haben das Gefühl, dass die Teilnehmer in den Videokonferenzen aufmerksamer sind. In manchen Bereichen ist es dagegen auch schwierig, da gibt es auch Verweigerungshaltungen, aber das ist eher die Ausnahme." Azubis aus den handwerklichen Bereichen könnten im virtuellen Klassenzimmer natürlich nicht arbeiten: „Dort findet ein Kontaktaustausch per Mail statt; aber es ist schwer, die jungen Leute mit Aufgaben zu versorgen; denn sie haben ja keine Maschinen zuhause. Da kann man nur auf theoretische Unterweisung setzen." Grundsätzlich lernten dennoch alle derzeit ganz viel virtuell: „Und dieses Wissen kann man auch später noch gut verwenden, zum Beispiel wenn mal längere Krankheitsphasen auftreten."

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