Kolumne „Mein Gott“

Die Sehnsucht nach Veränderungen

Pfarrer Michael Waschhof ist seit Ende 2018 und offiziell seit Anfang 2019 bei der Evangelischen Kirchengemeinde Wengern.

Pfarrer Michael Waschhof ist seit Ende 2018 und offiziell seit Anfang 2019 bei der Evangelischen Kirchengemeinde Wengern.

Foto: Privat

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An diesem Wochenende geht sie wieder los, die neue Bundesligasaison. Und mit dem Start dieselben Fragen wie immer: Wo landet mein Verein? Wer steigt ab? Mit wie vielen Punkten Vorsprung wird Bayern dieses Mal Meister? Und welcher Trainer muss als erstes den Hut nehmen?


Und hinter diesen Fragen stecken ganz oft auch Sehnsüchte: Sehnsucht, dass dieses Jahr alles anders wird, dass es einen anderen Meister geben könnte, dass vielleicht sogar mein Verein oben steht. Sehnsucht, dass keine Langeweile aufkommt oder dass es fairer und transparenter zugeht, wenn der Videoschiedsrichter zum Einsatz kommt.


So wie sich alljährlich die Sehnsucht nach Veränderung im Hinblick auf die neue Saison ausdrückt, so erlebe ich dieses Gefühl auch in anderen Bereichen. Im Kleinen, bei mir persönlich: Dass nicht alles immer seinen gewohnten Gang geht. Manchmal lockt sogar das Ausbrechen aus dem Trott, den schon Udo Jürgens in seinem Lied „Ich war noch niemals in New York“ besang. Oder die Sehnsucht nach Veränderung im Großen, wenn Beruf, Alltag oder Familiensituation gerade gar nicht mehr zu passen scheinen.


Als Christinnen und Christen glauben wir daran, dass Veränderungen möglich sind, sogar dass ich mich und meine Einstellungen verändern kann. Nicht, weil etwas plötzlich vom Himmel fällt, sondern weil ich mir bewusst mache, dass ich mit etwas unzufrieden bin. Und nach Lösungen suche. Oder nach Menschen, die sich mit mir auf den Weg machen. Bei dieser Sehnsucht nach Neuanfängen kann ich darauf hoffen, im Glauben eben jene kraftvollen Impulse zu bekommen. Impulse, die mich erkennen lassen, wo wirklich ein Neuanfang nötig ist. Oder wo ich nur meine Einstellung ändern muss – und nicht gleich meinen Beruf oder Beziehungsstatus.


All diese Impulse, durch Gespräche mit anderen, durch Eingebungen und vieles mehr, bezeichne ich als Wirken des Heiligen Geistes, der mein Leben bereichert. Wie Gott spricht: „Denn ich habe euch nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“


Ob der Heilige Geist auch alle Fußballer beeinflusst, weiß ich nicht. Und die Meisterschaft liegt sicher nicht in Gottes Händen, sondern in den Füßen und Köpfen der Vereine. Und trotzdem erwächst aus meiner Sehnsucht die Hoffnung, dass dieses Mal doch vielleicht alles ein wenig anders wird…

Michael Waschhof ist seit Ende 2018 und offiziell seit Anfang 2019 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Wengern

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